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Nach dem Winter ist vor dem Winter
Wenn der Schnee schmilzt, landen die Langlaufski meist schweren Herzens im Keller. Doch findige Wintersportler haben bereits Anfang des vorigen Jahrhunderts erste „Sommerlanglaufski“ gebastelt, mit denen sie auf Asphaltstraßen oder eigenen Bahnen trainierten. Anfangs wurde auf den drei bis vier Rollen nur der klassische Langlaufstil simuliert, später folgte die einspurige Skatingvariante. Mittlerweile hat sich der Rollskilauf sogar als eigene Sportart etabliert, 2000 fand die erste FIS-Rollski-Weltmeisterschaft in Rotterdam statt.
Skaten ohne Limit
Für den Breitensport war der Geschwindigkeitsrausch auf Rollen schon allein wegen der hohen Verletzungsgefahr lange kein Thema. Zwar führte der Inlineskating-Boom Ende der 90er Jahre dazu, dass einige den Griff zu den langen Stöcken wagten, doch aufwendige Schutzkleidung und schwere Stürze verleideten vor allem Anfängern das Vergnügen beim Nordic Blading. Erst mit dem Aufkommen von Nordic Cross Skating mit stabileren Skates und besseren Bremssystemen fanden auch Anfänger zunehmend Gefallen an dem Ausdauersport.
Zwei Bremsen für mehr Spaß
Einer der Ersten, der sich für das Fahrgefühl auf Rollen begeisterte, mit den gängigen Inlineskates jedoch unzufrieden war, war der Mühlviertler Otto Eder. Er entwickelte 1997 spezielle Skates mit je einer Rolle vorne und hinten und Bremsen an beiden Beinen, die beim Zurücklehnen aktiviert werden. Unter dem Namen Skike kamen die Crossskates 2000 auf den Markt. „Skikes sind besonders geeignet für Ausdauersportler, die Gelenksprobleme haben, Langläufer, die eine gute Alternative zum Wintertraining suchen oder einfach nur Personen, die Spaß haben, sich auf Rollen zu bewegen“, erklärt Eder die Vorteile seines Sportgeräts gegenüber ORF.at.
Die Rollen werden an herkömmlichen Schuhen fixiert. „Daneben ist ein Radhelm notwendig, und Anfänger können Ellbogen- und Knieprotektoren verwenden“, so Eder. Bei den Stöcken gibt es mittlerweile eigene Systeme für den Sommer, bei denen die Spitzen mit Gummipads versehen sind. Stolz ist Eder, dass sein Bremssystem vom Land Oberösterreich als verkehrstauglich eingestuft wurde, „Probleme gibt es nur bei Abfahren mit sehr weichem Untergrund“.
Stadlober: „Der Fitnessgedanke ist da“
Das wachsende Interesse an Sommervarianten merkt man auch im Langlaufmekka Ramsau. „Langlaufen oder Rollski ist der einzige Sport, bei dem der gesamte Körper trainiert wird“, sagte Alois Stadlober, Ex-Langlaufstar und Leiter des Sportbüros in Ramsau am Dachstein gegenüber ORF.at. Neben 90 Prozent der Muskulatur werden auch die Kondition und das Gleichgewicht trainiert. „Langlaufen ist ein Sport für Jung und Alt“, so Stadlober. Wobei vor allem die Jungen und auch Frauen stark aufholen. „Der Fitnessgedanke ist da“, freut der Langlauf-Weltmeister.
GEPA/Marcel PailNordischer Skisportkoordinator des Landes Steiermark, Alois StadloberIn der Ramsau steht eine zwei Kilometer lange Bahn auch Anfängern zur Verfügung, für Profis gibt es zudem eine zweite, längere Strecke mit anspruchsvollen Abfahrten. „Die Mehrheit sind Skiwanderer, doch der sportliche Typ holt stark auf“, so Stadlober. Und auch Biathlon, eigentlich ein klassischer Wintersport, wird auch im Sommer immer stärker nachgefragt. „Vor allem bei Veranstaltungen kommt es gut an“, erklärt Stadlober. Geschossen wird mit Laser- oder Luftdruckgewehren, dazwischen wird gelaufen oder geskatet.
