Plan für europäische Ratingagentur vor dem Aus

Die geplante europäische Ratingagentur als Gegengewicht zu den US-Platzhirschen Standard & Poor’s (S&P), Moody’s und Fitchsteht einem Medienbericht zufolge vor dem Scheitern.

Die Beraterfirma Roland Berger gehe nicht mehr davon aus, 300 Millionen Euro Startkapital für den Aufbau des Prestigeobjektes aufstellen zu können, berichtete die „Financial Times Deutschland“ (Montag-Ausgabe) vorab.

Berger hatte vor allem auf die Unterstützung deutscher und französischer Großbanken gehofft, stieß demnach jedoch auf wenig Interesse. Auch aus der deutschen Industrie sei Gegenwind gekommen.

Stiftungsmodell vorgesehen

Das von Berger-Partner Markus Krall erdachte Ratingkonzept hätte das Geschäftsmodell der Branche umgekrempelt. Anstelle der Emittenten, die Wertpapiere begeben, sollten die Investoren für Ratings bezahlen. So hätten die Agenturen keinen Anreiz mehr, sich mit übertrieben guten Noten Aufträge zu sichern.

Die Berger-Pläne sahen ein Stiftungsmodell vor. Insgesamt 30 Investoren aus der Finanzbranche sollten jeweils zehn Millionen Euro beisteuern. Nach fünf bis sieben Jahren sollte sich die neue Agentur so weit etabliert haben, dass die Geldgeber aus dem Cashflow heraus ausbezahlt werden können.

Der Ratingmarkt wird derzeit von den drei in den USA ansässigen Agenturen S&P, Moody’s und Fitch geprägt. Die Agenturen sehen sich in Europa seit längerem heftiger Kritik ausgesetzt. Ihnen wird nicht nur wegen Fehlbewertungen eine Mitschuld an der Finanzkrise gegeben.

Publiziert am 15.04.2012