IWF-Chefökonom drängt Deutschland zu Euro-Bonds
Der Chefökonom des Internationalen Währungsfonds (IWF), Olivier Blanchard, sieht Deutschlands Einwände gegen Euro-Bonds ausgeräumt. Als es noch keine europäischen Instrumente zur Haushaltsdisziplin gegeben habe, sei die Ablehnung gemeinsamer Anleihen begründet gewesen, sagte Blanchard der „Financial Times Deutschland“ (Montag-Ausgabe).
„Nun haben wir den Fiskalpakt. Deshalb sollten die Deutschen akzeptieren, dass sich die Euro-Zone in Richtung Euro-Bonds bewegt.“
Klare Vorteile
Blanchard schlägt vor, zunächst die Staatsanleihen mit Laufzeiten von unter einem Jahr zu vergemeinschaften. Die Vorteile von Euro-Bonds lägen klar auf der Hand: „Sie könnten vermeiden, dass sich wiederholt, was vergangenen Herbst passiert ist: Ein Land hat ein Problem, Investoren fordern höhere Risikoaufschläge, und das Land kommt in einen Teufelskreis, weil es sie nicht bezahlen kann.“
Zudem forderte er von Deutschland, in Krisenzeiten auch eine höhere Inflationsrate zu akzeptieren. Der Richtwert der Europäischen Zentralbank von zwei Prozent gelte für die gesamte Euro-Zone. In einzelnen Ländern könnte sie aber durchaus höher ausfallen. Besonders wenn Deutschland seinen Leistungsbilanzüberschuss abbauen wolle, sei ein stärker steigendes Preisniveau nicht zu vermeiden.
Nowotny bedauert, dass USA bei Aufstockung nicht mitziehen
Der Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank und EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny bedauerte unterdessen in einem Interview mit dem „Wall Street Journal“, dass die USA bei der Aufstockung der IWF-Mittel nicht teilgenommen hatten. Das, obwohl sie für sich beanspruchten, „eine wesentliche Rolle im Währungsfonds zu haben“, kritisierte Nowotny.
Man hätte erwarten können, dass die USA ebenfalls an der Aktion teilnehmen. Generell sei die Mittelaufstockung sowohl beim IWF als auch beim Euro-Schutzschirm ein positives Zeichen. Nowotny hofft, dass die Mittelaufstockung auch zur Verringerung der Nervosität auf den Märkten beitragen wird.
IWF-„Feuerkraft“ steigt auf eine Billion
Die führenden Industrie- und Schwellenländer (G-20) hatten sich zuvor in Washington darauf geeinigt, die globale „Feuerkraft“ des IWF um mehr als 430 Milliarden US-Dollar aufzustocken und somit fast zu verdoppeln.
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Publiziert am 23.04.2012