Neuer ägyptischer Präsident Mursi legte Amtseid ab

Der neue ägyptische Präsident Mohammed Mursi hat vor dem Verfassungsgericht in Kairo seinen Amtseid abgelegt. Der Amtsantritt markiere „die Geburt der zweiten Republik“, sagte ein Verfassungsrichter bei der Zeremonie gestern. Mursi hatte sich bei der Präsidentschaftswahl gegen Ex-Regierungschef Ahmed Schafik durchgesetzt.

„Wahre Demokratie“ als Versprechen

„Heute hat das ägyptische Volk die Grundlage für ein neues Leben, eine vollständige Freiheit, eine wahre Demokratie gelegt“, sagte Mursi im Anschluss an die Vereidigung in einer kurzen Rede. Der Islamist kündigte an, einen „zivilen und modernen Verfassungsstaat“ führen zu wollen. Bei einem Treffen mit Zeitungs-Chefredakteuren hatte Mursi gestern versprochen, dass es während seiner Amtszeit „keine Islamisierung der Staatsinstitutionen“ geben werde.

Der frühere Muslimbruder Mursi wollte seinen Amtseid ursprünglich vor dem Parlament ablegen. Die von den Muslimbrüdern dominierte Volksvertretung wurde jedoch vom Obersten Militärrat aufgelöst. Gestern Abend hatte Mursi daher vor Zehntausenden Anhängern auf dem Tahrir-Platz in Kairo symbolisch seinen Amtseid abgelegt. Mursi ist der erste frei gewählte Präsident Ägyptens nach dem Sturz des langjährigen Machthabers Hosni Mubarak vor eineinhalb Jahren.

Publiziert am 30.06.2012