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„In keiner Statistik“
„Für den europäischen Bereich gibt es wenig verlässliches Datenmaterial“, so Sylvia Trsek, Sprecherin von UNICEF Österreich. Trsek teilte der APA anlässlich des internationalen Tages gegen Kinderarbeit 2010 auf Anfrage mit, dass die Problematik allgemein „oft kaum sichtbar“ sei. „Unzählige Kinder tauchen in keiner Statistik auf. Sie arbeiten im Haushalt, als Müllsammler oder Schuhputzer und sind nirgendwo registriert. Einige werden illegal als Drogenkuriere oder Taschendiebe missbraucht, andere für Prostitution und Pornografie“, beschreibt sie Formen der Kinderarbeit.
Zu den schlimmsten Formen der Kinderarbeit zählen Sklaverei, Kinderhandel, Schuldknechtschaft, Leibeigenschaft, Zwangsarbeit, Zwangsrekrutierung für den Einsatz in bewaffneten Konflikten, Prostitution, Einsatz für pornografische Darstellungen und kriminelle Handlungen sowie gesundheits- und sicherheitsgefährdende Arbeit. Einer Untersuchung aus dem Jahr 2005 der britischen UNICEF (UNICEF UK) zufolge sind einige dieser Formen von Kinderarbeit auch in den Industrieländern vorhanden.
„Unsichtbare“ Problematik
Hier bestünde „die Problematik der ‚unsichtbaren‘ Kinderarbeit“, so Trsek. „Denn die große Mehrzahl der Kinder arbeitet nicht in Vertragsverhältnissen, sondern im Familienbetrieb, wie in der Landwirtschaft oder in Familienwerkstätten, oder im sogenannten informellen Sektor - auf der Straße, als Dienstboten, als Zwangsprostituierte.“
In der Untersuchung wurde anhand von Beispielen aus Großbritannien, Frankreich und Griechenland auch die Existenz des Einsatzes von Kindern für kriminelle Handlungen wie Drogenhandel, Einbruch und Bettelei geschildert. Auch würden einige Industriezweige - „mehr als andere“ - Kinderarbeiter einsetzen. Beispielsweise sollen in Portugal rund 47.000 Kinder im schulpflichtigen Alter in Schuhfabriken gearbeitet haben, anstatt in die Schule zu gehen.
Oft verknüpft mit Kinderhandel
In jenen oben genannten Ländern sowie in anderen Ländern der EU seien Kinder wirtschaftlicher und sexueller Ausbeutung unterworfen. Das umfasse weit mehr als minderjährige Albaner, die in Griechenland betteln müssten, minderjährige Rumänen, die in Frankreich oder Italien für kriminelle Aktivitäten eingesetzt würden, osteuropäische Mädchen, die zu Prostitution gezwungen würden und vor allem aus Westafrika stammende Betroffene, die als Haushaltsgehilfen arbeiten müssten.
Kinderarbeit in Europa ist meist eng verknüpft mit Kinderhandel - wie anhand zahlreicher in der UNICEF-Untersuchung angeführter Beispiele offenkundig wird. Mit den Worten „ein weiteres Problem hinsichtlich Datenerfassung ist die Kombination mit anderen illegalen Aktivitäten wie Frauen- und Kinderhandel sowie die grenzübergreifenden Aktivitäten skrupelloser Krimineller“, bezog Trsek Stellung.
Herkunftsländer der Betroffenen seien laut einem Recherchebericht zu „Kinderhandel in Osteuropa“ der Organisation Terre des Hommes Deutschland aus 2001 unter anderen Albanien, Russland, Moldawien, die Ukraine, Rumänien und Bulgarien. Gegenüber der „Furche“ bestätigt das Norbert Ceipek, Leiter der Wiener Einrichtung „Drehscheibe“ für Opfer von Kinderhandel: 2009 seien in Österreich gehandelte Mädchen aus Moldawien, Rumänien, Bulgarien und der Ukraine aufgegriffen worden. Zu den Zielländern zählen unter anderen mittel- und westeuropäische Länder wie Frankreich, Großbritannien, Italien, Griechenland und auch Österreich selbst.
EU sucht nach Gegenstrategien
Die Europäische Union entwickelte Strategien zur Bekämpfung von Kinderarbeit und Kinderhandel. 1994 wurde eine Richtlinie zum „Schutz von Jugendlichen bei der Arbeit“ erlassen, die einen Minimalstandard für alle EU-Mitgliedsstaaten festsetzte. Das oberste Ziel der Richtlinie ist die Bekämpfung von illegaler Kinderarbeit. Die Rechtslage bestimmt unter anderem die maximalen Arbeitszeiten für Kinder im Schulalter, das Verbot der Nachtarbeit mit Ausnahmen für unter 18-Jährige und reguliert die Umstände, unter denen die Zielgruppe arbeiten darf. Unter 15-Jährige wurden als Kinder definiert.
Einem im Mai 2010 veröffentlichten Bericht der Internationalen Arbeitsorganisation (International Labour Organisation/ILO) zufolge geht die Zahl der arbeitenden Kinder weltweit zurück, durch die Wirtschaftskrise habe sich die Abnahme jedoch verlangsamt. Demnach arbeiteten 2008 noch 215 Millionen Kinder - nur drei Prozent weniger als 2004. Damals waren 222 Millionen der insgesamt 1,5 Milliarden Kinder zwischen fünf und 17 Jahren betroffen.
Link:
- Daten und Fakten zur Kinderarbeit (UNICEF)
Publiziert am 28.04.2012