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Q-Cells mit tiefroten Zahlen

Die einst als Hoffnungsträger gefeierte deutsche Solarindustrie steckt immer mehr in der Krise. Die gesamte Branche kämpfte im vergangenen Jahr mit einem enormen Kosten- und Wettbewerbsdruck. Zudem droht bereits in den nächsten Monaten eine empfindliche Kürzung der staatlichen Solarförderung.

Nachdem 2010 für viele deutsche Solarkonzerne noch ein Boomjahr mit satten Gewinnen war, sieht man sich mittlerweile jedenfalls mit durchwegs negativen Vorzeichen konfrontiert. Unternehmen wie Solon und Solar Millennium mussten bereits Insolvenz anmelden, der einstige Börsenstar Q-Cells kämpft ums Überleben. Rote Zahlen wurden zudem von Branchenprimus Solarworld und zuletzt auch von Centrotherm vermeldet.

Q-Cells mit 846-Millionen-Verlust

Wie Q-Cells am Dienstag bekanntgab, hat man mittlerweile mit einem Nettoverlust zu kämpfen, der fast so hoch ist wie der gesamte Umsatz des einstigen Vorzeigeunternehmens. Unterm Strich stand ein Fehlbetrag von 846 Millionen Euro, der Umsatz brach um ein Viertel auf nur noch gut eine Milliarde Euro ein. Obwohl der vor der Pleite bedrohte Solarkonzern erst vor wenigen Tagen dank eines Zahlungsaufschubs eine Verschnaufpause bekam, kann demnach von einer Entspannung weiter keine Rede sein.

Q-Cells-Vorstandsvorsitzender Anton Milner und sein Finanzvorstand Hartmut Schüning beim Börsengang des Solarkonzerns 2005

dapd/ddp/Thomas Lohnes

Bild aus besseren Zeiten: Q-Cells beim Börsenstart im Jahr 2005

Als Grund für den Absturz von Q-Cells gilt der massive Preisverfall, mit dem die Solarbranche angesichts der wachsenden Konkurrenz aus Fernost zuletzt immer stärker konfrontiert ist. Allein im Schlussquartal musste das Unternehmen den Wert seiner Produktionsanlagen um 226 Millionen Euro nach unten korrigieren. Für 2012 hat der Vorstand die Hoffnung auf einen Gewinn auch angesichts der Kürzung der Solarförderung in Deutschland nun längst aufgegeben.

Centrotherm streicht 400 Jobs

Wegen stornierter Aufträge und der schwachen Branchenentwicklung rutschte auch der Photovoltaik-Maschinenbauer Centrotherm mittlerweile in die roten Zahlen. Im vergangenen Jahr fiel nach vorläufigen Zahlen vor Zinsen und Steuern (Ebit) ein Verlust von 19,8 Mio. Euro an. Dabei galt Centrotherm Beobachtern zufolge bisher besser gegen den zunehmenden Gegenwind gerüstet als andere deutsche Branchenvertreter. Zuwächse gibt es mit zwölf Prozent zwar nach wie vor beim Umsatz. Mit knapp 700 Millionen Euro wurde allerdings auch hier das selbst gesteckte Ziel von 710 Millionen Euro verfehlt.

Als Reaktion auf den Verlust im vergangenen Geschäftsjahr will sich das Unternehmen nun von knapp einem Viertel seiner Mitarbeiter trennen. „Wir werden rund 400 Stellen streichen und danach noch etwa 1.500 Mitarbeiter beschäftigen“, kündigte Finanzvorstand Thomas Riegler am Dienstag gegenüber Reuters an. Neben den Stellenstreichungen wolle Centrotherm zudem mit einer Werksschließung und Produktionsverlagerung nach Asien gegensteuern. Zudem will sich der Konzern auf sein ursprüngliches Geschäft besinnen und wieder verstärkt die Halbleiterindustrie beliefern.

Auch Dividende gestrichen

Auch für die Aktionäre gibt es keinen Grund zur Freude: „Wir werden keine Dividende zahlen“, sagte Riegler. Für das Rekordjahr 2010 hatten die Anteilseigner noch 50 Cent und einen Bonus von 20 Cent erhalten. Auch der Zeitpunkt für eine Rückkehr in die Gewinnzone ist noch offen. So lange die Kunden klamm seien, könne es 2012 und 2013 für Centrotherm schwierig werden, sagte Riegler. Betont wurden von diesem aber, dass Wertberichtigungen auf Vorräte und Anpassungen bei einzelnen Großprojekten Hauptgrund des Verlustes waren. Ohne diese Sondereffekte hätte Centrotherm eine operative Umsatzrendite von 7,7 Prozent erzielt, so Riegler.

30 Prozent weniger Förderung

Geht es nach den Plänen der deutschen Regierung, soll die milliardenschwere Solarförderung um bis zu 30 Prozent gekürzt werden. Umgesetzt werden soll die Maßnahme bereits ab April dieses Jahres.

Umsatzrückgang bei Solarworld

Auch Deutschlands derzeitig größter Solarkonzern, Solarworld, hat mittlerweile mit roten Zahlen zu kämpfen. Wie Solarworld Ende Februar bekanntgab, stürzte das Ergebnis vor Steuern und Zinsen von plus 193 Millionen Euro 2010 im vergangenen Jahr auf minus 233 Millionen Euro ab. Der Umsatz ging den Angaben zufolge um fast 20 Prozent auf 1,06 Milliarden zurück. Das Unternehmen begründete den Rückgang mit globalen Überkapazitäten und dem daraus resultierenden Preisverfall bei Solarmodulen.

„Der Boom ist vorbei“

An der Börse sorgten die neuerlichen Hiobsbotschaften bei den Solarwerten für einen Kursrutsch. „Alle Unternehmen melden schlechte Zahlen“, so ein Beobachter, der gleichzeitig den Boom der deutschen Solarbranche bereits als beendet betrachtet.

Angesichts der von der deutschen Regierung geplanten Kürzung der Solarförderung und dem Preisverfall infolge weltweit massiver Überkapazitäten befürchtet die deutsche Solarbranche vielmehr einen weiteren empfindlichen Markteinbruch von bis zu 75 Prozent. Bedroht seien demnach nicht nur Tausende Arbeitsplätze. Nach Solon und Solar Millennium sind Beobachtern zufolge auch weitere Pleiten alles andere als auszuschließen.

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