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„Schlacht um Frankreich“

Bei der französischen Präsidentschaftswahl haben sich der konservative Amtsinhaber Nicolas Sarkozy (27,1 Prozent) und der Sozialist Francois Hollande (28,6 Prozent) für die entscheidende zweite Runde qualifiziert. Für die große Überraschung des Abends sorgte die Kandidatin der rechtsextremen Front National (FN), Marine Le Pen: Sie erreichte 18 Prozent der Stimmen.

Das ist das beste Ergebnis für einen Kandidaten der FN bei einer Präsidentschaftswahl. Marin Le Pen übertraf das Ergebnis ihres Vater Jean-Marie aus dem Jahr 2002, der damals 17 Prozent erreichte. Trotzdem war der Erfolg des Vaters größer, da er es hinter dem konservativen Kandidaten Jacques Chirac auf Platz zwei schaffte. Er warf damit den Sozialisten Lionel Jospin aus dem Rennen und schaffte es entgegen allen Erwartungen in die Stichwahl. Im zweiten Wahldurchgang gelang Chirac mit 82,2 Prozent dann jedoch ein haushoher Sieg. 2007 konnte Jean-Marie Le Pen lediglich 10,4 Prozent der Stimmen für sich verbuchen.

Jubel der Kandidatin der rechtsextremen Front National (FN), Marine Le PenReuters/Pascal RossignolMarine Le Pen jubelt über ihr Rekordergebnis

Vor ihren jubelnden Anhängern in Paris sagte Le Pen am Sonntagabend, dass die „Schlacht um Frankreich erst beginnt“. Ihr Wahlkampfchef Florian Philippot kündigte an, dass Le Pen am 1. Mai ihre Haltung zur Stichwahl zwischen Hollande und Sarkozy bekanntgeben werde. An vierter Stelle lag - deutlich hinter Le Pen - mit 11,7 Prozent Jean-Luc Melenchon von der Linksfront aus Kommunisten (PCF) und Linkspartei (PG). Der Zentrumspolitiker Francois Bayrou lag bei 8,5 Prozent. Die Wahlbeteiligung wurde mit 80,3 Prozent angegeben.

Jubel des sozialistischen Kandidaten Francois HollandeAP/Christophe EnaHollande vor jubelnden Anhängern

Hollande: Sarkozy mitschuldig an FN-Erfolg

Hollande warb um Unterstützung für die Stichwahl am 6. Mai. Er sei „der Bestplatzierte, um der nächste Präsident der Republik zu werden“, sagte er am Abend vor jubelnden Anhängern im zentralfranzösischen Tulle. Er stehe für den Wandel, sagte der 57-Jährige und rief all diejenigen zu seiner Wahl am 6. Mai auf, die „ein neues Kapitel“ für Frankreich aufschlagen wollten.

Den Ausgang der ersten Runde nannte er zugleich eine „Abstrafung“ für Sarkozy. Ihm gab er eine Mitschuld am hohen Abschneiden Le Pens. „Nie zuvor hat die Front National ein derartiges Niveau bei einer Präsidentschaftswahl erreicht“, sagte Hollande. „Das ist ein neues Signal, das in der Republik ein Aufbegehren nötig macht.“

Anhänger jubeln Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy zuAPA/EPA/Christophe KarabaSarkozy am Wahlabend vor Anhängern

Sarkozy: „Votum der Krise“

Sarkozy begründete das Ergebnis der ersten Wahlrunde mit der Zukunftsangst der Franzosen. „Die Franzosen haben ein Votum der Krise abgegeben“, sagte Sarkozy am Sonntagabend vor Anhängern. In der Stichwahl in zwei Wochen stehe nun eine Richtungsentscheidung an. Im Namen der Vaterlandsliebe sollten sich die Franzosen um ihn scharen. „Es wird darum gehen, wer die Verantwortung für unser Leben übernehmen wird und die Franzosen in den kommende fünf Jahren verteidigen wird.“ Er werde all seine Energie mobilisieren.

Spannung vor Stichwahl

In der Stichwahl würde Hollande nach jüngsten Prognosen auf 55,7 Prozent kommen, Sarkozy auf 44,3 Prozent. Meinungsforscher weisen allerdings darauf hin, dass sich viele Franzosen bis zuletzt als unentschlossen bezeichneten. Die Enthaltungsrate beträgt laut einer Umfrage des Instituts OpinionWay 26 Prozent der Wahlberechtigten, verglichen mit 16 Prozent im Jahr 2007.

„Je größer die Enthaltung ist, umso mehr kann sie das Wahlergebnis beeinflussen“, sagte Emmanuel Riviere vom Meinungsforschungsinstitut TNS Sofres. Im Allgemeinen ist die Enthaltung ein Vorteil für die Konservativen, zumal am ehesten junge Wähler und Arbeiter zu Hause bleiben, die vornehmlich links wählen. „Diesmal könnte das aber auch anders sein“, meinte Riviere.

Bekommt Sarkozy Le Pens Stimmen?

Entscheidend wird auch sein, ob die Anhänger der unterlegenen Kandidaten im zweiten Wahlgang zur Wahl gehen und für wen sie sich dann entscheiden. Wichtig ist unter anderem, wie die Wähler von Le Pen im zweiten Wahlgang abstimmen. Inwieweit ihr Wählerpotenzial im zweiten Wahlgang Sarkozy zugutekommt, gilt als ungewiss und wird nicht zuletzt von ihrer angekündigten Stellungnahme am 1. Mai abhängen. Von den Bewerbern mit größerem Stimmpotenzial hat bisher nur Melenchon angekündigt, dass er seinen Anhängern bei einem Ausscheiden in der ersten Runde die Wahl von Hollande empfehlen werde.

Der 60 Jahre alte frühere Bildungsminister Bayrou von der Zentrumspartei gilt als möglicher „Königsmacher“. Er legte sich jedoch noch nicht fest. Er kündigte lediglich an, dass er den beiden Kandidaten zuhören und dann „seine Verantwortung“ annehmen werde.

Hollande will Frankreich umkrempeln

Der Wahlkampf war mit harten Bandagen geführt worden. Hollande kündigte an, er wolle den gerade erst unterzeichneten Fiskalpakt, der automatische Strafen bei zu hohem Staatsdefizit vorsieht, neu verhandeln. Das wird unter anderem von Deutschland strikt abgelehnt. Hollande will auch den Spitzensteuersatz für Reiche mit Einkommen von mehr als einer Million Euro auf 75 Prozent erhöhen. Sarkozy tritt hingegen für eine Fortsetzung des Sparkurses ein und kündigte eine noch striktere Einwanderungspolitik an.

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Publiziert am 23.04.2012