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Was sich für Bankkunden ändert

Bereits mit 1. Jänner 2013 stellen Österreichs Kreditinstitute auf die 20-stelligen internationalen Kontonummern (IBAN) um - und damit ein Jahr vor der von der EU vorgegebenen Deadline. Konsumentenschützer sehen die vorzeitige Einführung kritisch und fordern mehr Informationen für die Kunden.

Hintergrund der Umstellung ist die Vereinheitlichung des europäischen Zahlungsverkehrsraums. Bereits seit 2008 wird in einem Mammutprojekt der Finanzverkehr von insgesamt 32 europäischen Ländern (27 Mitglieder der Europäischen Union plus der Schweiz, Liechtenstein, Norwegen, Island und Monaco) harmonisiert. Der bisherige Fleckerlteppich an nationalen Zahlungssystemen wird von den über 4.400 europäischen Banken durch den neuen gemeinsamen Standard SEPA (Single Euro Payments Area) ersetzt.

Während die technische Umrüstung der Bankensysteme für die Kunden bisher weitgehend unbemerkt verlief, brachte SEPA auch erste unmittelbare Nutzen. So wurde die Bearbeitungsdauer von Überweisungen EU-weit auf einen Werktag verkürzt und der gesamte Euro-Zahlungsverkehr kann nun über ein Konto bei einer beliebigen Bank in der EU abgewickelt werden.

Österreicher im „Glück“

Als letzter und für den Kunden einschneidendster Schritt der Harmonisierung werden nun die bisherigen elfstelligen Kontonummern durch die längeren internationalen Kontonummern ersetzt. Insgesamt 400 Millionen Einwohner, die jährlich 71,5 Milliarden elektronischer Zahlungen vornehmen, sind von der Umstellung betroffen. Je nach Land kann die International Bank Account Number (IBAN) maximal 34 Stellen aufweisen. Eine österreichische IBAN besteht aus 20 Stellen und ist damit vergleichsweise kurz - sie ist auf jedem Kontoauszug beziehungsweise online bei den Kontodaten zu finden.

IBAN, die Schreckliche?

In deutschen Medien war in Bezug auf die Buchstaben-Zahlen-Kombination von „IBAN, der Schrecklichen“ zu lesen. Der IBAN-Code besteht, genau besehen, jedoch großteils aus bereits jetzt bei Überweisungen benötigten Zahlen - mit dem großen Unterschied, dass diese nun in einer Kolonne zusammengefasst sind. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, beim Abschreiben oder Eintippen des Buchstaben-Zahlen-Codes Fehler zu machen.

Nur die vorderen vier Stellen sind neu. Die ersten beiden Stellen sind mit Buchstaben besetzt und geben an, in welchem Land das Konto geführt wird. Die Länderkennung für österreichische Konten ist immer AT. Darauf folgt eine zweistellige Prüfziffer, die Fehlüberweisungen vermeiden soll. Sie wird mit einer komplexen Formel aus Bankleitzahl und Kontonummer errechnet. Dann kommt immer die fünfstellige bisherige Bankleitzahl, gefolgt von der elfstelligen bisherigen Kontonummer (inklusive Nullen).

Muster einer Zahlungsanweisung

APA/OeNB

Fehler im Ausland kann teuer werden

Zweck der Prüfziffer ist, bei der Verarbeitung der IBAN die Richtigkeit der nachfolgenden Ziffern (Bankleitzahl und Kontonummer) zu überprüfen. Damit bemerkt das Onlinebanking eventuelle Tippfehler bei der Eingabe des IBAN frühzeitig und kann den Bankkunde darauf aufmerksam machen - und so Fehlüberweisungen verhindern.

Vertippt man sich aber und gibt dabei zufällig den richtigen IBAN eines anderen Kontoinhabers ein, kann auch die Prüfziffer nicht helfen. Dann bleibt nur die Rückabwicklung der Überweisung. Bei fehlerhaften Inlandsüberweisungen wird das kostenlos durchgeführt, Fehlüberweisungen ins Ausland können hingegen teuer werden, eventuelle Gebühren der ausländischen Bank werden dem Kunden 1:1 weiter verrechnet.

Eine weitere Neuerung im Zahlungsanweisungsformular ist die „Zahlungsreferenz“ anstelle des bisherigen Feldes „Kundendaten“. Es kann in Zukunft bis zu 35 Stellen lang sein. Nur wenn keine Zahlungsreferenz angegeben wird, wird der Verwendungszweck (bis zu 140 Zeichen) ausgelesen. Eine Übertragung beider Felder ist nicht möglich.

