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Protest zwingt adidas in die Knie

Plastikfußketten an einem neuen Turnschuhmodell des deutschen Sportartikelriesen adidas haben im Internet eine Protestlawine ausgelöst. Die Fußfesseln würden an Sklaverei erinnern, brachten wütende Konsumenten ihren Ärger auf Facebook, Twitter und anderen Websites zum Ausdruck. Selbst der prominente US-Bürgerrechtskämpfer Jesse Jackson schaltete sich in die hitzig geführte Debatte ein.

Der Sneaker „JS Roundouse Mid“, der im August in den USA auf den Markt hätte kommen sollen, wurde von dem US-Designer Jeremy Scott entworfen. Im Juni zeigte adidas ein Bild des Turnschuhs auf seiner Facebook-Seite, wie Medien berichten. „Verschärfe Deinen Style mit Sneakers so heiß, dass man sie am Knöchel festbinden muss“, wurden die Schuhe beworben.

Facebook-User verurteilen „Sklavenschuhe“

Statt des erhofften Ansturms auf die Turnschuhe wurde die Kampagne für adidas zum PR-Desaster: Die Ketten erinnerten viele an die Fußfesseln, mit denen in den USA früher Sklaven unterjocht wurden. Mehr als 3.000 Facebook-User kommentierten den Eintrag - der Großteil davon wenig schmeichelhaft. Als „rassistische Sklavenschuhe“ wurden die Turnschuhe bezeichnet. Warum sollte jemand freiwillig Fußfesseln tragen wollen?, fragt ein User.

Designer Jeremy Scott

AP/Matt Sayles

Designer Jeremy Scott ließ sich nach eigenen Angaben von einer Spielzeugpuppe mit orangefarbenen Handfesseln inspirieren

„Wie würde sich eine jüdische Person fühlen, wenn sich Nike dazu entschließt, Schuhe mit einem Hakenkreuz herauszubringen, und behaupten würde, im Namen der Mode wäre das in Ordnung?“, heißt es von einem anderen empörten Kommentator. Adidas mache sich „Rassismus, Hass, Unterdrückung und das Böse zu eigen“, schimpft ein anderer Facebook-Nutzer.

„Kommerzialisierung menschlicher Erniedrigung“

Zahlreiche US-Medien griffen die Debatte daraufhin auf, und selbst der bekannte Bürgerrechtler Jackson brachte seine Empörung zum Ausdruck: „Der Versuch, mehr als 200 Jahre menschlicher Erniedrigung zu kommerzialisieren, ist entsetzlich und gefühllos“, schrieb Jackson in der Huffington Post. Die „Sklavenschuhe“ seien abscheulich.

Adidas entschuldigt sich

Der Protest zeigte Wirkung: Inzwischen verschwand das Modell von der Website und der Facebook-Seite des Anbieters. Während der deutsche Konzern anfangs sein Schuhmodell noch verteidigt hatte, folgte am Dienstag der völlige Rückzug. Der Schuh habe nichts mit Sklaverei zu tun, sein Design sei Scotts „extravaganter und einzigartiger“ Ansatz, Mode zu entwerfen, sagte eine Sprecherin laut US-Medien. „Wir entschuldigen uns, wenn sich Menschen durch das Design beleidigt fühlen, und ziehen unsere Pläne zurück.“ Man habe sowohl positives als auch negatives Feedback erhalten.

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