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Wachstum kleiner, Arbeitslosigkeit größer

Die Ratingagentur Moody’s hat die Kreditwürdigkeit Italiens herabgestuft. Die Bewertung italienischer Staatsanleihen wurde um zwei Stufen von „A3“ auf „Baa2“ gesenkt. Wie das US-Unternehmen in der Nacht auf Freitag in Frankfurt mitteilte, bleibe der Ausblick für das hoch verschuldete Euro-Land weiter negativ.

Es sei zu erwarten, dass die Kosten für die Refinanzierung der Staatsschulden weiter steigen werden oder das Land angesichts eines Vertrauensverlusts gar seinen Zugang zum Finanzmarkt verliert, hieß es zur Begründung. Außerdem wurde auf die „Ansteckungsgefahr“ Griechenlands und Spaniens verwiesen.

Misstrauen, ob Sparziele erreicht werden

Angesichts einer sich verschlechternden wirtschaftlichen Entwicklung in Italien, die durch sinkendes Wachstum und steigende Arbeitslosenzahlen deutlich werde, steige auch das Risiko, die Einsparungsziele zu verfehlen. Das würde sich dann wiederum negativ auf das Vertrauen am Markt und die Möglichkeiten zur Beschaffung frischen Geldes auswirken, hieß es.

Italiens Regierungschef Mario MontiAPA/EPA/Thierry RogeMonti schlägt aus der Bevölkerung großer Widerstand gegen sein Sparpaket entgegen

Trotz der Abstufung muss das Euro-Land privaten Investoren keine höheren Zinsen für frisches Kapital zahlen. Bei einer Versteigerung dreijähriger Staatsanleihen sank die zu zahlende Rendite binnen Monatsfrist um 65 Basispunkte auf 4,65 Prozent, wie die italienische Notenbank am Freitag mitteilte. Zudem gelang es Italien, wie geplant 3,5 Milliarden Euro am Markt aufzunehmen. Dennoch liegen die Zinsen, die das Land für frisches Kapital bieten muss, nach wie vor sehr hoch.

Monti schließt Hilfsantrag nicht aus

Italien ächzt unter einer Schuldenlast von mehr als 1,9 Billionen Euro. Die Regierung in Rom nahm deshalb harte Einschnitte vor und setzte es sich zum Ziel, 2013 einen ausgeglichenen Haushalt vorzulegen. Hierfür hob sie unter anderem das Pensionsantrittsalter an, kürzte Ausgaben und erhöhte die Mehrwert- und Immobiliensteuer.

Mitte der Woche hatte Regierungschef Mario Monti nicht ausschließen wollen, dass Italien doch noch Hilfe durch den Euro-Rettungsschirm benötigen könnte. „Es wäre gewagt zu behaupten, Italien werde diese Unterstützung niemals brauchen“, sagte er laut italienischen Medien nach einem Treffen der EU-Finanzminister in Brüssel. Bis dato hatte er entsprechende Behauptungen stets zurückgewiesen.

IWF fordert weitere Reformen

Nach Meinung des Internationalen Währungsfonds (IWF) muss Italien härter als bisher sparen, um wieder auf die Beine zu kommen. Die von Monti angestoßenen Reformen auf dem Arbeitsmarkt und im Dienstleistungsbereich seien zwar sehr förderlich, schrieben IWF-Mitarbeiter in einem am Dienstag in Washington veröffentlichten Bericht über die Lage des Landes. Aber die wirtschaftliche und finanzpolitische Situation sei schwierig. Es gebe daher weiter tiefschwarze Wolken am Konjunkturhimmel.

Weitere Reformen müssten zu einer Steigerung der Produktivität und des Beschäftigungsgrades führen, schreibt der IWF. Er fordert zudem Reformen für eine generell höhere Beteiligung von Frauen und eine stärkere Dezentralisierung der Lohnfindung. Das Investitionsklima müsse verbessert und Kosten für Unternehmen gesenkt werden.

EU-Schelte: Zeitpunkt fragwürdig

Die EU-Kommission kritisierte die Herabstufung Italiens. Der Zeitpunkt der Entscheidung sei äußerst fragwürdig, sagte Kommissionssprecher Simon O’Connor am Freitag in Brüssel. Die Reformanstrengungen Italiens im vergangenen Jahr seien beeindruckend gewesen. Italien senke seinen Schuldenstand kontinuierlich und setze die Konsolidierung umfassend um.

Kritik kam auch von Italiens Regierung. Industrieminister Corrado Passera bezeichnete die Entscheidung der US-Experten am Freitag in Rom als „insgesamt ungerechtfertigt und sogar irreführend“. Finanzstaatssekretär Gianfranco Polillo sagte, die Einschätzung der politischen Risiken sei „ganz und gar willkürlich“. Italien werde auch bei einem stärkeren Abschwung seine Ziele für das strukturelle Defizit respektieren, sagte Polillo.

Euro legt zu

Der Euro legte am Freitag trotz der Abstufung leicht zu. Auch schwache Wachstumszahlen aus China belasteten nicht nachhaltig. Am Morgen kostete ein Euro 1,2205 US-Dollar und damit einen halben Cent mehr als im Tief am Vortag. Ein Dollar war zuletzt 0,8193 Euro wert. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Donnerstag auf 1,2178 (Mittwoch: 1,2260) Dollar festgesetzt.

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Publiziert am 15.07.2012