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„Heller Stern“ abgestürzt

Allen internationalen Warnungen zum Trotz hat Nordkorea am Freitag erneut einen umstrittenen Raketenstart unternommen. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums im benachbarten Südkorea explodierte die mehrstufige Rakete jedoch schon eine Minute nach dem Abheben in der Luft und zerbrach in mehrere Teile, die ins Gelbe Meer fielen.

Nordkorea räumte den gescheiteren Start der Rakete ein, mit der es nach eigenen Angaben einen Satelliten ins All schießen wollte. Die USA und andere Länder sahen in dem Start den verdeckten Test einer Interkontinentalrakete, die einen atomaren Sprengkopf tragen könnte.

Techniker auf Fehlersuche

Der Satellit in der Trägerrakete Unha-3 habe nicht wie geplant die Erdumlaufbahn erreicht, berichteten die staatlichen Medien Nordkoreas, ohne Details zu nennen. Techniker untersuchten, warum das Ziel nicht erreicht worden sei.

Nordkoreanische Fernsehsprecherin

AP

Im nordkoreanischen Fernsehen wurde der Absturz der Rakete gemeldet

Wie die nationale südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap unter Berufung auf einen Beamten des Verteidigungsministeriums in der Hauptstadt Seoul meldete, explodierte die Rakete in einer Höhe von 151 Kilometern. Trümmerteile seien rund 100 bis 150 Kilometer südlich der südkoreanischen Westküste ins Meer gestürzt. Die südkoreanische Marine suche das Gebiet ab. Die Rakete war nach südkoreanischen Angaben um 7.39 Uhr (0.39 Uhr MESZ) von der Abschussrampe an der Westküste Nordkoreas abgehoben.

Nordkorea hatte zuvor erklärt, den Beobachtungssatelliten Kwangmyongsong-3 („Heller Stern“) auf eine Erdumlaufbahn bringen zu wollen. Dort sollte der Satellit zwei Jahre lang unter anderem zur Wälder- und Wetterbeobachtung genutzt werden.

Kim Il Sung

Der Widerstandskämpfer gegen die japanische Besatzung, Kim Il Sung, gründete 1948 die Demokratische Volksrepublik Korea. Er starb 1992 im Alter von 82 Jahren. Sein Nachfolger wurde Kim Jong Il, der im Dezember 2011 starb. Die Macht ging an seinen Sohn Kim Jong Un über.

Debakel für Nordkorea

Der Fehlschlag dürfte nach Ansicht von Beobachtern ein Debakel für Nordkorea sein. Nach Angaben des Landes sollte damit der 100. Geburtstag des als Staatsgründer und „ewiger Präsident“ verehrten Kim Il Sung am Sonntag gefeiert werden. Zugleich ist Nordkorea dabei, die Stellung des neuen Machthabers Kim Jong Un zu festigen. Dieser ist Enkel Kim Il Sungs und jüngster Sohn und Nachfolger des im Dezember verstorbenen langjährigen Alleinherrschers Kim Jong Il.

Am Mittwoch war der noch nicht 30-jährige Kim Jong Un unter anderem zum ersten Sekretär der herrschenden Arbeiterpartei und damit praktisch zum Parteichef ernannt worden. Am Freitag wurde er zum „ersten Vorsitzenden“ des Verteidigungsausschusses ernannt worden. Der Verteidigungsausschuss ist das höchste beschlussfassende Gremium des kommunistischen Staates. Die Mitteilung über das neue Amt Kim Jong Uns schließt den Prozess der Machtübergabe nach dem Tod Kim Jong Ils ab.

Weltweite Kritik

Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton kritisierte, dass Nordkorea gegen die Resolution 1.874 des UNO-Sicherheitsrates verstoßen habe. Diese fordert von Nordkorea einen Verzicht auf den Start jeglicher ballistischer Raketen. Ashton nannte die Aktionen „gefährlich und destabilisierend“ und rief die nordkoreanische Regierung dazu auf, künftig „jegliche Handlungen zu unterlassen, die die Spannungen in der Region weiter verschärfen könnten“. Zugleich bot die EU ihre Unterstützung zur Wahrung des Friedens auf der koreanischen Halbinsel an.

