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Wenn ein „M“ und ein „B“ dasselbe sind

Für Burma existieren auch die Bezeichnungen Birma und Myanmar. Die Namensverwirrung ist zum Teil jedoch nur eine scheinbare: Letztlich handelt es sich bei allen drei Varianten um unterschiedliche Transkriptionen desselben Landesnamens in der Landessprache, die allerdings eines gemeinsam haben - sie geben das Original nur unzureichend wieder.

Vor allem existiert zwischen den Bezeichnungen „Burma“ und „Myanmar“ nur im Schriftbild ein gravierender Unterschied: In der Sprache der Bamar, der bestimmenden Ethnie des Landes, kommt die Aussprache eines „B“ der eines „M“ sehr nahe - für deutschsprachige Zungen am ehesten beim Versuch nachzuempfinden, ein „B“ mit geschlossenen Lippen auszusprechen. Umgekehrt ist das „u“ in Burma in Wahrheit ein „a“.

Buchstaben mit kolonialistischem Beigeschmack

Das „u“ in Burma ist ein Erbe des Kolonialismus. Es handelt sich um ein englischsprachiges „u“, das eher wie ein „a“ ausgesprochen wird. Nicht umsonst ist im Land selbst auch die Transkriptionsvariante „Bama“ verbreitet und geläufig. Die früheste erhaltene Transkription lautet Mranma. Der Schreibweise Birma liegt wiederum die niederländische Aussprache zugrunde. Die ausgesprochene Wahrheit liegt irgendwo zwischen einem englischen „a“ und einem niederländischen „i“.

Der kolonialistische Beigeschmack der Schreibweisen war auch der Grund, warum das burmesische Militärregime im Jahr 1989 die offizielle Umbenennung des Landes in Myanmar verfügte. Mit demselben Dekret wurden auch viele andere Bezeichnungen und Umschriften von oben herab geändert, etwa die Metropole Rangun in Yangon. Das Militärregime hat sich jedoch mit seinem Wunsch nach den veränderten Schreibweisen aus mehreren Gründen nicht durchgesetzt.

Auch Suu Kyi für „Burma“

Zum einen sollte rund um die Welt durch das Festhalten an den Schreibweisen Burma/Birma symbolisch die Ablehnung gegenüber den diktatorischen Anordnungen des Militärregimes ausgedrückt werden. Zum anderen stößt auch im Land selbst die Bezeichnung „Myanmar“ auf Missfallen, da sie eben nur der Sprech- und Schreibweise der Bamar entspricht und damit den Sprachen und Dialekten der Minderheiten im Land nicht Rechnung trägt.

Auch Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi hat sich etwa für das Festhalten an der Schreibweise Burma ausgesprochen. Derzeit existieren alle Schreibweisen nebeneinander. Die UNO hat etwa Myanmar als offiziellen Namen anerkannt, die USA und viele andere Staaten nicht, Österreich wiederum als Vertreter der Gegenseite schon. Massenmedien und NGOs sind durchwegs bei der Schreibweise Burma/Birma geblieben. Es bleibt abzuwarten, ob die vorerst demonstrierte Reformbereitschaft des Militärregimes die Sprachverwirrung beenden hilft.

Lukas Zimmer, ORF.at

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