Aber nicht nur Langlaufen, auch das Tourengehen erlebt seit Jahren einen stetigen Zulauf. Bisher wurden auch hier die Skischuhe im Sommer zwangsläufig gegen Wanderstiefel getauscht. Der findige Tüftler Eder hat auch hier Abhilfe geschaffen. Sein jüngster Skike-Skater ist mit einem Fersenhebesystem und einer Rücklaufsperre ausgestattet, was „eine Bergaufbewegung ähnlich dem Tourengehen ermöglicht“. Abgefahren werden kann dann in jedem Gelände - von der Almwiese bis zum Schotterweg.
Randsportart Grasski
Dagegen ist der Wunsch nach Skifahren auf grünen Wiesen in den letzten Jahren rückläufig. „Wir sind eine Randsportart“, bestätigt auch Andreas Gerlach vom Österreichischen Grasski-Team in Salzburg. Die Blütezeit erlebte Grasskilauf in den 80er und 90er Jahren. „Bei der Europameisterschaft 1992 gab es mehrere hundert Teilnehmer. Wir mussten damals sogar Qualifikationen fahren“, erinnert sich Gerlach. Vor zwei Jahren nahmen beim Weltcup nur noch rund 70 Fahrer teil.
Einen Grund für das schwindende Interesse sieht Gerlach im hohen Verletzungsrisiko, das Kaderläufer aus dem alpinen Skilauf von einer Teilnahme abhält. „Dabei haben früher Skifahrer wie Alberto Tomba Grasskilauf als Sommertraining genützt.“ Gefahren wird mit Kurzski von 85 bis 95 Zentimeter Länge und der Stil ist ähnlich dem heutigen Carvingschwung. Bremsen ist nicht möglich, weshalb die Hänge flacher, ebener und ohne Steine sein sollten. Geeignete Grasskipisten gibt es in Salzburg, Niederösterreich und Burgenland.
„Man muss nur Lust und Laune mitbringen“, wirbt Gerlach für seinen Sport - und die Bereitschaft für etwas Nervenkitzel, denn die Fahrer erreichen Geschwindigkeiten bis zu 50, 60 km/h. „Ein geübter Skifahrer braucht zirka eine halbe Stunde, bis er schöne Schwünge fahren kann“, so Gerlach, der auch die zwei Salzburger Pisten in Faistenau und Hallein betreut. „Und es ist ein gutes Gleichgewichtstraining für die nächste Wintersaison.“
Hockey-Treffs auf dem Autoparkplatz
Einfacher mit Sommeralternativen haben es hier schon Wintersportler, die es nicht in die Berge, sondern lieber auf das glatte Eis führt. Sobald es wärmer wird, finden sich Inlinehockey-Fans auf Parkplätzen oder anderen betonierten Flächen zusammen und liefern sich rasante Matches. „Die Grundausstattung sind Inlinehockey-Schuhe ohne Bremsen, Schien- und Ellbogenschützer, Handschuhe, Helm und ein Suspensorium“, erklärt Robert Nusser, Manager der Österreichischen InLine-Hockey-Liga.
Im Gegensatz zum Profi-Inlinehockey wird im Hobbysport mit Bällen statt mit einem Puck gespielt. „Spielen kann jeder, der auch am Eis fahren kann“, ist der Kärntner überzeugt. Kinder lernen die Bewegung rasch, Erwachsene sollten aber etwas Eislauferfahrung mitbringen, damit es keine schmerzhaften Überraschungen gibt. „Auch wenn der Inline-Sport in den letzten Jahren stagniert, beim Inlinehockey hat sich ein harter Kern entwickelt“, erklärte Nusser, der sich regelmäßig mit rund 60 anderen Hockey-Fans in Klagenfurt zum Spielen trifft. Gespielt wird, sobald kein Schnee mehr liegt - und bis die Seen wieder zufrieren.
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Publiziert am 29.04.2012