BIC-Buchstabenmix

Der BIC (Business Identifier Code oder auch SWIFT-Code) entspricht der bisherigen Bankleitzahl und ist die weltweit eindeutige Kurzbezeichnung einer Bankfiliale. Der Code hat entweder acht oder elf Stellen, ist aber im Gegensatz zum IBAN für den Normalkunden selbst bei genauem Hinschauen nicht herleitbar.

Der BIC der Bank Austria heißt etwa BKAUATWW, die Erste Bank firmiert unter dem BIC GIBAATWW, die BAWAG hat den BIC BAWAATWW. Des Gedächtnistrainings nicht genug kann der achtstellige Allgemein-BIC einer Bank noch um drei Stellen verlängert werden und bezeichnet dann die genaue Filiale des Kreditinstituts wie zum Beispiel RZOOAT2L680 für die Raiffeisenbank Wels.

Um die Nerven der Kunden nicht noch weiter zu strapazieren und da der IBAN ja bereits die Bankleitzahl enthält, hat die EU festgelegt, dass die Angabe des BICs bei Inlandszahlungen nicht nötig ist. Ab Februar 2016 sollen auch Geldtransfers innerhalb Europas ohne BIC durchgeführt werden können.

Erlagschein wird zur Zahlungsanweisung

Mit Jahresende 2012 - und damit ein Jahr früher als von der EU verlangt - stampfen einige heimische Kreditinstitute die altbekannten Erlagscheine ein und ersetzen diese durch das neue SEPA-Zahlungsanweisungsformular auf dem der IBAN angegeben werden muss. Alte Erlagscheine bleiben aber gültig und müssen bis Ende Jänner 2014 ebenfalls noch angenommen werden.

Die Banken begründen den frühen Start mit einer möglichst reibungslosen Umstellungphase. Man wisse aus Erfahrung, dass mindestens ein Jahr notwendig sei, um alle alten Erlagscheinformulare aus den Reserven zu verbrauchen, so Erste-Sprecherin Karin Berger gegenüber ORF.at. Warte man bis zum letztmöglichen Zeitpunkt, könnte es dazu kommen, dass man bestimmte Belege nicht mehr durchführen könne.

Daueraufträge bleiben gültig

Außerdem kann die alte Kontonummer noch bis Februar 2016 im nationalen Zahlungsverkehr genutzt werden. Wird statt IBAN also noch aus Gewohnheit die alte Kontonummer in der neuen Zahlungsanweisung ausgefüllt, kommt das Geld trotzdem an.

Auch bestehende Daueraufträge und Lastschriften bleiben gültig. Miete, Versicherung und Zeitungsabonnement müssen von den Kunden nicht händisch erneuert bzw. geändert werden, sondern werden von den Banken automatisch auf das neue SEPA-System umgestellt.

Erst 20 Prozent SEPA-Überweisungen

SEPA-Überweisungen und -Lastschriften können rein technisch bereits seit Jahren durchgeführt werden. Ein Rundruf von ORF.at unter den großen heimischen Kreditinstituten ergab, dass alle Banken bereits SEPA-Zahlungsanweisungen anbieten und durchführen.

Doch die Akzeptanz von IBAN und BIC verlief bisher mehr als schleppend. Erst 20 Prozent der Überweisungen und fünf Prozent der Lastschriften werden in Österreich nach dem neuen EU-Standard ausgeführt. In der EU liegt der Durchschnitt bei Überweisungen bei 27 Prozent, erst wenige Länder wie Luxemburg und Finnland haben die Umstellung schon komplett vollzogen. Als Hauptgrund für die zaghafte Adaption galt lange Zeit das Fehlen eines verpflichtenden Umstellungsdatums. Der letztmögliche Umstellungszeitpunkt wurde erst Anfang dieses Jahres von der EU mit dem Stichtag 1. Februar 2014 fixiert.

Die Höhe der Investitionen in die SEPA-Umstellung ist ein gut gehütetes Geheimnis. Es kann aber von enormen Kosten in Millionenhöhe ausgegangen werden. Doch die EU geht von einem großen Einsparungspotenzial für Banken, Firmen und Privatpersonen aus. Mehr als 120 Milliarden Euro sollen binnen sechs Jahren dank wegfallender Gebühren gespart werden.

Beate Macura, ORF.at

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