Boykott von Fußball-EM in Ukraine: EU-Außenminister uneins

Die Europäische Union (EU) verschärft die Gangart gegen die Ukraine. Aus Protest gegen die Menschenrechtslage legten die EU-Außenminister bei ihrem Treffen gestern ein geplantes Assoziierungsabkommen auf Eis. Sie berieten auch über einen gemeinsamen Boykott der Fußball-Europameisterschaft im kommenden Monat in der Ukraine, konnten aber keine gemeinsame Linie finden.

Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton sagte bei einer Pressekonferenz, dass eine Entscheidung über die Entsendung von Regierungsvertretern in die Ukraine unter anderem in der Hoffnung auf Fortschritte bei den heute auf dem Programm stehenden Gesprächen auf Staatsebene aufgeschoben worden sei.

Europäische Politiker kritisieren den Umgang der ukrainischen Regierung mit der inhaftierten Oppositionspolitikerin Julia Timoschenko. Sie wurde wegen Amtsmissbrauchs zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt, sie selbst bezeichnet das Urteil als politisch motiviert. Die Ukraine ist gemeinsam mit Polen Gastgeber der Fußball-EM im Juni und Juli. Der Fall belastet wenige Wochen vor Beginn des Turniers die Beziehungen des Westens zur Ukraine. Die EU-Kommission hatte Anfang Mai angekündigt, die Spiele in der Ukraine geschlossen zu boykottieren.

USA fordern Timoschenkos Freilassung

Die USA dringen unterdessen auf eine sofortige Freilassung von Timoschenko und weiterer Oppositioneller. „Die Verurteilung von Frau Timoschenko und anderer Mitglieder ihrer Partei ist unzulässig“, sagte der US-Botschafter in Kiew, John F. Tefft, nach einem Besuch bei Timoschenko in einer Klinik in der Stadt Charkow.

Publiziert am 14.05.2012