Themenüberblick
Königsmacher und Außenseiter
APMarine Le Pen etwa, die 43-Jährige Tochter des langjährigen Front-National-Chefs Jean-Marie Le Pen, holte 18 Prozent der Stimmen und sorgte damit für die größte Überraschung der ersten Wahlrunde. Marine Le Pen ist seit Anfang 2011 Parteivorsitzende und gilt als umgänglich, aber ebenso extrem wie ihr Vater, der die Front National 1972 gründete. Sie warb im Wahlkampf für eine Auflösung der EU und Frankreichs Abschied vom Euro.
Jean-Luc Melenchon, der Kopräsident der französischen Linkspartei, hat den deutschen Linkspolitiker Oskar Lafontaine als Vorbild. Melenchon (60) war ein Wortführer der französischen Ablehnung beim Referendum über die EU-Verfassung im Mai 2005 und begeisterte seine Anhängerschaft im Wahlkampf durch großes Redetalent. Nach jahrzehntelanger Mitgliedschaft trat er 2008 aus der Sozialistischen Partei (PS) aus, der er Verrat an dem Volksentscheid gegen die EU-Reform vorwarf. In der ersten Wahlrunde am Sonntag kam er auf rund zwölf Prozent.
Enttäuschung für Zentrumspartei
Francois Bayrou, der 60 Jahre alte frühere Bildungsminister, trat zum dritten Mal bei einer Präsidentenwahl an. Er ist Chef der Zentrumspartei Mouvement democratique (MoDem) und versprach den Franzosen im Wahlkampf, sie aus der Krise zu führen. Bei der Wahl 2007 hätte er Umfragen zufolge Präsident Nicolas Sarkozy im zweiten Wahlgang geschlagen. Bei der Wahl am Sonntag blieb er unter der Zehnprozentmarke - eine Enttäuschung.
Eva Joly (68), eine ehemalige Ermittlungsrichterin, setzte sich bei parteiinternen Vorwahlen der Grünen gegen den Abenteurer und Filmemacher Nicolas Hulot durch. Die gebürtige Norwegerin hatte sich vor allem bei der Aufdeckung des Skandals um den früheren Ölkonzern Elf Aquitaine einen Namen gemacht. Sie hatte sich erst spät für eine politische Karriere entschieden. Wahlergebnis: um die zwei Prozent.
Die Außenseiter
Nicolas Dupont-Aignan (51), der frühere Verwaltungsbeamte, war einst UMP-Mitglied und sieht sich politisch zwischen UMP und Sozialisten. Wahlergebnis: um die zwei Prozent. Nathalie Arthaud (42), die Kapitalismuskritikerin, trat für die trotzkistische Partei Lutte Ouvriere an und galt als absolute Außenseiterin. Wahlergebnis: unter ein Prozent.
Philippe Poutou: Für das Mitglied der aus der Trotzkistenbewegung entstandenen Neuen Antikapitalistischen Partei (NPA) gilt dasselbe wie für Nathalie Arthaud. Der 45 Jahre alte Arbeiter aus der Autoindustrie war von Anfang an chancenlos. Wahlergebnis: um ein Prozent.
Jacques Cheminade (70), der sich selbst mit seiner Kleinstpartei Solidarite et Progres als „linker Gaullist“ definierte, galt als mysteriösester Kandidat. Viele fragten sich, wie er es überhaupt schaffen konnte, die für die Kandidatur notwendigen 500 Unterschriften von Mandatsträgern zusammenzubekommen. Der ehemalige Verwaltungsbeamte trat bereits 1995 an. Er hat sich zum Ziel gesetzt, den „Finanz-Faschismus“ der Wall Street zu beenden. Wahlergebnis: unter 0,5 Prozent.
Publiziert am 23.04.2012