Verwirrspiel um Wagner-Konzert in Israel dauert an

Das verwirrende Hin und Her um das erste große Wagner-Konzert in Israel nimmt kein Ende. Ein nach einer ersten Absage geplantes Ersatzkonzert am 16. Juni im Hilton-Hotel in Tel Aviv soll nun doch nicht stattfinden, wie Hotel-Sprecher Motti Verses heute bestätigte. Zu dem Hintergrund wollte er sich nicht äußern.

Nach heftigen Protesten von Holocaust-Überlebenden hatte schon die Universität Tel Aviv ein ursprünglich zwei Tage später geplantes Konzert abgesagt. Der Dirigent Asher Fisch kündigte daraufhin an, die Aufführung solle nun stattdessen im Kongressraum des Hilton-Hotels stattfinden. „Hier wird es kein Wagner-Konzert geben“, sagte Hilton-Sprecher Verses jedoch. Der Veranstalter des historischen Konzerts, Jonathan Livny, wollte sich zunächst nicht zu den neuen Entwicklungen äußern.

Nach mehr als sieben Jahrzehnten des Boykotts wollten israelische Musiker dem deutschen Komponisten Richard Wagner (1813 - 1883) erstmals einen ganzen Konzertabend widmen. Viele Israelis leisten bis heute erbitterten Widerstand gegen die öffentliche Aufführung von Wagners Werken, weil sie ihn wegen seiner antisemitischen Positionen und seiner Beliebtheit während des NS-Regimes ablehnen. Ein 1938 ausgesprochener Boykott wurde mehrmals gebrochen, es gab jedoch nie ein vollständiges Sinfoniekonzert mit seinen Werken.

Publiziert am 10.06.2012