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Schlechte Noten in der Schule

Innerhalb weniger Wochen nach dem Tod seines Vaters, dem langjährigen Diktator Nordkoreas, Kim Jong Il, hat Kim Jong Un zahlreiche Ehrentitel und Ämter übernommen: vom „Großen Nachfolger“ über den „Oberbefehlshaber“ der Armee bis zum Chef des Zentralkomitees der Arbeiterpartei. Am Sonntag - laut südkoreanischen Quellen Kim Jong Uns Geburtstag - kam noch die Bezeichnung „Genie der Genies“ dazu.

In Nordkorea wird zumindest offiziell kein Zweifel daran gelassen, wer in dem Land das Sagen hat. Der Personenkult rund um Kim Jong Un steht dem seines Vaters um nichts nach. Das Staatsfernsehen strahlte wenige Wochen nach dem Tod seines Vaters eine Dokumentation über Kim Jong Un aus und pries ihn als „Genie der Genies“ in Bezug auf militärische Strategien: „Der geachtete Kamerad Kim Jong Un ist perfekt versiert in jeder Militärstrategie und zeigt eine ausgezeichnete militärische Führung.“

Die „Militär zuerst“-Politik, die auch in der Verfassung festgeschrieben ist, soll jedenfalls auch unter Kim Jong Ils Sohn fortgesetzt werden. Damit besitzt die Armee einen höheren Stellenwert als die Zivilbevölkerung. Die 1,2 Millionen-Mann-Armee zählt zu den fünf größten der Welt. Schätzungen zufolge wendet das Land ein Viertel seines Bruttoinlandsprodukts für die Armee auf.

Kim Jong Un auf einem PferdReuters/KRT KRTKim Jong Un in der Dokumentation über seine Person

Wenig geschlafen, selten gegessen

Kim Jong Un war in der Dokumentation als Panzerfahrer und Befehlshaber, auf einem Pferd reitend und im Cockpit eines Hubschraubers zu sehen. Zudem wurden vom Anblick des neuen Machthabers begeisterte Soldaten gezeigt. Der jüngste Sohn Kim Jong Ils, er wird auf Ende 20 geschätzt, war bis zum Tod seines Vaters am 17. Dezember nahezu unbekannt. Auch seine militärischen Kenntnisse blieben weitgehend im Verborgenen.

Die Dokumentation versuchte offenbar, Versäumtes nachzuholen. Demnach soll Kim Jong Un bereits mit 16 Jahren seine erste Abhandlung über Militärstrategien verfasst haben. Der Lerneifer soll so groß gewesen sein, dass er seit seiner Jugend wenig schlief und nur selten aß, um zu lernen. Unklar ist, wann die Dokumentation gedreht wurde. In einigen Szenen ist er an der Seite seines Vaters zu sehen, der ihn schrittweise auf die Nachfolge vorbereitet hatte.

Schon seit dem Tod des bisherigen nordkoreanischen Diktators führen die Staatsmedien Kampagnen, um Kim Jong Un in der gleichen Weise zu idealisieren, wie bereits dessen Vater und Großvater, den Staatsgründer Kim Il Sung. Die Geburtstage der beiden gelten als die zwei wichtigsten Feiertage in Nordkorea. Ob nun auch der 8. Jänner, der Geburtstag Kim Jong Uns, ein Feiertag wird, ist offen. In den nordkoreanischen Medien wurde sein Geburtstag nicht erwähnt.

Massen geloben Treue und Loyalität

Diese glorifizierende Propaganda soll laut Beobachtern zeigen, dass der Machtwechsel in Nordkorea ruhig verläuft und sich niemand im Land Sorgen machen müsse über Kim Jong Un als Oberkommandierenden. Erst vor wenigen Tagen gingen Zehntausende Menschen auf die Straße, um Kim Jong Un die Treue zu schwören und ihre Loyalität zu bekunden. Sie gelobten, sich für die Fortsetzung der Politik Kim Jong Ils einzusetzen.

Zudem rief Nordkorea zum Jahreswechsel zur absoluten Gefolgschaft von Kim Jong Un auf. Die Partei, die Streitkräfte und das gesamte Volk sollten von der festen Überzeugung geleitet sein, „menschliche Bollwerke und Schilde zur Verteidigung Kim Jong Uns bis zum Tod zu werden“. Gleichzeitig wurden den Menschen - trotz anhaltender Versorgungsprobleme - Erfolge beim Aufbau eines wohlhabenden Landes versprochen.

Schlechte Noten in der Schule

Mittlerweile wurde aber auch bekannt, dass Kim Jong Un zu seinen Schulzeiten in der Schweiz mit schlechten Noten und häufiger Abwesenheit aufgefallen sei. Wie die Zeitung „Le Matin Dimanche“ berichtete, soll Kim in seinem ersten Jahr an der International School of Bern 75 Tage gefehlt haben, im zweiten Jahr sogar 105 Tage. Der unter dem Pseudonym Un Pak angemeldete Schüler sei manchmal nur am Nachmittag zum Unterricht gekommen, hieß es unter Berufung auf einen früheren Klassenkameraden weiter.

Besonders schlecht waren Kims Noten demnach in den Naturwissenschaften. In Mathematik, Gesellschaftskunde und Deutsch habe er gerade noch die Mindestanforderungen erreicht. Auch in Englisch, wo er zunächst in einem Fortgeschrittenenkurs war, musste Kim in einen einfacheren Kurs wechseln. Besser schnitt Kim nur in Musik und Technik ab. Kim soll von 1996 bis 2001 die Berner Schule besucht haben.

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Publiziert am 16.04.2012