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Sarkozy in Überseegebieten hinten
Bis 17.00 Uhr gaben nach Angaben des Innenministeriums 71,96 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme ab. Bei der ersten Runde am 22. April waren es zur gleichen Zeit erst 70,59 Prozent gewesen. Damals lag die Beteiligung am Ende des Wahltages bei knapp 80 Prozent.
Bereits ausgezählt sind die Stimmen der Wahlberechtigten aus den Überseegebieten Frankreichs. Wie der belgische Rundfunksender RTBF und „Le Soir“ übereinstimmend berichteten, konnte Herausforderer Hollande in allen Übersee-Departements außer auf der kleinen Insel Saint-Barthelemy deutlich mehr Stimmen für sich verbuchen.
APA/EPA/Guillaume HorcajueloFrancois Hollande wählte in Tulle und zeigte sich demonstrativ gut gelauntÜberseegebiete bereits ausgezählt
In Guadeloupe erreichte er demnach 71,9 Prozent der Stimmen. Die sozialistische Kandidatin Segolene Royal hatte 2007 dort 51 Prozent bekommen. Sarkozy fiel den Angaben zufolge von damals 49 auf jetzt 28 Prozent zurück. In Martinique verbesserte Hollande das Ergebnis von Royal von damals 60 auf 68 Prozent. Sarkozy fiel dagegen von 39 auf 31 Prozent. In Saint-Pierre et Miquelon schnitt Hollande ebenfalls besser ab und erreichte 65 Prozent (Royal: 61 Prozent). Der konservative Sarkozy fiel von 39 auf 35 Prozent.
Bei den Zahlen, die in Frankreich nicht vor 20.00 Uhr veröffentlicht werden dürfen, handelt es sich laut belgischen Medien um endgültige Auszählungsergebnisse. Knapp 900.000 der rund 46 Millionen wahlberechtigten Franzosen in den Überseegebieten durften bereits am Samstag abstimmen.
Auch Auslandsfranzosen für Hollande
Was den Rest des amerikanischen Kontinents anlangt, so erfreute sich Hollande demnach auch einer breiten Zustimmung unter den dort ansässigen Auslandsfranzosen: Laut den Angaben gewann er die Wahl in den kanadischen Städten Montreal (57,74 Prozent) und Toronto (51 Prozent), wo die Linke noch nie gesiegt hatte. In Peru erhielt der Sozialist 55 Prozent der Stimmen, in Argentinien 51,7 Prozent, in Kolumbien 58,82 Prozent und in Honduras 56 Prozent.
Sarkozy und Hollande betont entspannt
Sarkozy und Hollande zeigten sich bei der Stimmabgabe betont entspannt. Jovial lächelnd, Hände schüttelnd und Küsschen verteilend erschien Hollande gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Valerie Trierweiler in einem öffentlichen Gebäude seines Wahlkreis Tulle (Zentralfrankreich). Während sie in der Wahlkabine verschwand, genoss er sichtlich die aufmunternden Worte seiner Anhänger. Bei der Stimmabgabe ließ er sich ausgiebig fotografieren und signierte ein Hochzeitsfoto, das ihm eine Wählerin reichte. Strahlend und demonstrativ gut gelaunt suchte er anschließend das Bad in der Menge.
Auch sein Kontrahent Sarkozy zeigte sich demonstrativ lächelnd bei der Stimmabgabe zu Mittag. Er wählte im vornehmen 16. Pariser Arrondissement in Begleitung seiner Frau Carla Bruni-Sarkozy. Wie auch Hollande genoss er sichtlich die Ermunterungen seiner Anhänger, bevor er seinen Stimmzettel in die Urne gleiten ließ. Beide Kandidaten vermieden jede öffentliche Erklärung nach der Stimmabgabe.
AP/Michel EulerSarkozy wählte im 16. Pariser Arrondissement, wie sein Gegner Hollande begleitet von enormem MedieninteresseVorsprung Hollandes vor der Wahl zurückgegangen
In den letzten Tagen vor der Wahl hat sich der Vorsprung Hollandes in den Umfragen verkleinert. Im konservativen Lager ging man deshalb zuletzt von einem Kopf-an-Kopf-Rennen aus. Er erwarte ein „50:50-Ergebnis“, sagte Premierminister Francois Fillon der Zeitung „Le Figaro“. „Das wird sich an einigen hunderttausend Stimmen entscheiden.“
Hollande erklärte nach Angaben des „Le Parisien“, dass er 52 Prozent der Stimmen bereits als großen Erfolg ansehen würde. „Schon 50,5 bedeuten den Sieg“, sagte der Sozialist, der in Umfragen bisher mit 54 bis 57 Prozent gehandelt worden war.
Linke geschlossen hinter Hollande
Kaum einzuschätzen, doch möglicherweise wahlentscheidend, ist das Verhalten der Anhänger jener Kandidaten, die im ersten Wahlgang ausgeschieden sind. Die erste Runde am 22. April hatte Hollande mit weniger als zwei Prozentpunkten Vorsprung gewonnen. Hollande hatte über die Grenzen Frankreichs hinaus vor allem mit der Forderung nach einer Neuverhandlung des europäischen Fiskalpakts für Aufmerksamkeit gesorgt. Statt der Sparmaßnahmen fordert er angesichts der Finanzkrise ein Wachstumsprogramm.
Er kann mit den Stimmen der extremen Linken und der Umweltschützer rechnen, die im ersten Wahldurchgang etwa 14,5 Prozent der Stimmen erhielten. Alle Linkskandidaten riefen dazu auf, bei der Stichwahl für den Sozialisten zu stimmen, keiner der in der ersten Runde ausgeschiedenen Kandidaten sprach sich dagegen für Sarkozy aus.
Sarkozy blickt auf Front-National-Anhänger
Mit Blick auf die Wähler der Rechtsextremen Marine Le Pen, die als Parteichefin der Front National (FN) in der ersten Runde auf knapp 18 Prozent gekommen war, hatte Sarkozy in der Schlussphase seines Wahlkampfs stark auf die nationale Karte gesetzt. Wenige Stunden vor Beginn der Stichwahl stilisierte er sich zum Opfer einer gewissen Form von „Rassismus und Intoleranz“ und kritisierte das „politisch-mediale System“ scharf.
Zugleich appellierte Sarkozy an seine Anhänger, alle Kräfte zu mobilisieren. Hollande wiederum warnte angesichts der letzten Umfragen seine Anhänger davor, zu glauben, das Rennen sei bereits gelaufen. Die ersten offiziellen Hochrechnungen soll es am Abend um 20.00 Uhr nach Schließung der letzten Wahllokale geben. Bis dahin dürfen nach französischem Gesetz keine Prognosen verbreitet werden. Wie bei vorangegangenen Wahlen wurde das Verbot von französischsprachigen Medien in Belgien oder der Schweiz unterlaufen.
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Publiziert am 06.05.2012