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Erinnerungen werden wach
Minuten später tötete der 28-Jährige den unbewaffneten Burschen mit einem Schuss in die Brust - angeblich aus Notwehr. Lange nicht mehr hat ein Kriminalfall Amerika derart aufgewühlt. Es ist nicht nur der Tod des Burschen, der unter die Haut geht. Es ist die Tatsache, dass der Schütze drei Wochen nach der Tat noch immer auf freiem Fuß ist und dass sich die Polizei ohne langes Federlesen seiner Notwehrbehauptung anschließt, die böse Erinnerungen weckt.
„Weiß gegen Schwarz“
Längst ist aus dem Verbrechen ein Fall „Weiß gegen Schwarz“ geworden. „Es fühlt sich an wie ein Echo aus einer anderen Ära, als rassistische Ungerechtigkeit Schlagzeilen machte“, schrieb die „Washington Post“ am Donnerstag. Ausführlich ließ die Zeitung Afroamerikaner zu Wort kommen, die ebenfalls von Übergriffen von Weißen auf Angehörige berichten.
50 Jahre nach der Bürgerrechtsbewegung und ungeachtet eines schwarzen Präsidenten - das Verhältnis zwischen Weißen und Afroamerikanern in den USA scheint alles andere als entspannt. Akribisch versuchen US-Medien die Umstände der Tat nachzuzeichnen. „Der Kerl scheint nichts Gutes im Schilde zu führen“, soll der „Hobbypolizist“ in einem Anruf bei der Polizei gesagt haben. „Diese Arschlöcher kommen immer davon.“
Umstrittenes Recht auf Selbstverteidigung
Allein weil der Jugendliche einen Kapuzenpullover trug, soll der 28-Jährige Verdacht geschöpft haben. Dabei soll die Polizei ihm ausdrücklich geraten haben, den Verdächtigen nicht zu verfolgen. Er solle nicht eingreifen. Auch das Opfer griff in den entscheidenden Minuten vor seinem Tod zum Handy. Aufgeregt habe er seiner Freundin berichtet, dass er verfolgt werde. Er solle davonlaufen, soll sie ihm geraten haben.
Experten betonen, auch die besonderen Gesetze Floridas hätten zu der Tat beigetragen. „Stand Your Ground“ heißt das umstrittene Gesetz, zu Deutsch etwa „Weiche nicht zurück“. Bürger sind etwa nicht mehr angehalten, zurückzuweichen und eine Eskalation zu vermeiden. „Ein gefährliches Gesetz“, kritisiert die „New York Times“, das es Waffenbesitzern leicht mache, zu töten und das Recht auf Selbstverteidigung in Anspruch zu nehmen. Das Blatt moniert, vor allem die mächtige Waffenlobby habe sich für das Gesetz starkgemacht.
„Hat den Tod nicht verdient“
Eine weitere Besonderheit des Falls: Über Wochen blieb er lediglich eine lokale Angelegenheit, die das übrige Land kaltließ. Erst als sich die großen TV-Sender darum kümmerten und als sich Blogger und Soziale Netzwerke einschalteten, entbrannte die Debatte. Jetzt ist auch Washington erwacht: Justizministerium und FBI haben sich eingeschaltet.
Einer der offenen Fragen lautet nach wie vor: Warum trug der selbst ernannte Wachmann überhaupt eine Waffe bei sich? Die lokale Polizei gerät immer mehr unter Druck. In New York gingen bereits Demonstranten auf die Straße - in Kapuzenpullovern. Während die Eltern des 28-Jährigen betonen, ihr Sohn sei kein Rassist, er habe auch schwarze Freunde, äußert sich die Mutter des Opfers mit tränenerstickter Stimme im Fernsehen: „Mein Sohn hat keine Verbrechen begangen. Er hat den Tod nicht verdient.“
Peer Meinert, dpa
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Publiziert am 25.03.2012