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US-Kultur nicht mehr ganz böse

In Nordkorea war bisher alles aus dem Westen verpönt - zumindest offiziell. Doch der neue Machthaber Kim Jong Un scheint nun zumindest teilweise für eine Öffnung zu sorgen. Das Staatsfernsehen zeigte ihn am Wochenende bei einer Show, bei der Walt-Disney-Figuren wie Mickey Mouse und Minnie Mouse auftraten. Und Kim Jong Un ließ mit einigen überraschenden Ankündigungen aufhorchen.

Die Schauspieler, auch Winnie the Pooh und Tigger, waren mit von der Partie, stellten offenbar auch Szenen aus diversen Disney-Filmen wie „Schneewittchen“ und „Die Schöne und das Biest“ nach, wie die Nachrichtenagentur AP berichtet. Auch der Sender al-Jazeera verwies zudem darauf, dass die nicht verkleideten Musiker durchaus westliche Kleidung trugen. So seien einige Frauen in schwarzen Cocktailkleidern zu sehen gewesen - ebenfalls ein Novum. Die Musikgruppe sei von Kim höchstpersönlich zusammengestellt worden, hieß es.

Tanzvorführung für Nordkoreas Machthaber Kim Jong UnAP/KRTDie Musikgruppe präsentierte offenbar auch einige westliche Lieder

Der im Vorjahr verstorbene Machthaber Kim Jong Il hatte noch sämtliche westliche Einflüsse strikt abgelehnt. Sein Stil bei Großveranstaltungen waren eher Massenchoreographien mit Zehntausenden Teilnehmern, die im Gleichschritt tanzten und turnten.

„Dramatischen Umschwung“ angekündigt

AP berichtet, dass aus China importierte Disney-Merchandisingprodukte wie Taschen, Federpenale und Pyjamas zwar sehr wohl in Nordkorea verwendet werden, im Fernsehen und gar unter Beisein des „geliebten Führers“ seien sie aber noch nie zu sehen gewesen. Tatsächlich wurde Kim Jong Un mit den Worten zitiert, er wolle in Zukunft neben der Förderung der eigenen einzigartigen Kultur auch die „guten Seiten“ des Auslands „mutig übernehmen“.

Die staatliche Nachrichtenagentur KCNA berichtete zudem, Kim habe einen „grandiosen Plan, der einen noch heuer dramatischen Umschwung in den Bereichen Literatur und Kunst bringen werde“. Der neue Machthaber könnte versuchen, sich genau dadurch von seinem Vater zu unterscheiden und an Profil zu gewinnen, hieß es von südkoreanischen Beobachtern.

Ebenfalls beobachtet hat das Schauspiel der Disney-Konzern. Sprecher Zenia Mucha sagte gegenüber AP, die Verwendung der Figuren sei jedenfalls nicht erlaubt worden. Man habe keine Lizenz dafür vergeben. Ob der Konzern aber tatsächlich rechtliche Schritte erwägt, scheint aber unwahrscheinlich.

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un applaudiertAP/Korean Central News Agency via Korea News ServiceKim Jong Un begeistert - ebenso wie die mysteriöse Frau an seiner Seite

Wer ist die Frau an seiner Seite?

Ebenfalls für Aufsehen sorgte eine junge Frau an der Seite Kim Jong Uns. Südkoreanische Zeitungen mutmaßten am Montag, es könne sich um Kim Jong Uns jüngere Schwester Yo Jong oder aber um eine Geliebte handeln. Das nordkoreanische Staatsfernsehen hatte am Sonntag die mysteriöse Frau gezeigt, die mit Kim auch an einer Gedenkzeremonie für dessen Großvater Kim Il Sung teilnahm.

Die südkoreanische Zeitung „JoongAng Ilbo“ berichtete, die Frau sei die in Nordkorea berühmte Sängerin Hyon Song Wol, die eine Geliebte des Machthabers sein könnte. Beide würden sich seit Jugendtagen kennen, in nordkoreanischen Führungskreisen werde über eine Affäre der beiden spekuliert, berichtete das Blatt unter Berufung auf einen südkoreanischen Geheimdienstmitarbeiter.

Auch bei Gedenkfeier zu sehen

Yang Moo Jin von der Universität für Nordkorea-Studien in Seoul hält die These, dass die mysteriöse Frau eine Geliebte Kim Jong Uns sein könnte, indes für wenig wahrscheinlich. Die „First Ladys“ Nordkoreas würden für gewöhnlich so gut wie nie öffentlich auftreten, sagte Yang. Weder das südkoreanische Ministerium für Wiedervereinigung noch die südkoreanischen Geheimdienste wollten sich zu den Spekulationen äußern.

Fernsehbilder hatten die Frau im schwarzen Kostüm, die zwischen 20 und 30 Jahre alt sein dürfte, am Sonntag an der Seite von Kim Jong Un bei einer Gedenkzeremonie für dessen 1994 verstorbenen Großvater Kim Il Sung gezeigt. Dabei wurde Kim von einigen der höchsten Würdenträger des Landes begleitet, darunter Armeechef Ri Yong Ho.

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Publiziert am 16.07.2012