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Romney unterstützt Rücktritt

Wirbel am Rande der US-Vorwahlen: Paul Babeu, der Kovorsitzende des Wahlkomitees von Mitt Romney in Arizona, hat am Samstag sein Amt zurückgelegt. Ihm wurde von einem mexikanischen Einwanderer, mit dem er eine mehrjährige Beziehung geführt haben soll, vorgeworfen, ihn erpresst zu haben. Konkret soll er dem Mann mit Abschiebung gedroht haben, wie zahlreiche US-Medien berichteten.

Babeu gilt als republikanischer Hardliner, der mit seinen drastischen Forderungen im Bezug auf den Grenzschutz und Maßnahmen gegen illegale Einwanderer aufhorchen ließ. So war er unter anderem auch in einem Werbespot für den republikanischen Senator und früheren Präsidentschaftskandidaten John McCain aufgetreten.

In einem am Donnerstag in der Lokalzeitung „Phoenix New Times“ veröffentlichten Artikel gab der Ex-Liebhaber Jose (ein Nachname wurde nicht veröffentlicht) bekannt, dass er Babeu 2006 auf einer Datingplattform für homosexuelle Männer kennengelernt habe. Aus einigen unverbindlichen Treffen soll schon nach kurzer Zeit eine private und berufliche Beziehung entstanden sein. Babeu habe ihn damit beauftragt, seinen Onlineauftritt in Sozialen Netzwerken zu koordinieren.

Schlammschlacht zwischen Ex-Liebenden

Als die Beziehung an der Untreue Babeus scheiterte, entwickelte sich eine regelrechte Schlammschlacht zwischen dem ehemaligen Liebespaar, die nach Drohungen per SMS und E-Mail eskalierte. Babeu schaltete seinen Anwalt ein, der Jose im September eine Unterlassungserklärung zukommen ließ und gedroht haben soll, ihn wegen seines abgelaufenen Visums abschieben zu lassen.

Die Zeitung veröffentlichte zudem private Fotos des Sheriffs sowie Screenshots von der Datingplattform, auf der sich Babeu im „Anthony-Weiner-Style“ - also Bilder seines Geschlechtsteils - präsentierte, berichtete Dailybeast.com. Weiner war im Juni 2011 als US-Kongressabgeordneter zurückgetreten, nachdem er versehentlich intime Fotos von sich selbst per Twitter veröffentlicht hatte.

Offensive bei Pressekonferenz

Als Reaktion auf den „Phoenix New Times“-Artikel ging Babeu in die Offensive und erklärte sich am Donnerstag auf einer eigens einberufenen Pressekonferenz. Dass er schwul sei, sei kein Geheimnis. Er bestätigte auch, mit Jose eine Beziehung geführt zu haben, „zu keinem Zeitpunkt“ jedoch habe er oder jemand, der für ihn arbeite, dem Mexikaner mit der Abschiebung gedroht. Babeu bekannte sich zu den veröffentlichten Bildern - im Vergleich zu Weiner sei er nicht verheiratet und habe nie gelogen, was die Bilder angehe.

Seine Sexualität sei jedoch seine Privatsache, angesichts seines unfreiwilligen Outings halte er es für angebracht, seine Funktion in Romneys Kampagne zurückzulegen. Er wolle kein Angriffsziel für Gegner Romneys darstellen, so Babeu.

Babeu kämpft weiter um Kongresseinzug

„Sheriff Babeu ist von seiner freiwilligen Position innerhalb der Kampagne zurückgetreten, um sich auf die Vorwürfe gegen seine Person konzentrieren zu können. Wir unterstützen ihn in seiner Entscheidung“, erklärte Romneys Sprecherin Andrea Saul in einer Aussendung. Seine eigene Kampagne, mit der er für Arizona in den US-Kongress einziehen will, wolle er jedoch ungeachtet der Vorwürfe weiterführen.

Seinen Wahlkampf baut Babeu zu einem großen Teil auf den Kampf gegen illegale Einwanderung auf. 2010 trat er in einem Video von McCains Senatskampagne auf, in dem er den Präsidenten aufforderte, einen „dang fence“ zu bauen - einen Zaun zur Abschottung der USA gegenüber Mexiko. Obwohl die illegale Einwanderung in Arizona seit sechs Jahren rückläufig ist und FBI-Statistiken den Grenzstädten wachsende Sicherheit bestätigen, beharrt Babeu auf seiner Linie.

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