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Ehrwürdiger Glanz zum Geburtstag
Auch wenn Festivalleiter Thierry Fremaux ankündigte, dass die bedeutendsten Filmfestspiele neuen Ideen gegenüber offen sein müssten, wirkt es angesichts des Aufgebots doch eher so, als würde man vor allem der eigenen Geschichte treu bleiben. Besonders ein Aspekt sticht dabei hervor: Keine einzige Frau geht als Regisseurin in den Wettbewerb um die Goldene Palme.
„Welch glücklicher Zufall“
Ausgelöst wurde die Sexismusdebatte von einer Gruppe prominenter Filmemacherinnen aus Frankreich, die in einem in der französischen Zeitung „Le Monde“ veröffentlichten Brief die Nominierungspolitik des Festivals kritisierten. „Alle 22 Filme im Wettbewerb stammen, welch glücklicher Zufall, von Männern“, heißt es darin.
Dass Frauen an der Croisette nie ganz vorne mitmischen, ist nicht neu. Die Nominierungen in den vergangenen Jahren waren überschaubar, und erst einmal ging der Hauptpreis an eine Regisseurin: 1993 gewann Jane Campion für „Das Piano“ die Goldene Palme. Fremaux verteidigte laut BBC die Auswahl, für deren Longlist er verantwortlich zeichnet - man würde eben „niemals einen Film auswählen, der es nicht verdient hätte, nur weil er von einer Frau stammt“.
TV-Hinweis
ORF eins berichtet in „kultur.montag“ am Montag um 22.30 Uhr ausführlich von den ersten Tagen des Festivals - mehr dazu in tv.ORF.at.
Altbekannte Männer im Wettbewerb
Neben der Tatsache, dass in diesem Jahr ausschließlich Produktionen von Männern im Wettbewerb zu sehen sind, stammen heuer fast alle Beiträge von Filmschaffenden, die in Cannes keine Unbekannten, sondern seit Jahren eng mit dem Festival verbunden sind. Dazu gehören nicht nur Ken Loach, der an der Croisette schon mehrere Preise gewann, sondern auch der Iraner Abbas Kiarostami, der französische Altmeister Alain Resnais, der Kanadier David Cronenberg - und auch Michael Haneke.
Der Österreicher triumphierte vor drei Jahren mit „Das weiße Band“ in Cannes, die damalige Juryvorsitzende Isabelle Huppert spielt nun in „Amour“, einem intimen, auf Französisch gedrehten Porträt eines älteren Ehepaars, die Tochter von Jean-Louis Trintignant und Emmanuelle Riva. Ein großer Rummel ist an der Cote d’Azur nicht geplant, mit einem gemütlichen Essen soll die Premiere am Sonntag begangen werden.
Ein „Paradies“ nach Seidl
Seidl hingegen thematisiert in „Paradies: Liebe“ die Ausbeutung Afrikas durch Europa, dargestellt an einer älteren weißen Frau, die sich in Kenia einen jungen Liebhaber nimmt. Seidls Premierenfeier wird bereits am Freitag in einer Woche stattfinden.
Die österreichische Präsenz hält sich abseits von den Filmen selbst in Grenzen: Die Austrian Film Commission ist wie immer auf dem Filmmarkt präsent, die österreichischen Film Commissions werben mit einem Zelt für internationale Dreharbeiten in Österreich. Doch die Politik gibt sich ungewohnt zurückhaltend: Kulturministerin Claudia Schmied und Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (beide SPÖ) werden nach bisheriger Planung nicht an Ort und Stelle sein.
Möglicherweise hat man sich nach den Erfolgen der vergangenen Jahre schon ein bisschen an die Erfolgsmeldungen gewöhnt: In Deutschland dagegen wäre die Freude über einen Wettbewerbsbeitrag größer. German Films wird am Montag (21.) dennoch einen großen Empfang abhalten.
Staraufgebot auf dem roten Teppich
Wie zu dem Empfang haben sich zum gesamten Festival unzählige Stars zum glamourösesten Filmfest der Welt angekündigt: Brad Pitt, Robert Pattinson und Nicole Kidman werden ihre Filme vorstellen. Reese Witherspoon, Gary Oldman, Kristen Stewart und Kylie Minogue stehen ebenfalls auf den Gästelisten. Schon beim Eröffnungsfilm „Moonrise Kingdom“ von Wes Anderson werden am Mittwoch Bruce Willis, Bill Murray und Tilda Swinton für ein aufgeregtes Blitzlichtgewitter auf dem roten Teppich sorgen. Festivalleiter Fremaux scheint auch in diesem Bereich im Jubiläumsjahrgang auf Altbewährtes zu setzen.
Bis zum 27. Mai lockt das Festival mit starker US-Präsenz sowie politischem Kino aus Europa: Brad Pitt gibt in dem Gangsterstück „Killing Them Softly“ einen Ermittler auf Rachefeldzug. In der Romanverfilmung „Cosmopolis“ kämpft „Twilight“-Star Robert Pattinson weiter gegen sein Vampirimage und lässt sich als gefühlskalter Multimillionär durch Manhattan treiben.
Der Italiener Matteo Garrone („Gomorrha“) dagegen erzählt eine Satire über den Wahn der Menschen, im Reality-Fernsehen auftreten zu wollen, und Ken Loach nimmt sich erneut einer Geschichte über Menschen am Rande der Gesellschaft an. Alles in allem ein Geburtstag mit großen Namen und strahlender Prominenz - ein „Happy Birthday“ von Marilyn inklusive.
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Publiziert am 16.05.2012