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„Verfrüht, Schlüsse zu ziehen“
Als wahrscheinlichste Absturzursache gilt derzeit menschliches Versagen, wobei sich zuletzt die Hinweise verdichteten, dass bei dem Demonstrationsflug ein zu riskantes Manöver gewagt wurde. Am Samstag wurde jedenfalls bestätigt, dass der Pilot unmittelbar vor dem Absturz beim Kontrollturm um Erlaubnis ersucht hatte, auf eine tiefere Flugbahn zu gehen. Demnach erlaubte der Kontrollturm in Jakarta dem Piloten, die Suchoi-Maschine von einer Flughöhe von 3.000 Metern auf 1.800 Meter abzusenken.
APA/EPA/Subali AhmadWrackteile am UnglücksortNach Angaben des indonesischen Verteidigungsministeriums habe der Pilot den an Bord befindlichen Vertretern der Luftfahrtindustrie und Journalisten offenbar eine Militärbasis zeigen wollen. Der Pilot habe sich demnach der Militärbasis Atang Senjaya genähert, so der Luftfahrtdirektor des Verteidigungsministeriums, Herry Bakti: Was danach passierte, sei noch unklar.
„Angeben“ vor potenziellen Kunden
Der Luftfahrtexperte Tom Ballantyne schloss in diesem Zusammenhang ein ungewöhnliches Flugmanöver nicht aus. Piloten würden auf Demonstrationsflügen manchmal „Dinge tun, die sie normalerweise nicht tun“, sie wollten dann oft „angeben“, sagte der in Sydney ansässige Experte. Das Überfliegen von markanten Landschaften oder Bauwerken gehöre dazu. „Potenziellen Kunden zeigt man gerne, wie das Flugzeug mit einer bestimmten Geschwindigkeit steigen oder sinken kann.“ Die Gefahr solcher „Spaßflüge“ sei durch den Superjet-100-Crash nun mehr als deutlich geworden, so die indonesische Zeitung „Jakarta Globe“.
Spekulationen über Anschlag
Spekuliert wird aber auch über andere Unglücksursachen. „Ein paar der unglücklichen Passagiere hatten während des Fluges ihre Handys aktiv gelassen“, zitierte etwa die „Welt“ aus einen indonesischen Zeitungsbericht, laut dem Signale von Mobiltelefonen die Kommunikation mit dem Tower gestört haben könnten, was schließlich auch zum Absturz geführt haben soll.
Der russische Senator Alexander Torschin wollte zudem nicht ausschließen, dass das neue Prestigeobjekt der russischen Luftfahrtindustrie Ziel eines Sabotageakts gewesen sein könnte. Mit Blick auf den harten Konkurrenzkampf im internationalen Flugzeuggeschäft könne es sich auch um einen von langer Hand geplanten Anschlag gehandelt haben, so Toschin gegenüber der Nachrichtenagentur Interfax.
Laut Suchoi-Chef Michail Pogossjan sei es jetzt noch zu früh, Schlüsse über die Absturzursache zu ziehen. Ein technischer Defekt gelte aber als unwahrscheinlich, da der technische Zustand des Flugzeuges vor dem Flug tadellos gewesen sei, so Pogossjan laut RIA Nowosti. Dutzende Mitarbeiter des Konzerns untersuchen in Indonesien den Unglücksfall. Der Superjet 100 galt als große Hoffnung der russischen Luftfahrtindustrie. Mit der Mittelstreckenmaschine will Suchoi in den internationalen Markt für Passagierflugzeuge vorstoßen und der kriselnden russischen Luftfahrtbranche neuen Schwung verleihen.
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Publiziert am 16.05.2012