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Mehr als 370 Verletzte
Zunächst hatten staatliche Stellen 40 Toten gemeldet. Unter den beiden Sprengsätzen, die im morgendlichen Berufsverkehr detonierten, sei mindestens eine Autobombe gewesen. Diese seien an einem Geheimdienstgebäude im Süden der Hauptstadt explodiert, gegen das sich in der Vergangenheit bereits mehrere Anschläge gerichtet hatten.
Metertiefer Krater
Wie ein Journalist der Nachrichtenagentur AFP aus Damaskus berichtete, wurden durch die Sprengsätze mehrere Autos auf einer Schnellstraße zerstört und die Fassaden der umliegenden Gebäude schwer beschädigt oder zum Teil eingerissen. Die Explosionen hinterließen einen metertiefen Krater. Riesige Rauchsäulen stiegen empor. Das Staatsfernsehen zeigte verkohlte Leichen. Rettungskräfte und Anwohner bargen die Leichen aus den Autos. „Ist das die Freiheit, die ihr wollt?“, rief ein Mann. Die Bilder von den Anschlagsorten im staatlichen TV erinnerten an die zahlreichen blutigen Anschläge im Irak.
Das Staatsfernsehen machte wie gewohnt „Terroristen“ für die Anschläge verantwortlich. Diese hätten ihre Bomben gezündet, als zahlreiche Menschen auf dem Weg zur Arbeit und in die Schule gewesen seien. Die meisten Opfer seien Zivilisten. Der Syrische Nationalrat als wichtigstes Oppositionsbündnis erklärte dagegen, das „Regime“ wolle mit den Anschlägen die internationalen Beobachter der Waffenruhe einschüchtern. Zugleich nutze es die Taten, um bewaffnete Gruppen und Al-Kaida verantwortlich zu machen.
UNO-Beobachter besuchen Tatorte
Der Leiter der UNO-Beobachtermission, Robert Mood, begab sich an den Anschlagsort und forderte ein Ende der Gewalt. Er appelliere an alle, dazu beizutragen, die Gewalt zu beenden, teilte der norwegische General mit.
Die Beobachtungsstelle für Menschenrechte sprach von den „gewalttätigsten“ Anschlägen in Syrien seit Beginn der Revolte gegen Präsident Baschar al-Assad vor mehr als einem Jahr. In den vergangenen Monaten hatte es wiederholt blutige Anschläge in Damaskus gegeben. Zuletzt waren am 27. April elf Menschen bei einem Selbstmordanschlag vor einer Moschee getötet worden.
Annan warnt vor Bürgerkrieg
Erst vor zwei Tagen hatte der Syrien-Sondergesandte von UNO und Arabischer Liga, Kofi Annan, an die Weltgemeinschaft appelliert, das Land nicht in einen Bürgerkrieg abgleiten zu lassen. Zwar habe das Militär seine Aktivitäten etwas eingeschränkt, aber das Ausmaß der Gewalt sei noch immer nicht hinnehmbar, sagte der ehemalige UNO-Generalsekretär am Dienstag in Genf.
Annan, der den Weltsicherheitsrat in New York per Video über die Lage in Syrien informierte, warnte eindringlich vor einem möglichen Scheitern des von ihm vermittelten Friedensplans: „Wenn er ohne Erfolg bleibt und ein Bürgerkrieg ausbricht, beträfe es nicht nur Syrien, sondern hätte enorme Auswirkungen auf die gesamte Region.“
IKRK: Kämpfe wie in Bürgerkrieg
Nach Einschätzung des Roten Kreuzes haben die Kämpfe in einigen Landesteilen den Charakter eines Bürgerkriegs. Der Chef des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), Jakob Kellenberger, erklärte, die Gewalt in Homs und Idlib habe im Laufe des Jahres die drei Kriterien seiner Organisation für einen derartigen Konflikt erfüllt: Intensität, Dauer und der Organisierungsgrad der Rebellen.
Allerdings gelte das nicht für das ganze Land, sagte er der Nachrichtenagentur Reuters. Die Einteilung ist von juristischer Bedeutung, weil sich nach internationalem Recht in einem Bürgerkrieg für beide Parteien gewisse Pflichten ergeben.
Kellenberger bat zudem um mehr Unterstützung für die Arbeit des IKRK in Syrien. Die Zahl der hilfsbedürftigen Menschen habe dort sehr stark zugenommen, sagte er vor Journalisten. Dies sei nicht nur eine Folge der Kämpfe, sondern auch der Isolierung des Landes durch die internationalen Sanktionen.
Links:
- UNO
- IKRK
- The Syrian Revolution 2011 (Facebook)
- Aufstand in Syrien (Wikipedia)
Publiziert am 10.05.2012