Ägypten: Bekanntgabe von Wahlergebnis verschoben

Die für heute geplante Bekanntgabe des offiziellen Ergebnisses der ersten freien Präsidentenwahl in Ägypten ist auf unbestimmte Zeit verschoben worden.

Man brauche mehr Zeit, um Manipulationsvorwürfen nachzugehen, hieß es gestern am späten Abend in Kairo. Rund 400 Beschwerden hätten die Lager der beiden Kandidaten nach der Stichwahl am Wochenende eingereicht.

Sowohl der religiös-konservative Mohammed Mursi von der Muslimbruderschaft als auch Ahmed Schafik - ein Vertrauter des gestürzten Präsidenten Hosni Mubarak - beanspruchen den Sieg für sich. Die Spannungen zwischen den beiden Lagern wachsen auch dadurch weiter.

Anhänger der Muslimbruderschaft demonstrierten auch in der Nacht wieder zu Tausenden auf dem Tahrir-Platz in Kairo gegen die Militärführung, die einen Großteil der Macht wieder an sich gerissen hat.

Mubarak im Koma

Die Muslimbrüder wollen so lange auf dem symbolträchtigen Tahrir-Platz bleiben, bis ein Wahlsieger verkündet ist. Der Platz im Herzen Kairos gilt als die Wiege der Revolution gegen das Mubarak-Regime. Die Sicherheitskräfte wurden gestern in Alarmbereitschaft versetzt. Ein Sicherheitsbeamter sagte, man bereite sich auf Ausschreitungen enttäuschter Anhänger des unterlegenen Kandidaten vor.

Mubarak liegt unterdessen nach Angaben aus Krankenhaus- und Sicherheitskreisen nach einem Herzinfarkt in einem Krankenhaus in Kairo im Sterben. Berichte, wonach der 84-Jährige bereits für klinisch tot erklärt worden sei, wurden von Vertretern des Militärs wieder dementiert. Demnach habe Mubarak zwar das Bewusstsein verloren und werde künstlich beatmet, jegliches Gerede über einen klinischen Tod sei aber „Unsinn“.

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Publiziert am 20.06.2012