USA zeigen in Libor-Affäre auf die britische Notenbank

In der Affäre um Zinsmanipulationen durch Großbanken gerät die britische Notenbank zunehmend in Erklärungsnot. Die USA drängten die Bank of England (BoE) Unterlagen zufolge bereits vor vier Jahren zu Änderungen bei der Festsetzung des Londoner Interbanken-Zinssatzes Libor, der im Zentrum des Skandals steht. Das geht aus Dokumenten hervor, die die Notenbank Fed von New York gestern veröffentlichte.

Als damaliger Fed-Regionalchef empfahl der heutige US-Finanzminister, Timothy Geithner, in einer privaten E-Mail BoE-Chef Mervyn King sechs Möglichkeiten, um die Glaubwürdigkeit des Libor-Satzes zu stärken, wie die Reuters vorliegenden Dokumente zeigen.

Auch EU erhöht Druck

Den Druck erhöht auch die EU: Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia drohte mit eingreifenden Maßnahmen in den Bankensektor, sollte sich der Manipulationsverdacht bestätigen.

Die Untersuchungen konzentrierten sich auf ein mutmaßliches Kartell, das bei der Feststellung von Interbanken-Zinsen zusammengearbeitet habe, erklärte er in Lissabon. Sollte sich der Verdacht der Beeinflussung bestätigen, „werden wir die notwendigen Schritte unternehmen, um einen Kulturwechsel im Bankensektor anzutreiben“, sagte Almunia.

Richtzinssatz gezielt manipuliert

Analysten der US-Großbank Morgan Stanley schätzen, dass auf die in den Skandal verwickelten Institute bis 2014 Zahlungen von 14 Mrd. Dollar (11,5 Mrd. Euro) zukommen könnten.

Einer ganzen Reihe von internationalen Großbanken - darunter auch JPMorgan, Deutsche Bank, Societe Generale und HSBC - wird vorgeworfen, von 2005 bis 2009 den Libor, an dem sich weltweit Millionen Einzelzinssätze etwa von Hausbesitzern orientieren, mit falschen Angaben zu ihren Gunsten manipuliert zu haben.