Janukowitsch: Streit über Timoschenko „geht vorbei“

Der ukrainische Präsident Viktor Janukowitsch hat den Konflikt mit der EU über die in der Haft erkrankte Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko nach Tagen des Schweigens als „vorübergehend“ bezeichnet. Der Fall sei politisiert, aber das gehe vorbei, sagte Janukowitsch heute in Kiew.

Zu den schweren Verstimmungen mit der EU bemerkte der umstrittene Staatschef, beide Seiten hätten Ende März ein Assoziierungsabkommen paraphiert. „Die Pause, die nun eingetreten ist, hat für uns beide ihren Nutzen“, so Janukowitsch, der als größter Rivale der Oppositionspolitikerin Timoschenko gilt.

Die EU kritisiert den Umgang mit der Oppositionsführerin scharf. Aus Protest bleiben die EU-Kommission und Spitzenpolitiker vieler EU-Länder im Juni den Spielen der Fußball-Europameisterschaft in der Ex-Sowjetrepublik fern.

Vorwürfe an Krankenhaus

Die vom Gefängnis in Charkow in eine örtliche Klinik verlegte Timoschenko ließ unterdessen mitteilen, dass sie die Behandlung durch Ärzte der Berliner Klinik Charite persönlich bezahle. Behauptungen, dass die deutsche Regierung oder der ukrainische Staat dafür aufkommen müssten, seien eine Provokation, sagte ihr Anwalt Sergej Wlassenko.

Wlassenko kritisierte die Leitung des Krankenhauses in Charkow. Das Personal halte Lebensmittel zurück und verhindere damit, dass der deutsche Neurologe Lutz Harms die 51-Jährige aus einem dreiwöchigen Hungerstreik herausführen könne, sagte der Verteidiger. Das Krankenzimmer von Timoschenko nannte er „alles andere als Luxus“.

Publiziert am 11.05.2012