Bericht: Olympia-Attentäter arbeiteten 1972 mit Neonazis

Deutsche Neonazis haben vor 40 Jahren Hilfe für die palästinensischen Olympia-Attentäter von München geleistet. Das gehe aus Akten des Bundesamts für Verfassungsschutz (BfV) hervor, die der Inlandsgeheimdienst auf Antrag des „Spiegels“ freigab, und über die das Magazin heute vorab aus seiner neuen Ausgabe berichtete.

Wichtigster Hinweis auf die Verbindungen war demnach ein Fernschreiben, das die Dortmunder Kriminalpolizei im Juli 1972 - rund sieben Wochen vor dem Anschlag - an das BfV geschickt habe.

Darin heiße es, dass sich Saad Walli, ein Mann „arabischen Aussehens“, konspirativ mit dem deutschen Neonazi Willi Pohl getroffen habe, der gegenüber seinem damaligen Arbeitgeber mit Kontakten zum radikalen Flügel der Palästinensischen Befreiungsorganisation PLO geprahlt habe. Saad Walli war ein Deckname des palästinensischen Terroristen Abu Daud, des Drahtziehers des Olympiaanschlags.

Keine Hinweise auf Eingreifen der Behörden

In den 2.000 Seiten Unterlagen finden sich laut „Spiegel“ keine Hinweise darauf, dass die von der Dortmunder Polizei informierten Landeskriminalämter, das Bundeskriminalamt oder der Verfassungsschutz etwas unternommen hätten, um Daud zu finden.

So habe der Palästinenser in Deutschland offenbar unbehelligt den Angriff auf das olympische Dorf vorbereiten können. Der Neonazi habe Abu Daud nicht nur einen im Fälschen von Pässen und anderen Dokumenten versierten Gefolgsmann vermittelt, sondern ihm auch anderweitig geholfen.

Publiziert am 17.06.2012