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Zweite Rezession binnen drei Jahren

Spanien rutscht immer tiefer in die Krise. In den ersten drei Monaten des laufenden Jahres sank die Wirtschaftsleistung um 0,3 Prozent, wie das spanische Statistikamt am Montag im Madrid mitteilte. Das könnten viele spanische Banken nicht überleben.

Im Schlussquartal 2011 war die spanische Wirtschaft erstmals seit Ende 2009 wieder geschrumpft. Das Minus lag ebenfalls bei 0,3 Prozent. Damit ist die gängige Definition für eine Rezession - zwei Quartale mit negativen Wachstumsraten in Folge - nunmehr erfüllt. Vor einer Woche hatte bereits die Notenbank Spaniens eine Vorabschätzung für das Wachstum im ersten Quartal veröffentlicht. Die Notenbanker waren allerdings zu einem etwas schwächeren Ergebnis als die Statistiker gekommen. Die Notenbank hatte eine Rate von minus 0,4 Prozent ermittelt.

Banken in der Bredouille

Die US-Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) hatte am Donnerstagabend den Ausblick für die viertgrößte Euro-Wirtschaft auf negativ gesetzt und die Bewertung auf „BBB+“ von zuvor „A“ gesenkt. Am Montag folgte die Herabstufung mehrerer Banken. Dies sei eine Folge der in der vergangenen Woche bekanntgegebenen skeptischeren Bewertung Spaniens, teilte S&P in Madrid mit. Die Bonitätsnoten für die beiden Großbanken BBVA und Santander wurden dabei wie für das Land Spanien selbst um zwei Stufen reduziert.

Santanders langfristige Schulden werden jetzt mit der Note „A-“ und damit etwas besser als die Verbindlichkeiten Spaniens eingestuft. BBVA habe jetzt mit „BBB+“ die gleiche Bewertung wie Spanien. Die spanischen Banken leiden vor allem unter dem Zusammenbruch des heimischen Immobilienmarkts und gelten derzeit als einer der größten Problemfälle innerhalb der europäischen Schuldenkrise.

Staatliche Hilfe unumgänglich?

Der Sektor ist geprägt von den beiden Großbanken und zahlreichen kleineren Instituten, die größtenteils regional tätig sind. Zudem hat das Land einen großen Sparkassensektor. Von den vielen Sparkassen mussten in der Schuldenkrise bereits einige Institute vom Staat gerettet werden. Der gesamte Bereich soll größtenteils neu geordnet werden. Experten zufolge wird die Regierung von Ministerpräsident Mariano Rajoy kaum darum herumkommen, den Banken unter die Arme zu greifen - ungeachtet der Auswirkungen auf die Staatsverschuldung.

„Spanien hat die Banken zunächst angehalten, ihre Bilanzen selbst zu reparieren, bevor der Staat Geld in den Sektor pumpt“, sagte Tristan Cooper, Analyst für Staatsanleihen bei Fidelity Worldwide Investment, am Wochenende unmittelbar vor der Herabstufung durch S&P. „Das Ende dieses Wegs könnte aber jetzt erreicht sein, da die spanischen Banken an ihr Limit kommen. Eine Entscheidung zur Bankenunterstützung wird sehr schnell fällig werden, ebenso der Ruf nach EU-Hilfen.“

Analyst: Schmerzhafter als Griechenland

„Angesichts des harten Sparkurses, der Wahrscheinlichkeit eines weiteren Platzens der Immobilienblase und der prekären Lage der hoch verschuldeten Banken erscheint es unwahrscheinlich, dass die Not Spaniens bald ein Ende findet“, warnt Stefan Angele, Chef des Investmentmanagements beim Vermögensverwalter Swiss & Global. „Sie wird schlussendlich eine europäische Lösung erfordern, die umfassender und schmerzhafter ist als der Prozess in Griechenland.“

„Bad Bank“ im Gespräch

Der kleinteilige, marode Sparkassensektor und die Großbanken sitzen nicht nur auf Bergen fauler Immobilienkredite, sondern haben auch riesige Bestände an wackeligen Staatsanleihen in ihren Büchern. Die spanische Regierung diskutiert nun einem Medienbericht zufolge die Gründung einer „Bad Bank“ zur Auslagerung von faulen Papieren des heimischen Finanzsektors.

Bis vor kurzem hatten Regierungsvertreter einem solchen Modell noch eine Absage erteilt, aber laut einem Bericht der „Financial Times“ („FT“, Montag-Ausgabe) wird die Lösung nun doch erwogen. Ziel sei es vor allem, die Bankbilanzen von faulen Immobilienkrediten zu befreien. Dem Blatt zufolge handelt es sich beim „Bad Bank“-Plan um den jüngsten Versuch der Regierung, Rettungsprogramme abzuwenden, wie sie in den anderen krisengeschüttelten Euro-Staaten Griechenland, Irland und Portugal laufen.

Privatisierungsplan für öffentliche Infrastruktur

Am Freitag werde die Regierung die Privatisierung einiger Dienstleistungen im öffentlichen Transportsektor bekanntgeben, sagte Wirtschaftsminister Luis de Guindos am Montag in Santiago de Compostela. „Die Regierung hat einen klaren Fahrplan, und der beinhaltet einen Privatisierungsplan für die öffentliche Infrastruktur.“ Zugleich erklärte der Minister, Spanien habe nicht vor, für den Bankensektor internationale Hilfen anzufordern.

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Publiziert am 30.04.2012