Themenüberblick
FPÖ: Die „Katze im Sack gekauft“
Der Zeitplan sieht vor, dass die Umstellung von Haupt- auf Neue Mittelschule noch im Herbst 2012 in die Wege geleitet wird. Im Schuljahr 2018/2019 soll sie endgültig abgeschlossen sein. Erprobt wird die NMS als Schulversuch freilich schon seit dem Jahr 2008/2009. An 67 Standorten in Kärnten, Oberösterreich, der Steiermark, Vorarlberg und dem Burgenland wird heuer erstmals ein Jahrgang die Neue Mittelschule abschließen.
Grundprinzip der NMS ist, dass in den Hauptfächern - Deutsch, Mathematik und lebende Fremdsprache (meist Englisch) - eine innere Differenzierung des Unterrichts vorgesehen ist. Für pädagogische Maßnahmen wie temporäre Gruppenbildung, Förder- und Leistungsmaßnahmen und Teamteaching mit zwei Lehrern in der Klasse werden zusätzliche Mittel zur Verfügung gestellt. Über die Art der Differenzierung wird direkt am Standort entschieden.
BZÖ sieht „wesentliche Weiterentwicklung“
Für BZÖ-Bildungssprecherin Ursula Haubner waren diese Argumente ausreichend, um bei der Abstimmung im Nationalrat für die NMS zu votieren. Zwar sei in der Vorlage kein großer Wurf zu erkennen, immerhin aber eine wesentliche Weiterentwicklung. Denn es gebe mehr Autonomie am Schulstandort, etwa bezüglich der Einführung von Ganztagsschulen. Zudem wurde von Haubner besonders gewürdigt, dass direkt am Standort die Differenzierungsmaßnahmen eingeleitet werden könnten.
FPÖ gegen „Schule der Einfalt“
Freiheitliche und Grüne verweigerten hingegen ihre Zustimmung. FPÖ-Bildungssprecher Walter Rosenkranz meinte, seine Partei wolle „eine Schule der Vielfalt und nicht der Einfalt“. Die Alternative zur differenzierten Schule sei nicht die Einheitsschule, sondern die verbesserte differenzierte Schule. Dass die Hauptschule abgeschafft wird, bedauerte Rosenkranz, funktioniere die doch im ländlichen Bereich bestens. Nunmehr werde mit der NMS die „Katze im Sack gekauft“, sei doch die versprochene Evaluierung der Neuen Mittelschule noch immer nicht erfolgt.
Grüne kritisieren „faulen Kompromiss“
An diesem Punkt setzte auch der grüne Bildungssprecher Harald Walser an. Er fand es ebenfalls empörend, dass noch nicht einmal die Erfahrungen aus dem bisherigen Betrieb der NMS eingearbeitet worden seien. Jetzt sei nicht einmal eine qualitätsvolle Nachmittagsbetreuung gesichert.
Bei dem, was nun von SPÖ und ÖVP vorgelegt wurde, handle es sich um einen „faulen Kompromiss“, urteilte Walser. Durchgesetzt habe sich letztlich zu 100 Prozent die Volkspartei, ärgerte sich der Gesamtschulbefürworter. Daher sei es ein „schlechter Tag für die österreichischen Kinder, aber auch für den Wirtschaftsstandort“.
Amon verteidigt Neue Mittelschule
ÖVP-Bildungssprecher Werner Amon bedauerte im Gegenzug die „absolute Bestemmhaltung“ der Grünen. In einer demokratischen Gesellschaft müsse man kompromissfähig bleiben. Dass - wie von den Grünen behauptet - nur das Türschild von Hauptschule auf Neue Mittelschule ausgetauscht werde, wies Amon als Unsinn zurück. Dafür hätte man nämlich keine zusätzlichen Lehrer und kein massiv erhöhtes Budget gebraucht, so der schwarze Bildungssprecher. Als besonders positiv hob Amon hervor, dass nunmehr direkt am Standort über Differenzierungsmaßnahmen entschieden werde.
Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) sieht als „Herzstück“ der NMS die „neue Lernkultur“. Der Schüler stehe im Mittelpunkt. Vielfalt solle nach dem Grundsatz gefördert werden, dass jeder etwas besonders gut könne: „Mir ist die Neue Mittelschule sehr sympathisch.“ Wichtig ist für die Ministerin auch, dass die Berechtigungen, in welchen Schultyp man nach der achten Schulstufe aufsteigen kann, nunmehr klar auf dem Tisch liegen werde.
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Publiziert am 29.03.2012