Themenüberblick
Enttäuschte Gegenkandidatin
Kim zeigte sich „erfreut“ über seine Wahl. „Ich freue mich, Robert Zoellick nachzufolgen“, hieß es in einer von der Weltbank verbreiteten Erklärung Kims. Den Mitgliedsstaaten der Bank dankte er für die „große Unterstützung“, die er erhalten habe. Traditionell bekommen die Amerikaner diesen Posten, im Gegenzug erhalten die Europäer dafür den Vorsitz beim Internationalen Währungsfonds (IWF). Diese ungeschriebene Regel für den Spitzenposten der Weltbank stellen aber Entwicklungs- und Schwellenländer zunehmend infrage.
Gegenkandidatin bestens geeignet
Vor allem aber Afrika begehrte auf: Die einzige Gegenkandidatin war die nigerianische Finanzministerin Ngozi Okonjo-Iweala - und kaum jemand schien kompetenter für den Job zu sein. „Ich weiß, was es bedeutet, zum Strom zu laufen, um Wasser zu holen. Was es bedeutet, wenn Menschen arm sind und nicht genügend zum Essen haben“, sagte die 57-Jährige mit den Abschlüssen der Elite-Unis Harvard und dem Massachusetts Institute of Technology bei einer ihrer Vorstellungsrunden.
APA/EPA/Jeon Heon-KyunOkonjo-Iweala arbeitete mehr als 20 Jahre für die WeltbankNicht zuletzt kennt die Afrikanerin die Weltbank nach Jahren in hohen Positionen in- und auswendig. Sie gilt als die „perfekte Insiderin“, so die „Washington Post“. „Sie würde Dinge von Anfang an zum Laufen bringen“, schrieben Dutzende Ex-Manager der Weltbank in einem offenen Brief und forderten ihre Wahl.
„Politik entscheidet, nicht Verdienste“
Wenige Stunden vor der Wahl gab auch sie sich geschlagen: „Wissen Sie, diese Entscheidung beruht nicht wirklich auf Verdiensten“, sagte Nigerias Finanzministerin in der Hauptstadt Abuja. „Es ist eine Wahl mit politischen Gewichten, und daher werden die USA gewinnen.“
Die Entwicklungsländer seien zwar damit gescheitert, einen Kandidaten an die Spitze der Weltbank zu bringen, sagte sie. Ihre Kandidatur habe aber geholfen, den seit Jahrzehnten gleich ablaufenden Prozess zu verändern. Erstmals in der Geschichte der Weltbank hatten sich Kandidaten aus Entwicklungsländern zur Wahl gestellt. „Es wird niemals wieder so sein wie vorher“, sagte Okonjo-Iweala. „Deshalb haben wir einen großen Sieg errungen. Wir haben gezeigt, dass wir beim Rennen um den Posten mithalten können und dass Afrika Menschen hat, die fähig sind, diese Institution zu führen.“
Kolumbianer zog sich schon zuvor zurück
Der dritte Kandidat, Kolumbiens Ex-Finanzminister Jose Antonio Ocampo, hatte sich bereits am Wochenende aus dem Rennen zurückgezogen. Auch er sagte, der Prozess werde nicht mehr von der Leistung der Kandidaten bestimmt, sondern sei nun politisch motiviert. Da sein Land ihn nicht voll unterstütze, rechne er sich kaum Chancen aus und ziehe seine Kandidatur zurück. Er empfahl den Entwicklungs- und Schwellenländer, sich hinter Okonjo-Iweala zu stellen.
„Profi von internationalem Format“
Doch vor allem die BRICS-Staaten ließen sich von den Qualitäten Kims überzeugen. Er „ist ein Profi von internationalem Format, der mit der praktischen Arbeit vertraut ist und Führungsposten in großen internationalen Organisationen innehatte“, sagte der russische Finanzminister Anton Siluanow. Ähnlich sehen das Schwellenländer wie Brasilien und Indien.
Kim kam als Kind von Südkorea in die USA, absolvierte ein Medizin- und ein Anthropologiestudium und startete eine beeindruckende Karriere: Seine Konzentration auf Aids und Tuberkulose führte Kim in Richtung Entwicklungshilfe. Er ist einer der Gründer der Vereinigung Partners in Health, von 2003 bis 2007 arbeitete er bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für eine Initiative, die Bedürftige in Entwicklungsländern mit Aids-Medikamenten versorgen sollte.
Kritik an US-Entwicklungshilfe
Die genauen Positionen Kims zur Weltbank und der Entwicklungspolitik sind seit Bekanntwerden seiner Kandidatur allerdings eher im Dunkeln geblieben. In der Vergangenheit hatte er immer wieder die Entwicklungshilfe der Industriestaaten kritisiert, die seiner Ansicht nach zu niedrig und zu wenig zielgerichtet ist. 2002 forderte er in einem Auftritt vor dem US-Senat, die Ausgaben der USA für den Kampf gegen Aids „deutlich“ zu steigern.
AP/Charles DharapakPräsident Obama bei der Vorstellung Kims„Es ist an der Zeit, dass ein Profi für Entwicklungshilfe die größte Entwicklungshilfe-Organisation der Welt führt“, begründete Obama seine Entscheidung für Kim. Doch Kritiker bemängeln, Kim sei zu sehr auf Medizin fokussiert, er könnte andere Themen dadurch aus dem Blick verlieren.
Derlei Vorwürfe weist Kim zurück: Die wirtschaftliche Entwicklung und der Kampf gegen Armut seien derart komplexe Themen, dass eine einzige Disziplin ohnehin nicht ausreiche, um sie voranzutreiben. „Die Weltbank hat viele extrem erfahrende Volkswirtschaftler. Ich kann es kaum erwarten, mit ihnen zu arbeiten“, sagte er in einem Interview mit der „New York Times“.
Links:
Publiziert am 16.04.2012