Themenüberblick

Schweden gilt als Favorit

Die Finalisten für den Eurovision Song Contest 2012 stehen fest. Am Donnerstag kamen im zweiten Halbfinale von 18 Kandidaten wieder zehn in die nächste Runde. Die schon im Vorfeld favorisierte Schwedin Loreen ist dabei. Auch die Beiträge aus Serbien, der Ukraine, Bosnien und Herzegowina, Litauen, Mazedonien, Norwegen, Estland, Malta und der Türkei werden am Samstag in Baku zu sehen sein.

Für Mazedonien, die Niederlande, Weißrussland, Portugal, Bulgarien, Slowenien, Kroatien, Georgien und die Slowakei ist die Reise am Donnerstag zu Ende gegangen. Zuvor gab es für das Publikum wieder über zwei Stunden Song Contest - von skurril bis emotional und ohne Scheu, auch einmal in die Haut eines Indianers oder Mönchs zu schlüpfen.

Serbien und Mazedonien sind dabei

Den Auftakt machte Serbien mit dem erprobten Song-Contest-Veteran Zeljko Joksimovic. Er setzte im klassischen Anzug mit „Nije Ljubav Stvar“ diesmal auf symphonische Balladentöne und galt schon im Vorfeld als Fixstarter für das Finale - nicht zuletzt dank reger Unterstützung seiner Nachbarländer. Er konnte sich für das Finale platzieren.

Auch Kaliopi aus Mazedonien, die schon als Kind erste Preise erzielte, mit dem melancholischen „Crno I Belo“, schaffte es mit ihrer nachdrücklichen Stimme ins Finale.

Indianerkostüm ohne Chancen

Im Indianerkostüm stand die 22-jährige Joan Franka mit „You and Me“ auf der Bühne. Ihre Stimme konnte offenbar nicht überzeugen. Mit dem Lied, das an Cowboy-und-Indianer-Kinderspiele erinnert und über eine Sandkastenfreundschaft erzählt, schieden die Niederlande noch im Halbfinale aus.

Bühnenshow von Joan Franka aus HollandAPA/EPA/Ilvy NjiokiktjienJoan Franka aus den Niederlanden versuchte es mit Indianerkostüm

Ob der Ex-Steward Kurt Calleja aus Malta mit seinen harmlosen Elektrorhythmen „This is The Night“ Erfolg hat, das Publikum zu überzeugen, war keine sichere Sache. Er schaffte es letztlich mit seiner Band und singt am Samstag noch einmal.

Rockiges Duo aus Weißrussland

Weniger harmonisch ging es bei den Weißrussen Dimitri und Wladimir Kariakin in Kettenhemden-ähnlichen Kostümen mit ihrem „We Are The Heroes“ zu. Sie probierten es bereits viermal vergeblich, beim Song Contest teilzunehmen. Beim fünften Mal haben sie es geschafft - mit einer durchaus rockigen Nummer. Ins Finale schafften sie es nicht. Dadurch konnte ein diplomatischer Eklat vermieden werden. Denn Deutschland hatte schon angekündigt, den Song Contest im Fall eines Siegs von Weißrussland zu boykottieren.

Mit einem melancholischeren Fado suchte die portugiesische Sängerin Filipa Sousa, in eleganter Robe, mit „Vida Minha“ ins Finale zu kommen. Die 27-Jährige wurde dabei von einer fünfköpfigen Sängercrew unterstützt, geschafft hat sie es aber trotzdem nicht.

„Musiker und Sportler sind freie Menschen“

Richtig südlich ging es bei Gaitana aus der Ukraine zu. Mit der Strandhymne „Be My Guest“ brachte sie mit ihrer bunten Show fast sommerliches Feeling auf die Bühne. Sie konnte es durchaus mit Griechenland, Zypern und Rumänien aufnehmen.

Bühnenshow von Gaitana aus der UkraineAPA/dpa/Jörg CarstensenGaitana aus der Ukraine überzeugte mit ihrem Partylied

Die Sängerin mit Kopfschmuck aus rosa Rosen hatte sich noch vor ihrem Auftritt gegen einen Boykott der Fußball-Europameisterschaft ausgesprochen: „Sport, Musik und Politik sind völlig unterschiedliche Dinge. Es ist dumm, das alles zu vermengen.“ Musiker und Sportler seien freie Menschen. „Ich denke, dass die Musik die Welt auch zum Besseren verändern kann. Meine Lieder haben Worte, die das Herz berühren und die Leute vielleicht dazu bringen, Gutes zu tun.“ Sie erreicht jedenfalls mit ihrer „Partyeinladung“ zur Fußball-Europameisterschaft das Finale.

Disco punktet nicht

Die fetzige Disconummer „Love Unlimited“ mit knappem Outfit brachte die Bulgarin Sofi Marinova, die statt Musikerin eigentlich Schneiderin werden sollte, aber trotzdem nicht ins Finale.

Auch die 16-jährige Eva Boto aus Slowenien, die jüngste Teilnehmerin, schaffte es mit „Verjamem“ nicht. Sie war dabei von Sängerinnen in weißen, engelsgleichen Kleidern begleitet worden. Sie selbst trug ein üppig gerüschtes „Blumen“-Kleid.

