Betriebsübergang kostet 100 Millionen
Bis Samstagmitternacht mussten die Piloten und Flugbegleiterinnen der AUA (Austrian Airlines) entscheiden, ob sie bei der AUA bleiben und den umstrittenen Betriebsübergang auf Tyrolean mitmachen - oder aber den Konzern verlassen. Wie die AUA am Sonntag mitteilte, verlassen 120 Piloten und 221 Flugbegleiter die Airline.
Ein AUA-Pilot hat es sich offenbar in letzter Sekunde doch noch anders überlegt. Wie die AUA Sonntagfrüh ergänzend mitteilte, habe ein Pilot die Kündigung noch zurückgezogen, in ersten Meldungen war von 121 Abgängen die Rede gewesen. Die AUA teilte zugleich mit, den Sommerflugplan unverändert zu lassen. Man könne den Abgang ohne Einschränkungen verkraften.

APA/Helmut Fohringer
Albrecht rechnet mit 100 Mio. Euro Kosten für den Betriebsübergang
Auflösung der Teilzeitarbeit bei Tyrolean
Vorstandschef Jaan Albrecht drückte aber sein Bedauern über die Selbstkündigungen aus. „Es tut mir leid, dass einige Mitarbeiter die Abfertigung einer guten Zukunft bei Austrian Airlines vorziehen“, so Albrecht in der Mitteilung. „Die große Mehrheit der Mitarbeiter hat aber Ja zu Austrian gesagt. Und das freut mich.“ Insgesamt beschäftigt die Gruppe (AUA/Tyrolean) rund 1.000 Piloten und mehr als 2.000 Flugbegleiter.
Einer internen AUA-Rechnung zufolge drohen ab einem Abgang von 113 Piloten Flugausfälle, hatte es im Vorfeld geheißen. Für einen Ersatz der abgehenden Bord-Mitarbeiter setzt die AUA bereits an mehreren Stellen an. Dazu gehörte die Auflösung der Teilzeitarbeit bei Tyrolean, die Umschulung von Piloten auf andere Flugzeuge, und auch der stärkere Einsatz von Führungskräften, da ausgebildete Piloten ja zum Teil in anderen Managementfunktionen eingesetzt sind.
Neueinstellungen im nächsten Jahr
Im Sommer sollen auch Flugzeuge samt Crews von der Lufthansa eingesetzt werden. Im Winter ist der AUA-Flugplan wie bei allen anderen Airlines dünner. Da hofft die AUA mit der nunmehr reduzierten Flug-Belegschaft ohne Ersatz aus Deutschland problemlos fliegen zu können.
Den jetzigen Abgang von 341 Mitarbeitern wird die AUA nur bis Jahresende ohne Neuaufnahmen wegstecken. „Für die Vorbereitung für nächsten Sommer brauchen wir dann neue Piloten und Flugbegleiter. Wir werden nächstes Jahr wieder neue Mitarbeiter anstellen“, sagte AUA-Sprecher Peter Thier am Sonntag zur APA.
Abfertigung von bis zu 39 Monatsgehältern
Albrecht geht davon aus, dass der mit 1. Juli anberaumte Flugbetriebsübergang von Austrian auf Tyrolean rund 100 Mio. Euro kostet, inklusive der Abfertigungen nach den Selbstkündigungen von Piloten und Flugbegleitern. Die AUA hat immer argumentiert, dass die in den (gescheiterten) Verhandlungen vom Betriebsrat vorgeschlagenen Lösungen 60 Millionen mehr gekostet hätten.
