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Vom Schülervertreter zum Parteichef

Er ist jung, dynamisch und gilt als ein Senkrechtstarter der griechischen Linken. Alexis Tsipras (37) kann sich als eigentlicher Sieger der Parlamentswahl am Sonntag feiern lassen. Denn unter seiner Führung wurde das Bündnis der Radikalen Linken (SYRIZA) zweitstärkste Kraft im Parlament. Nun erhielt er sogar von Präsident Karolos Papoulias den Auftrag zur Regierungsbildung.

Bisher hatten die Traditionsparteien Nea Dimokratia und PASOK das Rennen immer unter sich ausgemacht. Doch diese wurden nun für ihren rigiden Sparkurs abgestraft. Sollte Tsipras wirklich eine Koalition auf die Beine stellen und diese anführen, wäre er der jüngste Regierungschef in der Geschichte Griechenlands.

Buntes Bündnis

Allerdings verfügt der 37-Jährige offenbar über genug realistische Selbsteinschätzung, um nicht selbst Ministerpräsident werden zu wollen. Vielmehr gingen Beobachter davon aus, dass er einem der erfahrenen politischen Schwergewichte aus einer der anderen linken Parteien den Vortritt lassen würde.

Tsipras startete seine politische Laufbahn als Schülervertreter in den 1990er Jahren und stieg schnell bis an die Spitze der Partei der ehemaligen „Eurokommunisten“ auf. 2004 wurde er zum SYRIZA-Präsidenten gewählt. In dem Bündnis finden ehemalige Euro-Kommunisten, Trotzkisten, Maoisten, Autonome und linke Gruppierungen aus der Gewerkschaftsbewegung ein politisches Dach. Anders als bei den dogmatischen Kommunisten setzt sich die Wählerschaft der SYRIZA eher aus gebildeten Jungen der Mittelschicht zusammen. Die Vereinigung sieht sich selbst als Schwesterpartei der deutschen Partei Die Linke.

Gegen „Barbarei der Sparprogramme“

Die dramatische Verschlechterung des Lebensstandards in Griechenland und die drastischen Sparprogramme trieben Tsipras’ Partei die Wähler in Scharen zu. Tsipras sprach sich gegen die „Barbarei der Sparprogramme“ in Europa aus. Viele ehemalige Wähler der sozialdemokratischen PASOK, des Wahlsiegers von 2009, zog es weiter nach links. Damit straften sie die PASOK auch für jahrzehntelange Korruption und Misswirtschaft ab.

Als Star der Linken hat Tsipras viele Gesichter. Einmal spricht er wie ein Kommunist und wünscht die Verstaatlichung der Produktionsmittel des Landes. Dann präsentiert er sich wie der US-Menschenrechtler Martin Luther King und spricht von seinem Traum, dass alle Griechen eines Tages gleiche Rechte genießen.

Umstrittene Pläne

Tsipras kann in seinem Urteil gnadenlos und auch untergriffig sein. So beleidigte er die beiden Führer der bisher regierenden Traditionsparteien der Konservativen und Sozialisten als „politische Gauner“. Nach dem Willen von Tsipras soll Griechenland in der EU und in der Euro-Zone bleiben und die Banken verstaatlichen. Gleichzeitig will er, dass die Pensionen wieder erhöht und die Schulden nicht beglichen werden. Doch wie das genau funktionieren soll, ohne dass die Geldgeber dem Krisenland den Hahn abdrehen und die Staatspleite droht, hat er bisher nicht erklärt.

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