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Frauenschwarm mit Charakterschwächen

Wenn jemand heute mit dem Namen Waldemar Bonsels überhaupt noch etwas anzufangen weiß, dann als Autor der „Biene Maja“ und des Nachfolgebuchs „Himmelsvolk“. Dabei war Bonsels zu seiner Zeit ein Bestsellerautor, der ab den 1920er Jahren neben den Bienenbüchern vor allem mit schwülstigen Novellen ein weibliches Publikum begeistern konnte.

Auch wenn er in seinen Novellen die Liebe predigte - privat liebte Bonsels vor allem sich selbst: Seine fünf Kinder ließ er, gemeinsam mit deren Müttern, zu Lebzeiten eher links liegen und entledigte sich seiner Frauen und Geschäftspartner regelmäßig, wenn am Horizont neue auftauchten. Durch sein weibliches Zielpublikum hatte er keinen Mangel an Verehrerinnen - und an Spott von Satiriker Kurt Tucholsky, der ihn als „Waldine“ oder „Waldemarine“ hänselte und ihn als „sanften Bonsels mit den Unterbeinkleidern aus Sehnsucht und Flanell“ titulierte.

Vieles zurecht vergessen

Bis er bei der Schriftstellerei angelangt war, wusste Bonsels nicht recht etwas mit sich anzufangen. Der am 21. Februar 1880 in Ahrensburg bei Hamburg Geborene schmiss das Gymnasium als 17-Jähriger hin. In Bielefeld machte er eine kaufmännische Ausbildung, bevor er sich zum Missionskaufmann ausbilden ließ und 1903 nach Ostindien ging. Dort blieb er aber - auch aus Unzufriedenheit über die Arbeit der Baseler Mission - nur ein halbes Jahr.

Nach seiner Rückkehr verlegte er sich langsam aufs Schreiben und sammelte im Ersten Weltkrieg als Kriegsberichterstatter schreiberische Routine. Die Erlebnisse in Indien verarbeitete er in seinem Buch „Indienfahrt“ aus dem Jahr 1916, das erstmals ein größeres Publikum fand. Die Schriftstellerkarriere war begonnen. Von da an veröffentlichte er grob im Zweijahrestakt ein Buch. Überlebt hat davon im Wesentlichen nur die Biene Maja. Viele andere, etwa das später entschärfte rassistische „Dositos“, sind zurecht dem Vergessen anheimgefallen.

Maja-Erfolg geschickt eingefädelt

Auch der Erfolg der Maja, die er der Legende nach privat für seine ersten beiden Söhne geschrieben haben soll, kam anfangs eher durch einen geschickten Vertriebsdeal. Bonsels’ Verlegern gelang es, das Kinderbuch im Feldbuchhandel unterzubringen. Deutsche Soldaten des Ersten Weltkriegs wurden mit der Biene auf die Art quasi zwangsbeglückt und zu Kriegsende war Bonsels mit 90.000 verkauften Exemplaren ein gemachter Mann. Die Nazis taten das Übrige: 1954, zwei Jahre nach seinem Tod, war eine Million „Maja“-Bücher gedruckt.

Das Andenken an den Autor wird heute von der Waldemar-Bonsels-Stiftung wachgehalten, die von der letzten Frau des Autors ins Leben gerufen wurde. Die Stiftung stellt sich in den letzten Jahren auch der NS-belasteten Zeit in Bonsels’ Leben und seinen Versuchen, die Wahrheit nach dem Krieg unter den Teppich zu kehren. Im Jahr 1949 erkrankte Bonsels. Er starb am 31. Juli 1952 im Alter von 71 Jahren in seinem Haus in Ambach am Starnberger See. Seine Urne wurde im Garten beigesetzt.

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Publiziert am 05.05.2012