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Neuer Eklat um Pfarrer-Initiative?
„Unser Weg ist der des ernst gemeinten Dialogs und des beharrlichen sachlichen Gesprächs und nicht der des Aufrufs zum Ungehorsam“, sagte ZdK-Präsident Alois Glück. Willkommen ist Schüller hingegen beim Alternativprogramm, das kirchliche Reformgruppen organisieren. Am Samstag wird er an einer Podiumsdiskussion mit dem vielversprechenden Titel „Kirchenreform für Anfänger: Strategien zwischen Dialog und Widerstand“ teilnehmen.
Wohl auch aufgrund des Medieninteresses ist der „ungehorsame“ Pfarrer aber auch zuvor schon Teilnehmer der offiziellen Abschlusspressekonferenz. Die österreichische Pfarrer-Initiative fordert neben ökumenischen Eucharistiefeiern auch das Priesteramt für Frauen und Verheiratete.
„Kontroverse Diskussion angeschoben“
„Das hat schon internationale Relevanz, was da aus Österreich kommt“, bestätigt Sigrid Grabmeier von „Wir sind Kirche“ Deutschland im Gespräch mit der APA: „Das springt schon über.“ Schüller habe nicht zuletzt durch sein „Spiegel“-Interview in Deutschland eine „kontroverse Diskussion angeschoben“. Die Reaktion des Zentralkomitees auf die Gerüchte, Schüller werde beim Katholikentag selbst auftreten, versteht Grabmeier nicht. „Eigentlich hätte man gar nichts sagen brauchen.“ So habe ZdK-Präsident Glück auch noch Werbung für die alternative Veranstaltung gemacht.
„Kampfwort vom Ungehorsam“
Aber nicht nur rebellische, auch „gehorsame“ Geistliche aus Österreich werden nach Mannheim reisen. Als offizieller Vertreter der Bischofskonferenz wird der Salzburger Erzbischof Alois Kothgasser entsandt. Der Pastoraltheologe Paul Zulehner wird an den Diskussionen teilnehmen. Er sagte erst vor kurzem via Kathpress, das „Kampfwort vom Ungehorsam“ habe mittlerweile „ausgedient“.
Das ZdK rechnet in den fünf Tagen mit mehr als 50.000 Dauer- und Tagesgästen. Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) und der Erzbischof der gastgebenden Diözese Freiburg, Robert Zollitsch, werden die Teilnehmer des Katholikentreffens auf dem Marktplatz begrüßen.
Merkel nimmt teil
Im Mittelpunkt des 98. Katholikentags soll der kirchliche, gesellschaftliche, ökologische und politische Wandel stehen. Die Gläubigen sollen mit Fachleuten und Politikern diskutieren, unter anderen hat sich die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) angemeldet.
„Ein neuer Aufbruch“
„Einen neuen Aufbruch wagen“ lautet das Motto des Deutschen Katholikentags, der von Mittwoch bis Sonntag in Mannheim stattfindet.
Kritik an verkrusteten Kirchenstrukturen ist beim Katholikentag zwar möglich, allzu weit sollten die Änderungswünsche aber wohl nicht gehen. Glück sagte dazu während eines Besuchs bei der römischen Kurie dem Sender Radio Vatikan: „Alles, was in Österreich die Menschen bewegt, werden wir auch diskutieren, aber ohne Aufruf zum Ungehorsam.“
„Revoluzzer“ Drewermann tritt auf
Solche Aufrufe könnten jedoch sehr wohl außerhalb der offiziellen Veranstaltungen im parallelen Alternativprogramm zu hören sein. Auch der Auftritt des von der katholischen Kirche verfemten Theologen Eugen Drewermann steht nicht im 600 Seiten starken Katholikentagsprogramm. Organisatoren der Alternativveranstaltungen sind unter anderem die „Initiative Kirche von unten“ und die Kirchenvolksbewegung „Wir sind Kirche“.
Über die kirchen- und gesellschaftspolitischen Diskussionen hinaus soll der Katholikentag auch ein buntes Glaubensfest mit 1.200 Einzelveranstaltungen werden. Rund um dem Mannheimer Wasserturm werden Gottesdienste, Tanzworkshops, Konzerte und Ausstellungen angeboten.
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Publiziert am 16.05.2012