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Bomben in Mistkübeln versteckt
Wie eine Ministeriumssprecherin sagte, wurde die erste Explosion um 11.50 Uhr Ortszeit (9.50 Uhr MESZ) durch einen Sprengsatz ausgelöst, der in einem Papierkorb nahe einer Straßenbahnhaltestelle deponiert worden sei. Dabei wurden 13 Personen verletzt.
Die zweite Explosion ereignete sich etwa 40 Minuten danach in der Nähe eines Kinos, dabei wurden elf Personen verletzt, darunter neun Kinder. Die dritte Detonation ereignete sich in der Nähe eines Parks, wo vier Personen verletzt wurden. Eine vierte Explosion wurde aus dem Stadtzentrum gemeldet, hier soll es keine Verletzten gegeben haben. Ein fünfter Sprengsatz wurde laut Innenministerium entschärft.
Experten: Sprengkörper selbst gebaut
Augenzeugen berichteten im Internet von Panik und tumultartigen Szenen. Fotos zeigten Blutspritzer auf dem Boden und geborstene Scheiben. Notarztwagen fuhren mit heulenden Sirenen durch die Stadt - die Polizei sperrte das Zentrum ab. Das Mobilfunknetz der viertgrößten Stadt der Ukraine brach zeitweise zusammen. Nach Angaben von Experten waren die Sprengkörper selbst gebaut - es gibt jedoch laut Behörden noch keinen Hinweis auf einen oder mehrere Täter. „Es hat noch keine Verhaftungen gegeben“, gab ein Polizeisprecher bekannt. Es habe weder Anschlagsdrohungen noch ein Bekennerschreiben gegeben, hieß es zudem.
Reuters/Sergei IsayevExplosion an Straßenbahnhaltestelle: Bombe war in Mistkübel verstecktPräsident Janukowitsch: „Herausforderung“
Präsident Viktor Janukowitsch sprach von einer „Herausforderung“ für sein Land: „Wir verstehen, dass dies eine weitere Herausforderung für uns ist, für das gesamte Volk“, sagte Janukowitsch. Innenminister Witali Sachartschenko wollte sich laut der Nachrichtenagentur Interfax Ukraine so schnell wie möglich nach Dnjepropetrowsk im Zentrum des Landes begeben. Die Staatsanwaltschaft von Dnjepropetrowsk leitete Ermittlungen wegen eines möglichen Terroranschlags ein, wie eine Sprecherin der Behörde der Nachrichtenagentur AFP sagte.
Zusammenhang mit Fall Timoschenko?
Dnjepropetrowsk ist die Heimatstadt von Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko. Die Führung in Kiew sorgt wegen ihres Umgangs mit der schwer erkrankten Politikerin seit geraumer Zeit für Negativschlagzeilen. Timoschenko leidet seit Monaten unter starken Rückenschmerzen und war aus Protest gegen ihre Haftbedingungen vor einer Woche in einen Hungerstreik getreten, ihr Gesundheitszustand sei nach Angaben von Ärzten „besorgniserregend“. Auch die Tochter Timoschenkos sprach am Freitag von einem sich verschlechternden Zustand.
Der der Timoschenko-Partei zugehörige Abgeordnete Mikola Tomenko brachte die Explosionen mit der Regierung in Verbindung. Es handle sich um ein Ablenkungsmanöver der Regierung, um die Augen der Welt vom Fall Timoschenko wegzubekommen, so Tomenko auf der offiziellen Website Timoschenkos.
Prozess „politisch motiviert“
Die 51-Jährige beschuldigt die Behörden, sie unter Gewaltanwendung vorübergehend aus dem Gefängnis in Charkiw in ein Krankenhaus verlegt zu haben. Der Führung um ihren Erzrivalen Janukowitsch wirft die Heldin der „Orange Revolution“ von 2004 vor, sie durch einen politisch motivierten Prozesse hinter Gitter gebracht zu haben. Ob ein Zusammenhang zwischen der Causa Timoschenko und den Anschlägen besteht, ist allerdings nach wie vor völlig unklar.
Ukraine ist Fußball-EM-Gastgeber
Die Ukraine ist im Juni zusammen mit Polen Gastgeber der Fußball-Europameisterschaft. Dnjepropetrowsk ist allerdings kein Austragungsort des Sportereignisses. Der europäische Fußballverband UEFA ist weiterhin guter Dinge im Hinblick auf das Turnier. „Diese Ereignisse beeinträchtigen in keiner Weise das Vertrauen der UEFA in die von den ukrainischen Behörden geplanten Sicherheitsmaßnahmen für die UEFA Euro 2012, die ein heiteres Turnier ohne Zwischenfälle gewährleisten werden“, hieß es am Freitag aus der Verbandszentrale in Nyon. Bezüglich der Explosionen werde man die Ergebnisse der Untersuchungen der ukrainischen Behörden abwarten.
Links:
- Ukrainischer Präsident (engl.)
- Ukrainische Regierung (engl.)
- Julia Timoschenko (engl.)
Publiziert am 27.04.2012