Im „profil“ bestätigt Albrecht die Rechnungen: „Ein länger dienender Kapitän hat einen Abfertigungsanspruch von bis zu 39 Monatsgehältern, also im Höchstfall 550.000 Euro. Unser Angebot war eine Abschlagszahlung von durchschnittlich 320.000 Euro für jeden bleibenden Altkapitän, der Betriebsrat forderte 480.000 Euro. Insgesamt hätte das 160 Millionen Euro gekostet. So viel Geld haben wir einfach nicht.“
„Hätte Geld lieber an alle verteilt“
Auf die Summe von 100 Millionen angesprochen meinte Albrecht, „wenn Sie mich fragen: Ich hätte lieber die 105 Millionen an alle Mitarbeiter mit Ansprüchen aus dem alten System verteilt, als das Geld nur jenen zu geben, die das Unternehmen nicht mehr länger begleiten wollen. Da hätten 600 Kollegen profitiert statt der 120, die uns laut derzeitigem Stand verlassen werden.“
AUA-Defizit
Die AUA ist seit Jahren in den roten Zahlen. 2011 schrieb sie einen Verlust von 62 Mio. Euro. 2012 wird ein weiteres Minus erwartet. Im Zuge des Sparpakets muss die AUA die Kosten um rund 220 Mio. Euro senken - vor allem die Personalkosten.
Zu den am Muttertag eskalierten „Unfit to fly“-Meldungen von AUA-Piloten räumte Albrecht ein, dass so eine Situation jeden belaste. „Dass sich von 1.000 AUA-Piloten in dieser Stresssituation hier und da einer krankmeldet, kann ich verstehen. Normalerweise würde das auch gar nicht ins Gewicht fallen. Aber mit Stichtag 1. Juli werden uns rund 120 Piloten verlassen. Um uns darauf vorzubereiten, müssen wir andere Piloten umschulen. Die sitzen derzeit im Simulator und können daher nicht einspringen, wenn eine Crew ausfällt. Das war auch der Grund, warum vor drei Wochen rund um den Muttertag 24 AUA-Flüge ausgefallen sind.“
2013 wieder mit Gewinn?
In der „Kronen Zeitung“ sagt Albrecht, die Zahl der Abgänge liege in etwa im Rahmen der Erwartungen. Zum Stand der Kostensenkungen meinte der AUA-Chef im „profil“: "Wir haben ein Maßnahmenpaket im Ausmaß von 263 Millionen Euro beschlossen. Das bedeutet bei einem Umsatz von 2,1 Milliarden Euro eine Kostensenkung zwischen elf und 15 Prozent. Der Beitrag der Personalkostensenkung an den 263 Millionen Einsparungen beträgt 45 Millionen, aber dann bleiben immer noch stolze 180 Millionen.
Die kommen aus anderen strategischen Überlegungen wie etwa der Flottenbereinigung. Wir haben sowohl Boeing- als auch Airbus-Maschinen auf der Mittelstrecke, was keinen Sinn macht und Kosten verursacht. Das ist eine Altlast der Lauda-Übernahme." Nach dem aktuellen Sparpaket wird es heuer weiter Verluste geben. 2013 werde die AUA wieder mit Gewinn fliegen, so Albrecht in der „Krone“. Die Sparmaßnahmen wirkten sich erst ab Mai und Juni aus, manche auch noch etwas später. Aber die jüngsten Zahlen stimmten zuversichtlich. Die AUA hofft laut Vorstand Karsten Benz zudem, bald die offizielle Nachricht von der Regierung über die Absenkung der Ticketsteuer zu bekommen.
Albrecht: Übergang juristisch kein Problem
Von der Gewerkschaft wird die AUA unterdessen mit Klagen eingedeckt - darunter etwa auf Nichtigkeit der Zwangsauslagerung. Arbeitnehmervertreter ziehen auch gegen schlechtere Arbeitsbedingungen vor Gericht. Juristisch sieht Albrecht bei dem Übergang keine Probleme. Gutachten von Juristen würden zeigen, dass das „ein machbarer Weg“ sei. Verhandlungen mit dem Betriebsrat stünden aber weiter auf der Tagesordnung.
Der Betriebsübergang auf die Tyrolean ohne einen gültigen Kollektivvertrag sei kein dauerhafter Zustand. Albrecht: „Wir wollen einen neuen Kollektivvertrag, und den werden wir auch aushandeln.“ Die Lufthansa will jedenfalls weiter an der AUA festhalten. „Wären wir nicht überzeugt, dass die AUA den Turnaround schafft, hätten wir alle Chancen gehabt, die AUA fallen zu lassen“, erklärte Lufthansa-Vorstand Carsten Spohr im „Standard“-Interview (Samstag-Ausgabe).
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