Griechen können auf Sparaufschub hoffen

In der Euro-Zone wächst die Bereitschaft, die Sparschraube in Griechenland ein wenig zu lockern. An Nachverhandlungen führe kein Weg vorbei, da sich die Umsetzung des Reformprogramms beachtlich verzögert habe, sagte ein hochrangiger Vertreter der Euro-Zone gestern in Brüssel. Zudem werde die neue Regierung unter Führung der konservativen Neuen Demokratie Änderungen fordern. „Wenn wir nicht nachverhandeln, machen wir uns Illusionen“, sagte er.

Auch in der deutschen Regierung ist das strikte Nein von Kanzlerin Angela Merkel zu Änderungen am Sparplan nicht unumstritten. Die FDP brachte erneut Zugeständnisse beim Zeitplan ins Gespräch. Die Vermögensverwalter der Deutschen Bank haben dagegen trotz des Wahlsiegs der Sparbefürworter den Glauben an eine Rettung verloren und bereiten sich auf den Euro-Austritt Griechenlands vor.

Regierungsbildung könnte sich verzögern

Die Bildung einer neuen Regierung in Athen könnte sich noch etwas verzögern. Der voraussichtliche neue Ministerpräsident, ND-Chef Antonis Samaras, will bei EU, IWF und EZB mehr Zeit zum Defizitabbau durchsetzen. Statt der vereinbarten zwei will er vier Jahre Zeit bekommen, um das Finanzloch von mindestens 11,7 Mrd. Euro zu stopfen. Der Chef der größten Oppositionspartei, das radikale Linksbündnis, Alexis Tsipras sagte der Nachrichtenagentur Reuters, er sehe sich in seinem Widerstand gegen das Sparpaket durch die Diskussion über Änderungen bestätigt.

Der Chef der sozialdemokratischen Pasok, Evangelos Venizelos, sagte: „Griechenland muss und wird so bald wie möglich eine Regierung haben.“ Eigentlich sollte die Regierung schon heute stehen. Venizelos zufolge könnte sie morgen gebildet werden. Dann wolle seine Partei auch entscheiden, in welcher Form sie sich an der Regierung beteilige. Sie wird voraussichtlich neben der Neuen Demokratie und der Pasok auch von der gemäßigten Demokratischen Linken getragen werden. Deren Chef Fotis Kouvelis sagte: „Ich glaube, wir werden bis zum Ende der Woche eine Einigung erzielt haben.“

Publiziert am 19.06.2012