Erneut hochrangige Deserteure aus syrischer Armee
Aus der syrischen Armee setzen sich offenbar immer mehr ranghohe Militärs ab: Nach Angaben des türkischen Staatsfernsehens flohen heute ein syrischer General, zwei Oberste, zwei Majore und ein Leutnant in die Türkei. Mit ihnen seien 33 weitere Soldaten übergelaufen.
Der türkische Privatsender CNN Türk berichtete zudem, die ranghohen Militärs hätten ihre Familien aus Syrien mitgebracht. Es handle sich daher um insgesamt 224 Flüchtlinge.
EU verschärft Sanktionen
Die Europäische Union verschärfte heute die Sanktionen gegen Syrien. Die EU-Außenminister beschlossen in Luxemburg, sechs Organisationen auf eine schwarze Liste zu setzen.
Nach Angaben von Diplomaten sind darunter auch das syrische Innen- und Verteidigungsministerium. Für sie gelten Einreise- und Kontosperren in der EU. Eine weitere Führungsperson des Regimes von Präsident Baschar al-Assad erhielt ein Einreiseverbot in die EU.
Ban will UNO-Einigkeit wie bei Libyen
UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon rief unterdessen den Sicherheitsrat in der Syrienkrise zu Einigkeit und Entschlossenheit auf - und erinnerte dabei an andere Beispiele mit Kampfeinsätzen. In Libyen und in der Elfenbeinküste hätten die Vereinten Nationen im vergangenen Jahr ihre Entschlusskraft bewiesen, sagte Ban.
Die Vereinten Nationen müssten weltweit mehr zum Schutz von Zivilisten tun. Dazu konfrontierte Ban den Rat mit Forderungen, etwa nach mehr Spielraum für Blauhelme: „Wenn UNO-Missionen den Auftrag zum Schutz von Zivilisten erhalten, dann müssen sie auch die Mittel und die Stärke dazu haben.“ Dazu gehöre auch politische Unterstützung. Die UN dürften sich auch nicht scheuen, mit Rebellengruppen zu verhandeln - „was nicht deren Anerkennung bedeutet“.
Spannungen zwischen Türkei und Syrien
Zwischen der Türkei und Syrien sind unterdessen die Beziehungen nach dem Abschuss eines türkischen Kampfflugzeugs äußerst gespannt. Nachdem Damaskus zuerst behauptet hatte, das Flugzeug sei über syrischem Boden getroffen worden, warf der türkische Außenminister Ahmed Davutoglu dem Nachbarn „Desinformation“ vor.
Laut Ankara befand sich der Kampfjet - unbewaffnet - auf einem Übungsflug im internationalen Luftraum. Nun will die Türkei mit der Causa vor die NATO gehen. Die türkische Presse warnt Syriens Machthaber Baschar al-Assad vor einem „Spiel mit dem Feuer“. Auch die USA schlugen scharfe Töne an.
Mehr dazu in Ton aus Ankara wird rauer
Syrische Luftabwehr nahm zweite türkische Maschine ins Visier
Die syrische Luftabwehr nahm nach dem Abschuss des türkischen Militärjets am vergangenen Freitag offenbar noch eine zweite türkische Maschine ins Visier. Ein zu der Absturzstelle entsandtes Suchflugzeug der türkischen Armee sei vom Radar der syrischen Luftabwehr erfasst worden und habe deshalb abgedreht, hieß es heute bei europäischen Diplomaten in Ankara.
Den Angaben zufolge wurden die diplomatischen Vertreter aus Ländern der EU und der NATO von der türkischen Regierung über den bisher nicht bekannt gewordenen Vorfall informiert. Die türkischen Behörden äußerten sich zunächst nicht.
Publiziert am 25.06.2012