Auch aus dem ex-jugoslawischen Raum, diesmal aus Kroatien, versuchte sich Nina Badric, in dezentem Schwarz, mit ihrem Lied „Nebo“ durchzusetzen. Als bekannter Star in der Region sollte sie versuchen, das sonst beim Song Contest mäßig erfolgreiche Kroatien nach vorne zu bringen. Gelungen ist ihr das nicht. Kroatien verpasste den Finaleinzug.

Loreen positionierte sich politisch

Überzeugen konnte die schwedische Sängerin Loreen mit marokkanischen Wurzeln, die schon zuvor als Fixstarterin für das Finale gegolten hatte. Ihren fast mystischen Song „Euphoria“ präsentierte sie mit starker Bühnenpräsenz alleine - ohne Sänger- oder Tänzer-Unterstützung.

Sie war auch die einzige Teilnehmerin, die sich politisch positioniert und mit Menschenrechtsaktivisten getroffen hatte. Die aserbaidschanische Regierung hatte sich daraufhin gegen eine „Politisierung“ des Song Contests gewehrt. Ein Vertreter des Präsidentenbüros forderte die verantwortliche European Broadcasting Union (EBU) auf, solche „politisierte Aktionen“ zu unterbinden.

Bühnenshow vom als Mönch verkleideten Anri Jokhadze aus Georgiendapd/AP/Sergey PonomarevAnri Jokhadze blieb nicht lange hinter seiner Mönchskutte verborgen

Mönch mit leicht bekleideten Tänzerinnen

Als erster Mann aus Georgien wurde Anri Jokhadze von seinem Land zum Song Contest geschickt. Er wanderte mit „I’m A Joker“ von einem Stil und einer Kultur zur nächsten, startete zurückhaltend in Mönchskutte, war aber kurz darauf schon umgeben von leicht bekleideten Tänzerinnen. Er schaffte es, acht Lieder in eines zu verpacken, den Einzug ins Finale erreichte er nicht.

Ungewöhnlich war auch der Beitrag aus der Türkei. Can Bonomo zählt zur jüdischen Minderheit in seinem Land. Das Lied „Love Me Back“ ist von Klezmerklängen durchzogen. Seine Background-Tänzer legten akrobatische und - mit grauen Umhängen - schauspielerische Leistungen vor. Belohnt wurde das mit dem Ticket für das Finale

Der frühere Kinderstar Ott Lepland aus Estland, der schon mit 24 Jahren seine Biografie veröffentlichte, ging es mit seinem selbst geschriebenen „Kuula“ ruhig an und wird auch am Samstag singen. Er galt eigentlich nicht als Fixstarter für das Finale.

Bühnenshow von Max Jason Mai aus der SlowakeiAPA/dpa/Jörg CarstensenDer Beitrag aus der Slowakei erinnerte an Metallica

Hardrock beim Song Contest

An Metallica hingegen erinnerte der Slowake Max Jason Mai bei dem Lied „Don’t Close Your Eyes“. Der blonde Sänger, mit dunkel geschminkten Augen, brachte den für den Song Contest ungewöhnlich harten Beitrag, unterstützt von Bass, Schlagzeug und Gitarre. Als einer der wenigen versuchte er, direkt mit dem Publikum Kontakt aufzunehmen. Das dankte es ihm aber nicht. Seine Band und er schieden aus.

Der TV-Fahrplan zum Song Contest

25. Mai: „Willkommen Baku - Stermann & Grissemanns Song Contest Guide 2012“ um 22.30 Uhr in ORF eins

26. Mai: Das große Finale live ab 21.00 Uhr in ORF eins und FM4 - davor um 20.15 Uhr „Heinzl am Song Contest“

Die Übertragungen sowie zahlreiche weitere Sendungen rund um den Song Contest werden auf tvthek.ORF.at als Video-on-Demand bereitgestellt.

Auch der iranisch-stämmige Norweger Tooji, auch Prinz aus Persien genannt, hatte unter den Buchmachern mit dem orientalischen „Stay“ zu den Favoriten gezählt. Mit seinem von viel Tanz begleiteten und leicht ins Ohr gehenden Beitrag konnte er auch tatsächlich für das Finale punkten. Er überzeugte aber weniger mit der guten Stimme als mit Augenaufschlag und orientalischen Rhythmen.

Punkten mit der Liebe

Die Singer-Songwriterin Maya Sar aus Bosnien-Herzegowina sinnierte wieder ganz ruhig in „Korake ti znam“ über die Liebe. Sie war schon einmal als Background-Sängerin beim Song Contest, nun versuchte sie ihr Land alleine am Mikrophon und am Klavier zu vertreten und schaffte es. Sie vertritt ihr Land im Finale am Samstag.

Überraschungskandidat im Finale ist auch Donny Montell aus Litauen. Auch er vertraute bei seinem Lied auf die Liebe. Dreimal ist er bei der Vorausscheidung schon angetreten. Heuer durfte er nun sein Land vertreten. Den Inhalt seines Liedes „Love is blind“ setzte er gleich in die Tat um. Er zeigte sich anfangs im dunklen Anzug und mit schwarzer Augenbinde auf der Bühne. Sein emotionaler Auftritt konnte Zuseher und Jury letztlich auch überzeugen.

Links:

Publiziert am 26.05.2012