Bosnien: Erste Frau für Kriegsverbrechen verurteilt
Eine frühere bosniakische Soldatin ist als erste Frau in Bosnien-Herzegowina wegen Kriegsverbrechen verurteilt worden. Das bosnische Gericht für Kriegsverbrechen verurteilte Rasema Handanovic gestern wegen der Beteiligung an der Hinrichtung von drei kroatischen Zivilisten und drei Kriegsgefangenen zu fünfeinhalb Jahren Haft, wie Richterin Jasmina Kosovic bekanntgab.
Die Verbrechen wurden am 16. April 1993 in dem südbosnischen Dorf Trusina begangen. In dem Dorf wurden insgesamt 18 kroatische Zivilisten und vier kroatische Kriegsgefangene von der Spezialeinheit „Zulfikar“ der mehrheitlich muslimischen Armee ermordet, der Handanovic angehörte.
Kroaten und muslimische Bosniaken waren im Bosnien-Krieg (1992 bis 1995) im Kampf gegen die Serben verbündet, bekämpften einander jedoch elf Monate auch gegenseitig.
Sechs weitere Mitglieder der Einheit müssen sich derzeit vor Gericht wegen der Morde in Trusina verantworten. Handanovic hatte vergangene Woche eine Beteiligung an den Taten zugegeben und eingewilligt, gegen die anderen Mitglieder der Einheit auszusagen. Im Gegenzug sicherte ihr die Staatsanwaltschaft eine mildere Strafe zu. Die 39-Jährige war nach dem Krieg in die USA ausgewandert und besitzt heute auch die US-Staatsbürgerschaft. Im Dezember wurde sie an Bosnien-Herzegowina ausgeliefert.
Publiziert am 30.04.2012