Charite: Timoschenkos Zustand „verschlechtert“

Die Berliner Charite sieht den Gesundheitszustand der inhaftierten ukrainischen Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko mit großer Sorge. Dieser habe „sich deutlich verschlechtert“, sagte der Leiter der Klinik für Orthopädie, Norbert Haas, heute bei der Vorstellung neuer Gutachten zu dem Fall.

Eine Behandlung Timoschenkos in Deutschland sei „im Moment“ trotzdem „noch nicht sehr wahrscheinlich“, ergänzte Charite-Chef Karl Max Einhäupl.

Therapie in der Ukraine nicht möglich

Es gebe „erhebliche Zweifel“ an einer erfolgreichen Therapie Timoschenkos in der Ukraine, sagte Haas. Das behandelnde Krankenhaus in Charkiw im Osten des Landes sei zwar „neu hergerichtet“, einige Therapien seien dort jedoch nicht möglich. Einhäupl betonte, er sehe „einen Grund, Frau Timoschenko in kurzer Zeit noch einmal zu besuchen“. Das solle möglichst „in den nächsten sieben Tagen“ geschehen.

Fotos mit Blutergüssen

Nach Einhäupls Angaben erhielt die Charite kürzlich Fotos von Timoschenko, auf denen Blutergüsse an ihrem Körper zu sehen seien. Timoschenko wirft den Behörden vor, sie unlängst unter Gewaltanwendung vorübergehend aus ihrem Gefängnis in Charkiw in die dortige Klinik verlegt zu haben.

Timoschenko leidet nach Angaben der Charite „mit Sicherheit“ an einem oder mehreren Bandscheibenvorfällen. Das hätten Untersuchungen ergeben, sagte Einhäupl. Der erste Vorfall habe sich Anfang Oktober ereignet, ein zweiter oder aber eine Verschlechterung des ersten im November.

Demonstrationen für Timoschenko

Unterdessen blockierten Abgeordnete von Timoschenkos Partei aus Protest heute das Parlament. „Julia Timoschenko ist den achten Tag im Hungerstreik“, war laut Medienberichten in Kiew auf einem Plakat im Sitzungssaal zu lesen.

Video dazu in iptv.ORF.at

Publiziert am 27.04.2012