Berlusconi bei Ruby-Prozess: „Verfahren ein Skandal“
Italiens Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi ist heute zum ersten Mal bei einer Gerichtsverhandlung im Ruby-Prozess erschienen, bei dem er wegen Sex mit einer Minderjährigen und wegen Amtsmissbrauchs angeklagt ist. Der 75-jährige Berlusconi verfolgte den Prozess neben seinen Rechtsanwälten.
In einer Pause kritisierte der Medientycoon die Mailänder Staatsanwälte, die gegen ihn das Verfahren führen. „Der wahre Skandal ist das Geld, das der Staat für einen sinnlosen Prozess ausgibt“, kommentierte Berlusconi.
Der Ex-Premier bestätigte, dass er Zeuginnen in dem gegen ihn laufenden Prozess Geld zugeschanzt habe, wie die Ermittler festgestellt hatten. „Ich erhalte diese jungen Frauen, die von den Staatsanwälten verleumdet worden sind. Sie haben keine Arbeit mehr, ihre Freunde haben sie verlassen. Ihre Eltern haben ihre Geschäfte schließen müssen. Dabei haben diese Frauen eine einzige Schuld: bei mir an normalen Abendessen teilgenommen haben, nach denen es Theateraufführungen gab“, berichtete Berlusconi.
Berlusconi verteidigt „Burlesque-Wettbewerbe“
Aussagen einiger Zeuginnen, laut denen junge Frauen auf einem Berlusconi-Fest als Nonnen verkleidet einen Striptease hinlegten und vor dem Medienzaren tanzten, dementierte der Ex-Premier nicht. „Es handelte sich um Burlesque-Wettbewerbe“, so Berlusconi.
Vor dem Gericht in Mailand wurden zwei Polizisten vernommen, die in der Nacht vom 27. auf den 28. Mai 2010 mit Berlusconi, der zu dem Zeitpunkt noch als Premier im Amt war, telefoniert hatten. Berlusconi hatte Druck für die Freilassung der damals noch minderjährigen Karima al-Marough alias Ruby gemacht. Die junge Frau, die an ausschweifenden Partys in Berlusconis Villa teilgenommen und von ihm Geld erhalten haben soll, war wegen Diebstahls festgenommen worden.
Berlusconi sagte, er sei fest davon überzeugt gewesen, dass Ruby eine Verwandte des damaligen ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak sei. „Sie tat mir leid. Sie hatte mir über ihr dramatisches Leben berichtet, dass sie von ihrer Familie verjagt worden war, weil sie zum Katholizismus übergetreten war. Die Geschichte, die sie mir erzählt hatte, war absolut rührend. Als ich dann erfahren habe, dass sie Marokkanerin und nicht Ägypterin ist, habe ich von ihr nichts mehr wissen wollen“, berichtete der Ex-Premier.
Video dazu in iptv.ORF.at
Publiziert am 20.04.2012