Vatikan: Keine Intrigen im Umfeld des Papstes
Im Skandal um den Diebstahl geheimer Dokumente hat der Vatikan den Eindruck zurückgewiesen, in der Umgebung von Papst Benedikt XVI. herrschten Intrigen und Machtkämpfe. „Ich kann eine solche Atmosphäre nicht feststellen“, sagte der stellvertretende Staatssekretär, Angelo Becciu. Auch aus den Veröffentlichungen der gestohlenen Dokumente des Papstes lasse sich ein solcher Eindruck nicht ableiten.
„Viele Dokumente enthüllen keine Machtkämpfe und Racheakte, sondern eine Freiheit des Denkens“, sagte der Erzbischof in einem Interview des „L’Osservatore Romano“ (Onlineausgabe), das die Vatikan-Zeitung gestern veröffentlichte. „Wir (im Vatikan) sind keine Mumien, sondern vertreten unterschiedliche Ansichten.“
Der Papst sei vom Diebstahl der Dokumente schmerzlich betroffen. „Die Veröffentlichung der Briefe war ein unmoralischer und äußerst schwerwiegender Akt“, so Becciu. Der Kammerdiener des Papstes, Paolo Gabriele, soll geheime Dokumente gestohlen haben, die dann veröffentlicht wurden.
Fünf Kardinäle befragt
Spekuliert wird, dass er nicht die einzige undichte Stelle im Fall „Vatileaks“ ist. Dem 46 Jahre alten Familienvater wird schwerer Diebstahl vorgeworfen. In den vergangenen Monaten waren aus dem Vatikan mehrfach Enthüllungen an die Medien durchgesickert.
Fünf Kardinäle wurden von der Kommission befragt, die vom Papst zur Klärung der Affäre eingesetzt wurde, berichtete die römische Tageszeitung „La Repubblica“. Gegen die Kardinäle laufen jedoch keine Ermittlungen. Die Kommission will klären, wer der Auftraggeber im Enthüllungsskandal sei. Weitere Festnahmen in der Affäre werden im Vatikan nicht ausgeschlossen.
„Der Papst verfolgt eine Strategie der vollen Transparenz. Er ist sich der heiklen Situation bewusst, die die römische Kurie erlebt“, so der vatikanische Pressesprecher ,Pater Federico Lombardi, nach Angaben italienischer Medien.
Publiziert am 29.05.2012