Themenüberblick
18 spanische Banken herabgestuft
Die Lage auf den Anleihemärkten trübte sich für Spanien und Italien am Dienstag weiter ein. Die Renditen ihrer Staatsanleihen - Gradmesser für das Misstrauen der Investoren gegenüber den Ländern - stiegen auf kritische Werte. Die Rendite für spanische Staatsanleihen mit einer Restlaufzeit von zehn Jahren kletterte wieder über die Marke von 6,5 Prozent. In Italien stieg der Zins über die Schwelle von 6,0 Prozent. Die Renditen in Spanien nähern sich damit wieder dem Niveau von Herbst 2011 an, als die Schuldenkrise mit dem Übergreifen auf Kernländer wie Frankreich vor der Eskalation stand.
Auf Kursfeuerwerk folgt Ernüchterung
Die erhoffte Beruhigung der erst am Wochenende angekündigten Hilfsgelder für Spaniens Banken war lediglich von kurzer Dauer. Nachdem die Ankündigung milliardenschwerer Finanzhilfen für Spanien noch für ein Kursfeuerwerk an den Börsen sorgte, macht sich mittlerweile wieder deutliche Ernüchterung breit. Nach Ansicht von Analysten der deutschen Commerzbank sei „das Kalkül aus Brüssel, dass die Finanzmärkte Spanien wieder günstiger Geld zur Verfügung stellen, wenn Madrids Hauptproblem - der problematische Bankensektor - entschärft ist, nicht aufgegangen“.
Bankvolkswirte wiesen zudem darauf hin, dass viele Fragen offen seien. Als strittig gilt etwa, welcher der beiden Rettungsschirme - der EFSF oder der noch nicht installierte ESM - für die Hilfen aufkommen soll. Hiervon hängt ab, inwieweit Inhaber spanischer Staatsanleihen von der Bankenrettung betroffen sind. Zudem erhöhen die Finanzhilfen die Staatsverschuldung Spaniens.
Gespannte Blicke auf Griechenland
Spanien hatte am Wochenende angekündigt, den maroden Bankensektor mit Finanzhilfen aus dem Euro-Rettungsschirm stabilisieren zu wollen. Auf den Finanzmärkten war die Freude darüber aber schon am Montag wieder verpufft. Es gebe noch zu viele ungeklärte Details, sagte ein Händler. Zudem fürchteten Investoren, dass nun auch das hoch verschuldete Italien wieder verstärkt ins Visier der Märkte rücken könnte. Dazu kommt die bevorstehende Wahl in Griechenland, die de facto bereits als Entscheidung über den Verbleib des Landes in der Euro-Zone gewertet wird.
Zentrales Thema ist seit Wochenbeginn aber, ob nach Spanien nun auch Italien zur Stabilisierung seiner Wirtschaftslage Hilfsgelder aus dem Euro-Rettungsschirm benötigt. Als schlechtes Omen wurden zuletzt etwa die jüngsten Zahlen des italienischen Statistikamtes (ISTAT) gewertet, wonach die Wirtschaft des Landes in den ersten drei Monaten des Jahres um 0,8 Prozent im Vergleich zum Vorquartal schrumpfte - der drastischste Rückgang seit drei Jahren.
Experten zeigten sich in diesem Zusammenhang einig, dass eine Rettungsaktion für Italien den Rahmen des Euro-Rettungsschirm sprengen könnte. Dennoch rechnete etwa der Europaexperte der Raiffeisen Bank International, Valentin Hofstätter, im Ö1-Mittagsjournal mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent, dass Italien eine Art von Hilfe braucht - mehr dazu in oe1.ORF.at.
Fitch: Italien steht besser da als Spanien
Eine erste Entwarnung kam am Dienstag von der Ratingagentur Fitch, deren Analysten derzeit keinen Hilferuf aus Italien erwarten. Konkret befinde sich Land in einem besseren Zustand als Spanien und sei „viel näher an einer nachhaltigen makroökonomischen Position“, so der Chef für die Länderanalyse bei Fitch, Ed Parker. Auch habe Italien nur ein kleines Haushaltsdefizit und ein viel geringeres Leistungsbilanzdefizit als Spanien. Zudem seien die italienischen Banken wesentlich robuster als die spanischen Geldhäuser.
Note „A-“ für Italien
Fitch bewertet die Kreditwürdigkeit Italiens derzeit mit „A-“. Die spanische Bonität wird hingegen um zwei Noten schlechter mit „BBB“ bewertet.
Kritisch betrachtet wird allerdings nach wie vor Italiens Gesamtschuldenstand. Zudem gibt es laut Parker nur einen sehr geringen Spielraum, um weitere negative Schocks zu verkraften. Der italienische Staat sei sehr vom Zinssatz auf den Märkten abhängig, der derzeit sehr hoch sei. Dieser liege über dem nominalen Wirtschaftswachstum, so dass die Marktentwicklung die Wirkung einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung auf die Kreditwürdigkeit haben könnte.
Dennoch geht Fitch im Hauptszenario davon aus, dass Italien keine Hilfe von außen braucht. Sollte die Zinsen wieder sinken, brauche Italien im kommenden Jahr kaum weitere haushaltspolitische Konsolidierung mehr zu betreiben, zeigte sich Parker überzeugt. Das Haushaltsdefizit sei bereits niedrig, und die Staatsverschuldung werde sich dann stabilisieren oder gar zurückgehen.
Schlechteres Rating für Bankia & Co.
Mit der Herabstufung weiterer Institute zeigt sich Fitch unterdessen mit Blick auf die spanischen Geldhäuser weiter skeptisch. Nachdem die Agentur bereits die Kreditwürdigkeit der beiden Schwergewichte Banco Santander und BBVA gesenkt hatte, stufte Fitch am Dienstag 18 Sparkassen herab. Betroffen vom Rundumschlag ist auch das angeschlagene viertgrößte Geldinstitut des Landes Bankia. Das aus Sparkassen hervorgegangene Institut benötigt für eine Sanierung eine Kapitalzufuhr von 23,5 Milliarden Euro. Fitch senkte die Kreditwürdigkeit von Bankia um eine Note von „BBB+“ auf „BBB“. Der Ausblick für das Rating sei negativ. Es droht also eine weitere Herabstufung.
Die Herabstufung der Banken steht in direktem Zusammenhang mit der Abstufung Spaniens. Es stehe zu befürchten, dass sich das Kreditportfolio einiger Banken weiter verschlechtert, argumentierte Fitch. Besonders Banken, die dem Bau- oder Immobilienmarkt ausgesetzt sind, seien gefährdet. Fitch hatte die Bonität des krisengeschüttelten Landes erst in der vergangenen Woche um drei Stufen gesenkt.
Warnung von EZB und Weltbank
Die Schuldenkrise bedroht nach Einschätzung der Europäischen Zentralbank die Finanzstabilität im Euro-Raum. Die Weltbank warnte in ihrer neuen Konjunkturprognose sogar vor einer globalen Finanzkrise.
Links:
Publiziert am 13.06.2012