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Bombe in Menschenmenge gezündet

Ein Selbstmordattentat im Jemen auf einem Platz in der Hauptstadt Sanaa unweit des Präsidentenpalasts hat Dutzende Tote und Verletzte gefordert. Nach wie vor gibt es widersprüchliche Angaben zu den Opferzahlen.

Während die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf Militärangaben und Krankenhausinformationen von 96 Toten und fast 300 Verletzten berichtete, berief sich Reuters auf Polizeikreise, die 63 getötete Menschen und Dutzende Verletzte bestätigten.

Hatte es zuvor geheißen, hauptsächlich Schüler und Studenten seien getötet worden, hieß es später, die Opfer seien Armeeangehörige, die für die Militärparade, die unter Anwesenheit von Präsident Abd Rabbu Mansur Hadi abgehalten hätte werden sollen, geprobt hatten. Der Attentäter hatte sich in einer Militäruniform unter die Menge auf einem Platz unweit des Präsidentenpalastes gemischt. Unter der Uniform hatte er den Sprengstoff versteckt.

Jemenitische SpurensicherungAPA/EPA/Yahya ArhabDie Behörden bei der Beweissischerung nach dem Anschlag

Die Sicherheitslage im Jemen ist äußerst labil. So kam es verstärkt zu Angriffen von Islamisten, seit Hadi nach monatelangen Protesten gegen den langjährigen Herrscher Ali Abdullah Saleh im Februar die Macht übernommen hatte.

Jemenitische SpurensicherungAPA/EPA/Yahya ArhabDas Gelände wurde abgeriegelt

Dutzende Tote bei Gefechten am Wochenende

Die Auseinandersetzungen zwischen den Aufständischen und der Armee gingen auch am Wochenende weiter. Bei Kämpfen und Luftangriffen kamen allein am Samstag mindestens 34 Menschen ums Leben. Bei einer Offensive gegen Aufständische im Süden des Landes seien 22 Al-Kaida nahestehende Personen und zwölf jemenitische Soldaten getötet worden, berichteten Regierungsvertreter. Die Kämpfe in der Nähe der von Islamisten kontrollierten Stadt Dschaar hätten am Freitag begonnen und auch am Samstag angehalten. Die USA hätten den Einsatz mit Drohnen unterstützt.

Al-Kaida aus Laudar vertrieben

Im Jemen müssen Al-Kaida-Terroristen Städte wieder aufgeben, die sie in den vergangenen Monaten erobert hatten. Regierungssoldaten und lokale Bürgerwehren hätten die Terroristen Ende letzter Woche aus der Stadt Laudar vertrieben, meldeten unabhängige jemenitische Medien. Augenzeugen berichteten, die letzten Kämpfer von Ansar al-Scharia, einem lokalen Ableger von Al-Kaida, seien aus Laudar in die Stadt Sakra geflüchtet. In Laudar hätten die Menschen daraufhin auf den Straßen gefeiert.

Während der Kämpfe im Bezirk Laudar waren in den vorangegangenen Tagen nach Informationen des Nachrichtensenders al-Arabija etwa 60 Soldaten, Terroristen und Angehörige von Bürgerwehren ums Leben gekommen. Es wird erwartet, dass die Regierungstruppen ihren Feldzug gegen die Al-Kaida-Kämpfer in der südlichen Provinz Abidschan demnächst in der Stadt Dschaar fortsetzen. Nach Informationen aus der Hauptstadt Sanaa kontrollieren die Terroristen derzeit noch etwa 20 Prozent von Abidschan.

Eigene Gerichtsbarkeit eingerichtet

Die Terroristen hatten das Machtvakuum ausgenutzt, das mit Beginn des Machtkampfes zwischen Anhängern und Gegnern von Saleh im vergangenen Jahr entstanden war. Sie brachten mehrere Städte in den südlichen Provinzen unter ihre Kontrolle. Dort richteten sie „Scharia-Gerichte“ ein und vollstreckten mehrere Todesurteile.

Al-Kaida-Anführer Aiman al-Sawahiri hatte die Jemeniten vorige Woche in einer Videobotschaft aufgefordert, Hadi zu stürzen. Experten sind jedoch der Auffassung, dass der Ägypter Sawahiri weniger Einfluss auf den lokalen Ableger von Al-Kaida im Jemen hat als einst Osama bin Laden, dessen Familie ihre Wurzeln in dem südarabischen Land hat.

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Publiziert am 21.05.2012