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„Instrument der Vertuschung“

Die Klasnic-Kommission, die im Auftrag von Kardinal Christoph Schönborn den sexuellen Missbrauch und die Gewalt an Kindern durch Priester und Ordensleute untersucht, steht nun in einem besonders dramatischen Fall schwer in der Kritik.

Ein Gewaltopfer erhält keine Entschädigung, obwohl zunächst ein Geständnis vorlag und ein Gutachten der Kommission zum Schluss kam, dass die Vorwürfe stimmen, berichtete das Ö1-Morgenjournal am Montag - mehr dazu in oe1.ORF.at.

Laut der Plattform Betroffener kirchlicher Gewalt wurde der heute 57-Jährige, der anonym bleiben will, von 1966 bis 1969 von zwei Patres ausgepeitscht und bewusstlos geschlagen. Er habe eiskalt duschen und stundenlang auf kaltem Steinboden stehen müssen. Einer der Beschuldigten habe den Buben, der mit neun Jahren ins Internat nach Admont kam, vergewaltigt und auf den blutenden Rücken des Buben ejakuliert. Das Gewaltopfer leidet seither unter anderem an einem starken Gehörverlust auf einem Ohr, Depressionen und einer bis heute ungeheilten Wunde im Gesäß.

„Mitwisserschaft und Untätigkeit“

Die Plattform Betroffener kirchlicher Gewalt erhebt in dem Fall schwere Vorwürfe gegenüber Kardinal Schönborn und dem Bischof der Diözese Graz-Seckau, Egon Kapellari, denen sie „Mitwisserschaft und Untätigkeit“ vorwirft. Schönborn und Kapellari seien bereits 2010 über den Priester informiert worden, dieser sei jedoch nicht abgesetzt worden. Ihr Schuldeingeständnis hätten die beiden Beschuldigten „anscheinend auf Anraten von Schönborns Anwalt“ später widerrufen.

Die Klasnic-Kommission, die als „vielbejubelte PR-Aktion“ Schönborns gestartet sei, entpuppe sich damit immer mehr als "weiteres Instrument der kirchlichen Vertuschung“, so Sepp Rothwangl von der Plattform. Täter würden geschützt und Betroffene mit „Almosen“ abgespeist. Rothwangl fordert daher erneut, dass die kirchlichen Missbrauchsfälle vom Staat untersucht werden und die Klasnic-Kommission aufgelöst wird.

Stift bestreitet Vorwürfe

Das Stift Admont bestreitet die schweren Vorwürfe, dort ist lediglich von einer Ohrfeige die Rede. Gegenüber dem Nachrichtenmagazin „profil“ hatte einer der Beschuldigten im März 2010 die Verantwortung für die Hörbehinderung des Mannes übernommen und sich entschuldigt. Im Nachhinein seien die Vorwürfe laut dem Anwalt des Opfers aber wieder bestritten worden.

Der Betroffene selbst konnte im Ö1-Interview die Entscheidung der Klasnic-Kommission nicht nachvollziehen. Dabei kam der von der Kommission in Auftrag gegebene Bericht zu einem eindeutigen Ergebnis: „Es kann ein kausaler Zusammenhang zwischen den erlittenen sexuellen Übergriffen, den Schmerzen durch die Beschuldigten und den beschriebenen psychischen Folgen hergestellt werden.“ Gegenüber Ö1 betonte die Kommission, der Fall sei mehrmals geprüft worden. Dem Betroffenen stehe außerdem der Rechtsweg offen.

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