Die provokanten Aktionen Nordkoreas verletzten internationales Recht, hieß es in einer in der Nacht auf Freitag verbreiteten Erklärung der US-Regierung. Auch wenn man aufgrund des aggressiven Verhaltensmusters der nordkoreanischen Regierung nicht überrascht sei, werde jede Raketenaktivität des Landes von der internationalen Gemeinschaft mit Sorge betrachtet. Die US-Regierung warf Nordkorea vor, sich durch das Raketenprogramm nur weiter zu isolieren und Geld für Waffen und Propagandainszenierungen auszugeben, während das Volk hungere.

Russland gegen Sanktionen

Russland „bedauerte“ den Raketenstart, lehnte zugleich aber Zwangsmaßnahmen gegen Nordkorea ab. Der Weltsicherheitsrat müsse eine „ausgewogene“ Entscheidung treffen, sagte Außenminister Sergej Lawrow am Freitag in Moskau. „Wir glauben nicht an neue Sanktionen. Sie tragen nicht dazu bei, die Situation zu lösen“, sagte Lawrow bei einer im Staatsfernsehen übertragenen Pressekonferenz mit seinen Amtskollegen aus China und Indien. Das Ziel müsse weiterhin sein, im Streit über Nordkoreas Atomprogramm die internationalen Verhandlungen unter Beteiligung der USA wieder aufzunehmen.

Der chinesische Außenminister Yang Jiechi rief alle Seiten zur Zurückhaltung auf. Es dürften keine Schritte unternommen werden, die die Sicherheit auf der koreanischen Halbinsel gefährdeten. Die internationale Gemeinschaft müsse gemeinsam für Frieden und Stabilität in der Region sorgen. China ist der engste Verbündete Nordkoreas.

„Klares Ziel Atommacht“

Der UNO-Sicherheitsrat will sich noch am selben Tag mit dem Thema in einer Dringlichkeitssitzung beschäftigen, hieß es aus diplomatischen Kreisen in New York. Bei der Sitzung wird es aller Voraussicht nach zu einer formellen Verurteilung Nordkoreas kommen, hieß es in New York. Das mächtigste UNO-Gremium hatte Nordkorea mehrfach kritisiert und 2006 und 2009 mit Sanktionen belegt. In Resolutionen des Rats wird Nordkorea aufgerufen, jegliche Raketenstarts „unter Verwendung ballistischer Raketentechnologie“ zu unterlassen.

Passanten unter Werbeplakat für Raketenstart

AP/Ng Han Guan

Werbeplakat für den Raketentest

Nordkorea war 2009 nach internationaler Kritik an einem Raketenstart aus den Mehrparteiengesprächen über sein Atomprogramm ausgestiegen. Wenige Monate später hatte das Land einen zweiten Kernwaffentest unternommen. Chinesische Experten rechnen auch nach dem jetzt gescheiterten Raketenprojekt als Nächstes mit einem Atomtest Nordkoreas. Nordkorea verfolge das „klare Ziel“, eine Atommacht werden zu wollen, sagte der Professor für strategische Forschung an der Parteihochschule in Peking, Zhang Liangui, am Freitag der Nachrichtenagentur dpa.

Fluglinien änderten Routen

Rund um Nordkorea waren in den vergangenen Tagen Vorbereitungen auf den Raketenstart getroffen worden. Die Regierung in Tokio versetzte die japanische Luftabwehr in Alarmbereitschaft, um die nordkoreanische Rakete notfalls abschießen zu können. Nordkorea hatte eine „erbarmungslose“ Bestrafung angekündigt, sollte ein Land seine Trägerrakete abschießen. Das werde als „Kriegsakt“ aufgefasst.

Mehrere asiatische Fluggesellschaften kündigten zudem eine Änderung ihrer Flugrouten in der Region an. Rund ein Dutzend Flüge aus den USA, Japan und Südkorea würden an dem erwarteten Weg der Rakete vorbeigelenkt, hieß es etwa vonseiten von Philippine Airlines. Ähnliches kündigten auch Japan Airlines und All Nippon Airways an.

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