Flöttl bezichtigt Elsner im BAWAG-Prozess der Lüge
Am dritten Tag des zweiten BAWAG-Prozesses ist gestern Wolfgang Flöttl rund drei Stunden lang einvernommen worden. Richter Christian Böhm und Zweitrichter Stefan Erdei fragten bei den sprudelnden Antworten des in New York lebenden früheren Investmentbankers immer wieder genau nach und orteten Widersprüche zu früheren Angaben in seinen Vernehmungen, was den Angeklagten zu noch längeren Ausführungen veranlasste.
Richter Böhm versuchte immer wieder, den Angeklagten zu Antworten auf die ihm gestellten Fragen zu bewegen. Flöttl bezichtigte mehrmals den abwesenden Ex-Bankchef Helmut Elsner der Lüge. Fragen, ob die BAWAG-Gelder wirklich verspekuliert wurden, was Elsner seit Jahren in Abrede stellt, der Flöttl Unterschlagung vorwirft, wurden heute nicht gestellt.
Medialer Druck wegen „Vater-Sohn-Geschäften“
Flöttl ist der Sohn des mittlerweile verstorbenen BAWAG-Generaldirektors Walter Flöttl. Ab 1981 arbeitete er bei der US-Investmentbank Kidder Peabody, 1986 machte er sich mit einer Vermögensverwaltung selbstständig. Schon im Jahr darauf sei die - damals von seinem Vater geführte - BAWAG an ihn herangetreten, weil sie durch seine Geschäfte zusätzliche Renditen erzielen habe wollen, sagte er.
Im Jahr 1994, als diese „Vater-Sohn-Geschäfte“ öffentlich wurden, wurden sie unter medialem Druck beendet. Zwei Jahre vorher habe er der Bank Forderungen gegen Russland und Bulgarien abgekauft und im Gegenzug Gelder zur längerfristigen Veranlagung bekommen. Da er 1994 alles zurückführen musste, sei am Ende „ein großer Verlust“ für ihn entstanden, schilderte Flöttl.
„Ohne neues Geld pleite“
„Meine Firmen wären pleitegegangen ohne neues Geld“, gestand Flöttl heute ein. Die BAWAG sei damals sein einziger Kunde gewesen, sein Kapital kam also nur von der BAWAG. Elsner flog Anfang Oktober 1998 zu Flöttl nach New York, dabei wurde offenbar eine Krisenstrategie entworfen. Elsner selber war heute nicht anwesend, weil sein Verfahren erst am Mittwoch beginnt. Elsner habe ihn gedrängt, dass er sein Sachvermögen der BAWAG überschreibe, schilderte Flöttl.
Schon damals will er Elsner eine Liste über die Anschaffungswerte seiner Kunstsammlung übergeben haben. Flöttls Vermögen hätte zur Abdeckung der Verluste dienen sollen, hatte der frühere BAWAG-Aufsichtsratspräsident Günter Weninger zuvor geschildert, doch Flöttl schilderte es anders: Dass sein Vermögen eine Milliarde wert gewesen sei, bezeichnete er als „Schimäre“.
„Totale Lüge“
Er habe auch niemals gesagt, dass seine Investmentfirma Ross Capital 200 bis 400 Mio. Dollar wert wäre, widersprach er einer Aussage Elsners, die verlesen wurde. „Das ist eine totale Lüge von Elsner.“ Im ersten Verfahren hatte es geheißen, dass Elsner und Zwettler zur Zeit der Verluste von einem Vermögen Flöttls in Höhe von einer Milliarde Dollar ausgegangen waren.
Publiziert am 27.04.2012