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Neues Gutachten zu Schuldfrage
Damit sei die Voraussetzung für eine Anklage wegen fahrlässiger Gemeingefährdung mit Todesfolge bereits gegeben, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Graz, Hansjörg Bacher, am Mittwoch gegenüber der APA.
Weitere Fehler unterlaufen?
Acht Menschen in Österreich und Deutschland waren Anfang des Jahres 2010 nach dem Konsum des Käses gestorben. Seither ermittelt die Staatsanwaltschaft und in deren Auftrag das Landeskriminalamt gegen Hersteller, Mitarbeiter und Behörden. Bevor über eine Anklage entschieden werde, müsse nun noch geprüft werden, ob Organen der Landessanitätsdirektion Steiermark möglicherweise Fehler bei der Kontrolle des Betriebs unterlaufen sind, so Bacher.
ORF.at/Rafaela SteckbauerBei Prolactal blieb nach dem Skandal kein Stein auf dem anderenIm Raum stehe die Akzeptanz von zu hohen Grenzwerten. Im Sommer sollen diese Ermittlungen abgeschlossen sein. Nicht erhärtet habe sich der Verdacht gegen Organe des Gesundheitsministeriums. Weiterhin verdächtigt werden aber fünf Mitarbeiter des oststeirischen Käseerzeugers Prolactal.
Experten: Nicht rechtzeitig Maßnahmen ergriffen
Schon vor dem abschließenden Gutachten hatten Sachverständige Mängel im Qualitätsmanagement und nicht rechtzeitig getroffene Maßnahmen zur Behebung des Problems festgestellt - insbesondere bei der Prüfung des Mindesthaltbarkeitsdatums der zu verarbeitenden Rohstoffe. Außerdem seien Probeziehungen nicht ordnungsgemäß erfolgt und Produktionsstopp sowie Rückholung nicht rechtzeitig veranlasst worden. Zudem seien die Verantwortlichen „offensichtlich von einer falschen Toleranzgrenze“ ausgegangen, hieß es seitens der Anklagebehörde.
Mit einem Vergleich war im Juni 2011 eine Klage des Vereins für Konsumenteninformation (VKI) gegen Prolactal beim Landesgericht Linz in Vertretung von sechs Erkrankten und zwei Erben ausgegangen. Das Ministerium hatte den Verein beauftragt, für Menschen, die sich durch den Konsum des mit Listerien kontaminierten Quargels geschädigt fühlen, verschuldensunabhängige Produkthaftungsansprüche geltend zu machen. Der VKI machte für die acht geschädigten Personen Schadenersatzansprüche in Höhe von 76.000 Euro geltend. Über den Inhalt des Vergleichs wurden keine Angaben gemacht. Die Geschädigten nahmen ihn jedenfalls an.
Werk nur mit Mühe gerettet
Beim Standort von Prolactal in Hartberg blieb nach dem Skandal kein Stein auf dem anderen: Die Quargelproduktion wurde gänzlich eingestellt, das Werk konnte nur mit Mühe vor der kompletten Schließung gerettet werden. Jene 25 Mitarbeiter, die in der Sauermilchproduktion gearbeitet hatten, wurden teilweise umgeschult, aber zum Großteil sukzessive bis Mitte 2010 gekündigt. Per Jänner beschäftige Prolactal in der Oststeiermark rund 65 Mitarbeiter, so Sprecher Gerald Kneidinger zur APA. Die Umsätze seien seit 2009 von rund 54 Mio. Euro auf 47 Mio. Euro (2010) und 2011 sogar auf 34 Mio. Euro gesunken.
Während in Österreich weiter ermittelt wird, wurden die Ermittlungen in Deutschland nach einer Anzeige der Organisation Foodwatch gegen das Unternehmen bereits im März 2011 eingestellt. Auch das Verfahren gegen das Verbraucherministerium Baden-Württemberg wurde von den Behörden zu den Akten gelegt. Eine Beschwerde bei der Generalstaatsanwaltschaft Stuttgart wurde laut Foodwatch im vergangenen August abgelehnt.
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Publiziert am 02.05.2012