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„Zahl zwei, nimm drei“

Während Plätze auf Italiens frei zugänglichen Stränden immer mehr zur Mangelware werden, kämpfen die Betreiber von - bisher häufig überteuerten - kommerziellen Strandbädern derzeit offenbar um jeden Besucher. In Medien ist von einer beispiellosen Diskontschlacht die Rede: Low Cost laute das Losungswort zur Rettung der Strandsaison 2012.

„Wir sind wie Ryanair“, bestätigte laut „Repubblica“ etwa der Betreiber eines Strandbades nahe Viareggio (Toskana) die zunehmenden Kampfpreise auf Italiens Stränden. Nachdem allein im ersten Monat der laufenden Saison die Besucherzahl um rund ein Drittel einsackte, gelte im Bagno Nettuno nun das Wochenendmotto: „Zahl zwei, nimm drei, und der Sonntag ist gratis.“

Für Aufsehen sorgt der Zeitung zufolge auch das Spezialangebot „Sun“ des an und für sich als „teuer, aber schön“ bekannten Strandabschnitts: Ein Sonnenschirm, zwei Liegestühle und Eintritt für vier Personen um zwölf Euro seien demnach mehr als ein deutliches Zeichen für das mittlerweile erreichte Ausmaß der Krise.

Sonnenschirme am Strand

Fotolia/vision images

Allein in Jesolo stehen 35.000 Sonnenschirme zur Vermietung bereit

Tausende Bäder von Schließung bedroht

Geht es nach der Italienischen Vereinigung der Badeanstalten (Federazione Italiana Imprese Balneari), bangen mittlerweile 30.000 Strandpächter Italien-weit um ihre Existenz. Medienberichten zufolge mehrten sich zuletzt etwa auf der Versteigerungsplattform eBay angebotene „Schnäppchen“, wie beispielsweise ein für 120.000 Euro angebotenes Strandbad in der sizilianischen Provinz Messina, das samt Hundertmeterstrand, Bar, Pizzeria und sonstiger Infrastruktur bereits seit Mitte Juni auf einen neuen Besitzer wartet.

Ernüchternd zeigt sich gegenüber der Zeitung „Il Centro“ auch der Pächter eines nahegelegenen Strandes: Von 160 Sonnenschirmen seien in diesem Jahr nur 40 vermietet, so der seit 24 Jahren im selben Geschäft befindliche Betroffene weiter.

Seit Jahren steigende Preise

Die Krise auf Italiens privat betriebenen Stränden - in Summe immerhin 60 Prozent der als Badestrände nutzbaren Küstenabschnitte - ist aus Sicht des Internetportals Turismo.it allerdings nicht zuletzt hausgemacht. Grund dafür sei eine Preispolitik, die bisher zwar für volle Kassen, nun aber als Hauptgrund der ausbleibenden Kundschaft gewertet wird. Aus Sicht der Konsumentenschutzorganisation CODACONS wurden mit Saisonstart auch heuer die Preise neuerlich angehoben: Im Schnitt stieg der Tarif für einen Sonnenschirm um 7,7 Prozent und für einen Liegestuhl um rund vier Prozent.

Doch die Rechnung wurde offenbar ohne den Wirt gemacht, da immer mehr Italiener und damit die Hauptkundschaft zunehmend ihre traditionellen Urlaubsgewohnheiten ändern: Für viele sei der - wie etwa im 60er-Jahre-Schlager „Stessa spiaggia, stesso mare“ („gleicher Strand, gleiches Meer“) besungene - fix während der ganzen Ferienzeit gebuchte Strandplatz schlichtweg nicht mehr finanzierbar.

Schönwetterpreise, Fahrraddiskont, Gratissprachkurs

Als prominentes Beispiel nennt das Wochenmagazin „Espresso“ die Adria-Tourismushochburg Jesolo, auf dessen 14 Kilometer langen Sandstrand immer mehr der insgesamt 35.000 zu vermietenden Sonnenschirme geschlossen bleiben. Zumindest Schadensbegrenzung erhoffe man sich nun vom Modell „Beach Sharing“, bei dem unbenutzte, allerdings bereits von den Hotels gebuchte Strandplätze, künftig mit Diskontpreisen - genannt wurden Nachlässe von teils über 50 Prozent - an Dritte weitervermietet werden sollen.

Auch mit Gratisangeboten, die von WLAN über Tretboote bis zu Englischkursen reichen, wird um Kundschaft geworben. Immer häufiger seien laut „Repubblica“ auch Zeitkarten, beispielsweise eine Zehnstundenkarte (Eintritt und Liegestuhl) für 20 Euro oder verbilligte Eintrittspreise ab dem späteren Nachmittag zu finden. Sechs Euro „Relaxtarif“ werde zudem zwischen 13.00 und 15.00 Uhr etwa im ligurischen Porto Antico angeboten.

Normalpreis bei Sonnenschein, Rabatte bei Wolken und somit vom Wetter abhängige Preise gibt es neuerlich an der Ponente-Küste auf Sizilien. Neben Preisnachlässen an besucherschwachen Tagen können mancherorts nun auch Studenten und sogar Fahrradfahrer mit deutlich billigeren Preisen rechnen. Satte 75 Prozent Rabatt und somit 15 statt 60 Euro werden unmittelbar vor Beginn der Hauptsaison zudem auf dem Schnäppchenportal Groupon für eine Woche Eintritt, Sonnenschirm und zwei Liegen angeboten, was vor wenigen Jahren wohl noch als wenig ernst gemeinter Scherz abgetan worden wäre.

Peter Prantner, ORF.at

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