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„Rennen ist mehr als ein Sportevent“

Ungeachtet der zuletzt aufgeflammten Proteste soll das Wüstenemirat Bahrain am Wochenende als Gastgeber eines internationalen Sportevents in die Auslage gestellt werden. Politik dürfe nicht über den Sport gewinnen, so die Machthaber, die gleichzeitig auf den laufenden Reformprozess verweisen.

Dennoch zeigt sich das Land abseits der für den Formel-1-Zirkus bereitstehenden Hochglanzstrecke weiter zerrissen. Die Krise sei „keinesfalls vorbei“, stellte die Menschenrechtsorganisation Amnesty International (AI) in einem anlässlich des umstrittenen Rennens veröffentlichten Berichts fest.

Proteste in ManamaAPA/EPA/Mazen MahdiAusschreitungen im Vorfeld des Grand Prix in Manama

Ganz im Gegenteil habe sich seit der Niederschlagung der Proteste im Frühjahr 2011 in Bahrain nicht viel geändert. Nach wie vor gebe es Verstöße gegen die Menschenrechte. Keine Rede könne von einer nachhaltigen Umsetzung der Reformversprechen sein, die bisher bestenfalls „an der Oberfläche gekratzt“ haben, so die zuständige AI-Vertreterin Hassiba Hadj Sahraoui gegenüber dem arabischen TV-Sender al-Jazeera. Nach der Absage im Vorjahr könne das Festhalten am Grand Prix in diesem Jahr somit nur als eine symbolische „Rückkehr zur Normalität“ gewertet werden.

„Bahrain wird gewinnen“

Im Interesse der Regierung dürfte es somit auch sein, die Protestbewegung davon abzuhalten, das Rennen als internationale Bühne zu benutzen. Geht es nach Kronprinz Salam bin Hamad Al Chalifa, ist das bevorstehende Rennen jedenfalls weit mehr als nur ein internationaler Sportevent. Deshalb dürfe man auch nicht zulassen, dass es für politische Zwecke ausgenutzt werde. Nicht einzelne politische Gruppen, sondern alle Bürger Bahrains seien dann die Gewinner, sagte Bin Hamad gegenüber der Zeitung „Gulf News“.

Bahrains Kronprinz Salman bin Isa al-Khalifa vor einem Plakat der Formel 1 in BahrainReuters/Hamad I MohammedKronprinz Bin Hamad: Rennen ist „nicht nur ein internationales Sportevent“

Ganz in diesem Sinne zeigte sich zuletzt auch der Streckenchef des Bahrain International Circuit, Sajed al-Sajani, überzeugt, dass man alles im Griff habe: Bahrain sei schließlich nicht Syrien oder Afghanistan.

Fehler eingestanden

Der Sicherheitsberater des Innenministeriums von Bahrain, John Yates, versprach „unauffällige und diskrete“ Maßnahmen während des Rennens. Auch ein Demonstrationsverbot soll es laut Angaben aus dem Innenministerium nicht geben. Vielmehr versicherte ein Ministeriumssprecher gegenüber der BBC, dass Regierungsgegner auch in Bahrain das Recht auf freie Meinungsäußerung hätten.

Bahrainer PolizeiAP/Hasan JamaliAuch in Salmabad kam es diese Woche zu Ausschreitungen

Dennoch wurden Fehler im bisherigen Umgang mit der Protestbewegung zugegeben. Entgegen den AI-Vorwürfen habe die Regierung aber sehr wohl Maßnahmen gegen die verantwortlichen Sicherheitskräfte ergriffen, wobei derzeit rund 100 Fälle Gegenstand von Untersuchungen seien.

Warnung vor Eskalation

Weit kritischer wird die Lage in Bahrain aber nicht nur von AI betrachtet. Auch die International Crisis Group veröffentliche zuletzt eine Risikowarnung für das arabische Königreich. Grund dafür sei, dass „unter der Fassade der Normalisierung“ eine neue Eskalation der Gewalt bevorstehen könnte. Entspannung könne mit Blick auf die mit drakonischen Strafen abgeurteilten Oppositionellen und die anhaltende Dialogverweigerung demnach nicht erwartet werden.

Peter Prantner, ORF.at

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Publiziert am 18.04.2012