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Auch Shell zog Mitarbeiter ab

Das Gasleck an einer Plattform des Energiekonzerns Total in der Nordsee vor der schottischen Küste hat größere Konsequenzen als ursprünglich angenommen. Am Sonntag wurde das Leck entdeckt, am Dienstag strömte noch unkontrolliert Gas aus. Die Behörden richteten mittlerweile rund um die betroffene Plattform „Elgin PUQ“ ein Sperrgebiet ein.

Schiffe müssen nun mindestens zwei Seemeilen (3,7 Kilometer) Abstand halten, Flugzeuge mindestens drei Seemeilen. Damit ist der Einsatz von Hubschraubern praktisch unmöglich. Schon am Montag waren alle 238 Arbeiter von der von Total betriebenen Plattform in Sicherheit gebracht worden. Nun zog auch Shell Dutzende Arbeiter von der nahe gelegenen „Shearwater“-Plattform und der Bohrinsel „Noble Hans Deul“ ab.

An der „Elgin“-Plattform werden täglich neun Millionen Kubikmeter Gas gefördert. Das entspricht etwa drei Prozent der britischen Gesamtfördermenge von Erdgas. Zudem wurden an der Bohrinsel auch 60.000 Barrel Leichtöl pro Tag gewonnen - rund 5,5 Prozent der britischen Gesamtfördermenge von Erdöl.

Leck noch nicht lokalisiert

Nach Angaben des Unternehmens handelt es sich bei dem Leck 250 Kilometer vor der schottischen Stadt Aberdeen um den schwersten Zwischenfall seit einem Jahrzehnt. Die Lösung des Problems werde „mindestens einige Tage“ dauern, so ein Konzernsprecher. Bisher ist noch unklar, wo das Leck liegt.

Experten aus der ganzen Welt wurden eingeflogen, um das Leck abzudichten - darunter auch Spezialisten, die bei der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko 2010 im Einsatz waren. Überlegt wird nun, ein Entlastungsloch zu bohren. Das wäre allerdings sehr zeitaufwendig und würde mindestens sechs Monate in Anspruch nehmen. Die andere Alternative sei das „Kill“-Verfahren mittels einer gezielten Explosion, was aber deutlich riskanter wäre.

Auswirkungen auf die Total-Aktie gab es bereits: Sie brach um über sechs Prozent ein. Der weitere Fortgang der Geschehnisse in der Nordsee sei schwer absehbar, deshalb werde die Aktie im Zweifel lieber verkauft, so die Erklärung der Händler.

Total: Keine unmittelbare Gefahr

Die BBC zitierte den Gewerkschaftsfunktionär Jake Molloy, der von einer „kochenden See“ unter der Plattform sprach. Das deute auf ein Problem unterhalb der Wasseroberfläche hin. Er hält eine Explosion für möglich. „Wenn es irgendwie einen Zündfunken gibt, könnte es sein, dass wir eine komplette Zerstörung sehen“, sagte er der BBC. Die Gewerkschaft Unite forderte die Evakuierung aller Plattformen im Umkreis von fünf Meilen.

Berichten von Arbeitern zufolge steht eine Gaswolke über der Plattform. Offenbar gibt es auch eine zehn Kilometer lange Spur von Gaskondensat auf dem Meer. Ein Flugzeug mit Chemikalien, die diese Mischung auflösen könnten, steht bereit. Total rechnet aber damit, dass das Kondensat von selbst verdunstet und „keine große Gefahr für die Umwelt“ darstellt.

Auch für die Öffentlichkeit bestehe nur eine geringe unmittelbare Gefahr, so das Management des Konzerns. Das ausströmende Gas sei aufgrund des giftigen Schwefelwasserstoffs riskant für die Arbeiter auf den Plattformen, da es auch entzündlich und potenziell explosiv ist. Die Menge des ausströmenden Gases sei derzeit unklar, so Total. Eine Explosionsgefahr hält der Konzernsprecher für gering: „Aber man sollte niemals nie sagen.“ Er schloss auch eine Vergrößerung der Sperrzone nicht aus.

„Problem außer Kontrolle geraten“

Umweltschützer teilen diese Einschätzung nicht. Von einem „Bohrloch der Hölle“ sprach die norwegische Umweltgruppe Bellona: „Das Problem ist außer Kontrolle geraten.“ Bevor die Arbeiter auf der Plattform in Sicherheit gebracht worden seien, hätten sie sich 14 Stunden um eine Eindämmung bemüht, so Bellona-Chef Frederic Hauge.

Britische Umweltschützer kritisierten die Gasförderung in der Nordsee. Großbritanniens Finanzminister George Osborne hatte erst vor wenigen Tagen Steuererleichterungen in Milliardenhöhe für die Förderung in der Nordsee in Aussicht gestellt. Das austretende Gas sei 20-mal klimaschädlicher als Kohlendioxid.

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Publiziert am 27.03.2012